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lüder h. niemeyer

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Der  „Sperlingskrieg“  im  18. Jahrhundert

als  Teil  einer

„ Ausrottungskampagne  von  Staats  wegen “

Verordnung Carl’s I., Herzog zu Braunschweig-Lüneburg (1713-1780, Reg.-Antr. 1735, Neffe Kaiser Karl’s VI. und Schwager Friedrich’s des Großen, Stifter des Collegium Carolinum) die zahlenmäßige Höhersetzung abzuliefernder Sperlingsköpfe betreffend. Gegeben Wolfenbüttel 11. Dezember 1749. 33 x 40,1 cm. 1 Seite. Mit großer Holzschnitt-Initiale. Mit nebst L(oco) S(igilli)-Marke gedruckter herzogl. Unterschrift und der des Ministers A. A. v. Cramm.

Thematisch  seltener ,

für  den  Maueranschlag  bestimmter ,

( „gehörigen Orts anschlagen … lassen“ )

umwelthistorisch  eklatanter ,

rahmungsgroßartiger  Einblattdruck

von unbenutzter Frische. Nur im äußersten weißen Rand zwei stecknadelkopfkleine Löchlein an der Bugfalte. – Typographisches (I C M) + figürl. (Ritter?) Wasserzeichen. – Zu Carl siehe ADB XV, 266 ff.

Verordnung Carl's I. wegen abzuliefernder Sperlingsköpfe

„ … dann nunmehro diejenigen Mittel, wodurch diese so schädliche Vögel mit weniger Mühe und in großer Menge weggefangen werden können, durch die Braunschweigischen Anzeigen öffentlich bekannt gemacht worden: So … diejenigen, welche Sperlingsköpfe liefern müssen … von nun an viermal so viel, als … bishero … abliefern sollen“ und sind die Beamten angehalten, „auf vorgedachte Fangungs=Mittel zu verweisen, (und) dieselben nötigen Falls deutlich und begreiflich zu machen“.

Der Unsinn solchen seinerzeit allgemein verbreiteten – so erschien 1746 bei Berenberg in Lauenburg eine wohl von einem Johann Ludewig Matfeld herausgegebene „Dreyfache Schrift betreffend die Ausrottung der Krähen und Sperlinge“, drei unterschiedliche Meinungen wiedergebend – weitreichenden Eingriffes in die Natur zeigte sich alsbald:

„ Der alte Brehm erzählt in seinem Tierleben die Geschichte vom preußischen Sperlingskrieg. Friedrich der Große hatte … auf jeden toten Spatz ein Kopfgeld … ausgesetzt. Als daraufhin die Raupen und Insekten überhand nahmen … ‚da zog der große König weislich seine Hand von dem Rade der Schöpfung zurück. Er widerrief seinen Befehl und war noch obendrein genötigt, Sperlinge von weither wieder herbeischaffen zu lassen.‘ “

(Konrad Adam als Analogbeispiel zur Rhein-Kanalisierung in der FAZ vom 25. 1. 1995).

Und Hans Kumerloeve nennt dergleichen in seinen den Greifen gewidmeten „Unterlagen zur ‚Schadtier‘-Bekämpfung im Braunschweiger Lande (17./19. Jahrhundert)“ in der Festschrift Lindner – Et Multum et Multa, 1971, SS. 177 ff. „die Ausrottungskampagne von Staats wegen“, die sich, „hier wie in anderen deutschen Landen“, wo Friedrich’s Einsicht nicht der Weisheit letzter Schluß war, noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, und lokal noch darüberhinaus, fortsetzte und „unvorstellbares Ausmaß“ (Kurt Lindner) zeitigte. Wie für Preußens Sperlinge eben schon Brehm belegte.

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