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Selten + literaturunbekannt :SIBIRIENSiberie, Carte Géographique contenant le Royaume de, divisée en trois Départemens, savoir: Tobolskago, Ienisseiskago, Irkvtskago, et quelques autres Parties de la Tartarie. Mit Meilenzeiger, kleiner Separatkarte der Tschuktschen-Halbinsel (ca. 4 x 8 cm), Erläuterung der Distrikte und großer figürlich gestalteter kolorierter Titelkartusche (19,3 x 22 cm) mit stilisierten Eiszapfen, Tundralandschaft mit Rentierschlitten, Wal und Eisbären, deren einer einen Fisch verspeisend. Darüber sechs Winde. Von 2 Platten gedruckte Sibirien-Karte ca. 1 : 7,13 Mill. in kolor. Kupferstich von Matthäus Albrecht Lotter (1741 Augsburg 1810) bei Tobias Conrad Lotter (1717 Augsburg 1777). Signiert, bezeichnet. 49,6-50,1 x 108,4 cm.
Weder bei Tooley , noch , vor allem , Grenacher , Guide to the cartographic history of the imperial city of Augsburg, in Imago Mundi XXII, 85 ff., British Library und Library of Congress als den beiden größten Kartensammlungen der Welt. – An den Seiten auf oder knapp innerhalb des breiten weißen Plattenrandes geschnitten. Oben rechts im weißen Rand hs. von alter Hand mit 121 numeriert. Hinsichtlich einer Datierung bietet das Bestehen des Lotter’schen Verlages von 1758 bis 1810, dem Todesjahr Matthäus Albrecht L.’s, den äußersten Rahmen. Indes datiert die letzte von Grenacher zitierte Karte T. Lotters – gemeint ist wohl der Verlag – bereits von 1796, die letzten von Tooley genannten Karten der Lotter-Familie sogar von 1787-88, wobei er unter letzterem Datum eine Rußland-Karte dem bereits 1777 verstorbenen Tobias Conrad L. zugibt. Eine genauere Datierung auf ca. 1770-80 erscheint indes auf Grund verschiedener, teils aus der Karte selbst ersichtlicher Anhaltspunkte möglich. So erschien zum einen um 1770 eine Sibirienkarte von Ivan Fomic Truscot (1721-1786, vgl. BMC XXII, 353), die zwar nur die westsibirischen Gouvernements Tobolsk und Jenissejesk umfaßte, jedoch durchaus für Lotter verfügbar gewesen sein mag, wie auch die deutsche Ausgabe der 1776er dritten russischen Generalkarte von Truscot und Jacob F. Schmidt 1784 bei Lotter erschien. Der Vergleich der asiatischen NE-Küste von Japan bis zum Kap Szalaginskoi (Kap Schelagskij) nebst den dort vorgelagerten Inseln ergibt eine frappierende Ähnlichkeit mit Darstellung und Bezeichnung auf den 1771 bei Lattré in Paris erschienenen Karten Rigobert Bonnes von Rußland und der chines. Tartarei. Auffallend insbesondere die Form Sakhalins, das bislang – aber auch noch auf der 1776er Truscot-Karte – wesentlich gedrungener erscheint, hier jedoch eine der Natur wesentlich näher kommende schlanke Form aufweist. Das zumindest von der 1743er Utrechter Ausgabe der 1730 + 39 bereits bei Homann Erben in Nürnberg erschienenen Rußlandkarte von Johann Matthias Haas (Augsburg 1684 – Wittenberg/Augsburg 1742) – Kaert van Het geheele Russische Keizerryk – her bekannte Cape Patience hier wohl erstmals in einer Einheit mit Sakhalin gezeigt und, da die dort schon erkennbare, westlich des Kaps ansetzende langgestreckte Südhälfte der Insel hier fehlt, zugleich deren Südspitze bildend. Von großer Ähnlichkeit auch die noch völlig ungefüge und weite Teile des Japanischen Meeres ausfüllende Darstellung Jesos (= Hokkaido), wie von zahlreichen, wenngleich längst nicht allen Karten des 18. Jahrhunderts hinreichend bekannt. Die sich in nordöstlicher Richtung anschließenden Kurilen – mit reicher Detailbezeichnung, jedoch ohne die zumindest in der 1784er Ausgabe der Trescot-Karte erscheinende Benennung als Inselkette – mit den obskuren Inseln Terre des Etat (Iturup) und Terre de la Compagnie. Beide waren, wie auch das sich häufig noch anschließende da Gama-Land, von Trescot wohl endgültig der Erinnerung an die große Zeit manchmal nur vager Entdeckungen anheimgegeben worden. Interessanterweise steht bei beiden Inseln ein mit Fragezeichen versehener Hinweis auf russische Karten. Dies wohl als ein Indiz auf eine eigenständige Arbeit Lotters zu werten, der sein Wissen offensichtlich aus verschiedenen Quellen bezog und nicht lediglich eine in seine Hände gelangte Karte für eine deutsche Ausgabe kopierte. Weiteres Indiz zur Datierung ist auch die Übernahme der seit Ivan Kirilovs (1695 – Samara 1737) Generalkarte von 1734 – der ersten russischen überhaupt – praktisch unveränderten Form der Tschuktschen-Halbinsel im äußersten Nordosten Asiens. Denn spätestens seit der 1784 erfolgten Herausgabe der Trescot-Karte von 1776 wäre Lotter die neue und bis heute gültige Form bekannt gewesen. Ein Rückgriff auf ältere Darstellungsformen erschiene hinsichtlich der Eigenständigkeit seiner Arbeit wenig wahrscheinlich. Entworfen in Kegelprojektion, verläuft der Nullmeridian auf etwa 020° westl. Länge v. Gr. durch die Mitte Islands. Westlich bis Nowaja Semlja – Ural – Kazan – Asowsches Meer reichend, erfaßt die Karte im fernen Osten noch Nord-Japan , die Kurilen und Kamtschatka . Südlich noch mit Derbent am Kaspischen Meer , Aralsee , den Quellgebieten des Jenessej , dem Dalej Nuur in der nördlichen Mongolei nahe beim Wall des Dschingis Chan , die Gegend des heutigen Wladiwostok und der Tsugari-Straße . Im Eismeer bis über 78° nördl. Breite. Und so nicht nur ein schönes Beispiel für „ die glanzvolle und erfolgreiche Epoche der Augsburger Kartenproduktion … des 18. Jahrhunderts “ (Lothar Zögner), sondern auch und ganz besonders eine Überaus seltene Detailkarte aus der Zeit , als die moderne Kartographie mit Riesenschritten das russische Reich erschloss . Angebots-Nr. 12.019 / EUR 2403. / export price EUR 2283. (c. US$ 3120.) + Versand
(Mr. J. R. L., June 11, 2004) |