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Atlas Russicusein Meilenstein vor 264 JahrenErarbeitet und verlegt in Petersburgseitens der 1725 von Peter gegründetenKaiserlichen Akademie der Wissenschaftenhierin sattem Koloritvon der ganzen Qualität seines Alterswie nur höchst selten :Unkoloriert nurdas Exemplar der spektakulären 1991er Ausstellung(siehe unten)Nur unkoloriert auchdas am 6. 2. 2006 zu 25700 Euro (18000 £)bei Sotheby’s verkaufte Exemplar auf größerem PapierDe L’Isle – Atlas Rvssicus … Vastissimvm Imperivm Rvssicvm cum adiacentibvs Regionibvs. Hrsg. unter Leitung von Leonhard Euler und Gottfried Heinsius v. d. Kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Petersburg. Petersbg., Selbstvlg., 1745. Gr.-2°. 16 SS. Mit mehrfach gefalteter Gesamtkarte
+ 19 doppelblattgroßen Detail- Karten (ca. 49-50 x 56 bzw. 56,5 x 98 cm) nach Joseph Nicolas De L’Isle (1688 Paris 1768) und anderen, alles in Kupferstich mit zeitgenössischem Flächenkolorit . Marmor. Halb-Kalbldr.-Bd. d. Zt. mit Rückenschildchen, Lederecken und marmor. Deckelbezügen. Verblaßter marmor. Farbschnitt.
Literatur Bagrow-Castner II, SS. 177-253; Phillips 4060 (irrtümlich oder original nicht zugehörig mit zusätzlichen 4 Bll. Vorspann, im übrigen mit zusätzlichen Kriegskarten); Goldenberg + Postnikov, Development of Mapping Methods in Russia in the 18th Century, in IMAGO MUNDI XXXVII, 63-80; Nitsche-Stender 141; Lex. d. Kart. 688; Teleki, Atlas zur Geschichte der Kartographie der japanischen Inseln Taf. 17, 1 (Karte 19 des Atlasses); Niemeyer, Rußlands Aufbruch in die Moderne – Peter der Große und die Entwicklung der russischen Kartographie, Bonn 1991, 5 + Abbildungen. Ausstellung Schätze aus dem Kreml – Peter der Große in Westeuropa. Bremen, Übersee-Museum, 1991 (18 Wochen einschließlich Verlängerung). – Katalog-Nr. 158 (unkoloriertes Exemplar). Titel + Textteil – Beschreibung der Karten hinsichtlich Begrenzung, Entstehung, Genauigkeit und Durchführung der Vermessung; Transkription des russ. Alphabets; teils ausführliche russ. Worterläuterungen; gestochene Zeichenerklärung mit reicher Aufschlüsselung bis hin zu Salinen und Thermen – in latein.-franz. Paralleltext (russisch- + deutschsprachige Version gleichen Jahres mit geringerem Textvorspann = Phillips 4059 bzw. 3109 mit jeweils irrtümlichem Hinweis für Karte 19 „showing the extreme point of Alaska and the Aleutian islands“, recte vielmehr Kamtschatka + Kurilen). Textteil mit den Honig-Wzz. HONIG / IV + bekrontes großes Lilienwappen mit ligiertem Anhänger WR. – 1 Karte innerhalb des unteren Kartenrandes geschnitten, doch ohne Verletzung des Kartenbildes selbst, 5 Karten auf bzw. unter Verlust der oberen bzw. unteren Einfassungslinie geschnitten, je eine Karte unter Anschnitt bzw. Verlust des Meilenzeigers und der Numerierung innerhalb des weißen Plattenrandes geschnitten. Ansonsten lediglich vereinzelte kleine, hinterlegte Randeinrisse und zwei nicht störende Ausrisse. Im übrigen unter sorgfältigster Restaurierung des Rückens neu aufgebunden, die alten Deckel vorn weniger, rückseits mehr beschabt und bestoßen, den Gesamteindruck dieses schönen, frischen Exemplars indes nicht beeinträchtigend. Das satte Kolorit
von der ganzen Qualität seines Alters , wobei die Kartuschen, wie vielfach bei altkolorierten Atlanten bis hin zum legendären Atlas des Großen Kurfürsten, in Schwarz-Weiß belassen wurden. Als erster vollständiger Rußland-Atlas der entscheidende Meilenstein auf dem Weg ins moderne Rußland :
(Goldenberg-Postnikov). Diesem Ziel galten die unter höchster Protektion stehenden Arbeiten der geographischen Abteilung innerhalb der von Peter dem Großen begründeten Akademie der Wissenschaften, der auch als einer der Autoren der 1721er berühmten „Punkty“ – „The first official instructions on land survey and map-making“ – vermutet wird, der sich gelegentlich seines ersten Holland- Aufenthaltes selbst im Kupferstich unterweisen ließ („… lernte unter der Leitung der 17jährigen Marie de Wilde (Tochter des ihm nahestehenden Kaufmanns und Sammlers Jacobus de W. in A’dam) die Radiernadel handhaben … Was er eigentlich mit einer solchen Tätigkeit erreichen wollte, war genau wie beim Schiffbau: das Handwerk, das in Rußland gebraucht werden konnte, gründlich lernen und kennen … Stechen und Radieren steht in engen Zusammenhang mit dem Drucken von Karten …“, Gerson, Ausbreitung und Nachwirkung der holländischen Malerei … S. 516) und dessen „Verdienste um die Verbreitung geographischer Kenntnisse“ K. E. von Baers Untersuchungen galten (Petersburg 1872, siehe aber auch K. Waliszewski, Peter the Great, NY 1897, S. 345). Gefragt war eine völlig neue Kartenaufnahme unter Berücksichtigung astronomisch bestimmter Fixpunkte. An der Spitze der ins Land geholten westlichen Astronomen und Geographen stand J. N. Delisle, der von 1725-47 in Rußland arbeitete und aus dessen an der Akademie begründeten astronomischen Schule mehrere russische Astronomen von Ruf hervorgingen, indes seine Arbeiten für den 1745er Atlas – dem der weniger entscheidende Kirilovs von 1734 vorangegangen war – unter Reibungsverlusten litten. Dadurch bedingte mangelnde Aktualität und ungenügende Akkuratesse waren denn für ihn auch der Grund, weshalb er seinen Namen mit dem des Atlasses nicht gern verbunden sah. Wie zeitgenössisch auch schon M. V. Lomonossov gerügt hatte:
(Coll. works, Moskau 1955, IX, 258). Als Adjunkt beigegeben war Delisle der als ao Prof. der Astronomie und Mitglied der Akademie 1736 nach Petersburg berufene Gottfried Heinsius (Naumburg/S. 1709 – Leipzig 1769), der noch im Jahr des Erscheinens bereits einem Rufe nach Leipzig folgte. Siehe ADB XI, 656. Die den europäischen Teil betreffenden Detail-Karten 1-13 (1 : 1.527.000) gegenüber den 6 asiatischen (1 : 3,360 Mill.) – östlich der Flüsse Irtysch/Ob, doch noch bis zum Petschora-Delta – maßstablich sichtbar größer konzipiert und zudem mit meist reich figürlich-instruktiven Titelkartuschen geschmückt. Die asiatischen hingegen nur mit einem Titelstreifen versehen. Ob dies nur der wirtschaftlichen Bedeutung und dem seinerzeitigen Bekanntheitsgrad zuzurechnen oder Ausdruck des von Delisle als unangebracht gerügten Verlangens nach hastigerer Fertigstellung der Arbeiten ist, möge hiesigerseits dahingestellt bleiben. Deutscherseits von besonderem historischen Interesse
die Leibniz’sche Version des Wolga-Don-Kanals , wie 1697 im Gespräch mit dem russischen Botschafter Golovin skizziert. Ihrerseits auf einem 1568 von Sultan Selim II. begonnenen Unternehmen fußend, verbindet sie entsprechend dem bislang zu bewältigenden Landweg die beiden Nebenflüsse Ilovlya + Kamyschenka. Ein neuerlicher Anlauf Peters des Großen scheiterte indes abermals und die bereits begonnenen Arbeiten mußten wieder abgebrochen werden. Gedruckt erscheint diese Version wohl erstmals auf einer Spezialkarte in Cornelis Crys’ Don-Atlas von 1703/04. Ebenso ist sie auf Kirilov’s Generalkarte von 1734. Im Atlas Russicus fehlt sie zwar auf der Generalkarte, nicht jedoch auf der Wolga-Teilkarte 10, die – wie hier auch die Generalkarte – zugleich die weiter südlich gelegene, erstmals auf der großformatigen Ms.-Reisekarte Rußlands von ca. 1683 erscheinende und auf verschiedenen Karten jener Jahre wiederholte Verbindung Zarizyn (Wolgograd) – Katschalinsk verzeichnet. Letztere dem Verlauf des erst 1952 fertiggestellten Kanals schon recht nahe kommend. Siehe hierzu auch Leo Bagrow, The Volga Don Canal, in I. M. X, 97 f. Weiterhin von außerordentlicher Importanz für die Entwicklung der Kartographie ist die wohl erstmalige Darstellung der Kurilen
als Inselkette in geschlossener bezeichneter Folge zwischen Nordjapan – dessen Nordzipfel am unteren Kartenrand – und Kamtschatka ausgespannt. Die umstrittenen Inseln im Süden der Kette dabei korrekt etwas abgesetzt und näher zu Japan hin gelegen. Somit ohne die noch bei Kirilov und Haas, aber auch auf anderen, teils wesentlich späteren Karten zu findenden, praktisch die gesamte Südhälfte der Inselkette ausmachenden obskuren Staaten Island, Terre de la Compagnie und Terre de Jean da Gama, die zudem namentlich auf den früheren Karten lagemäßig eher an einen zu weit südlich geratenen, indes auch noch weitgehend unbekannten Aleutenbogen denken ließen. Für den rein kartographischen Rang des Atlasses gilt Goldenberg-Postnikovs Résumé :
Und speziell von hiesigem Atlas hatten
(Bagrow, Meister der Kartographie, S. 251).
Der erfaßte Raum entsprechend der Grenzen zur Zeit Elisabeth Petrownas, Peters Tochter (1709-62, Zarin seit 1741). Im Osten bis zur Behring-Straße, mit den Kurilen und Nord-Japan, im SO das später von Alexander II. (Zar seit 1855) erworbene Amur-Gebiet als Ganzes bis hin zum heutigen Wladiwostok. Ansonsten südlich bis in die Quellgebiete von Kerulen, Selenga + Irtysch – Kaspische Südküste – Arax-Fluß , dann etwa auf der Linie Trabzon – Konstanza durch das Schwarze Meer , westlich bis Kiew – Memel – Helsinki mit Teilen Finnlands – norwegischem Grenzgebiet . Im Norden bis ca. 85° nördlicher Breite . Alles in allem das Dokument eines Aufbruchs in die Moderne als zeitgenössisch koloriertes Exemplar . Angebots-Nr. 14.977 / Preis auf Anfrage
(Herr J. R., 7. Juni 2004) |