Schließlich gehörte der kinderlos zu versterben trachtende Karl II. von Spanien zum Hause Habsburg. Letzteres gleichwohl durch Hinzugewinn der spanischen Monarchie den Seemächten England/Holland wie Frankreich zu dominierend würde. Wofür man in Wien Verständnis zeigte. Jeder mit jedem ohnehin versippt und verschwägert, bot sich Bayerns Kurprinz Joseph Ferdinand als Erbe an, der Enkel Kaiser Leopold I. und dessen spanischer Gemahlin. Indes: der junge Spielverderber starb (1699) noch vor dem Erbfall (1700). Noch vor dessen Eintritt hatten sich schon zu Anfang des Jahres Wilhelm III. von England, letzter Vertreter der „ältere(n) berühmte(n) Linie des Hauses Oranien, deren Besitzungen Preußen erbte“, Ludwig XIV. von Frankreich und eben Karl II. von Spanien auf Ludwig’s Enkel Philipp, den Herzog von Anjou verständigt. Eine Rechnung, die ohne kaiserlichen Segen blieb. Am Ende aber unter Auflagen aufging und nach 13jährigen Feldzügen den Enkel als Philipp V. von Spanien 1714 endgültig inthronisierte. Was der Sonnenkönig weit früher hätte erleben dürfen, hätte er nicht gar zu sichtbar lüstern von französisch-spanischer Machtallianz und der Sperre der südamerikanischen und westindischen Häfen für die Seemächte England und Holland geträumt. Was letztere zwei zu Koalitionären des Kaisers machte. Versus Frankreich und das diesem verbündete Bayern. Und beide Seiten setzten große Feldherren in Marsch, doch die Koalition mit dem Prinzen Eugen und dem ersten John Churchill Herzog von Marlborough die besseren, geradezu genialeren. Die nicht zögerten, nachdem Frankreichs Marchall Villars die Kaiserlichen unter Graf Styrum am 20. September 1703 bei Höchstedt in die Flucht geschlagen hatte und am 13. Dezember Augsburg gefallen war, nach den Bayern (2. 7. 1704 am Schellenberg bei Donauwörth) nunmehr den Franzosen
am 13. August 1704 bei Höchstedt / Blindheim
die Niederlage ihres Sonnenkönigtums beizubringen.
„ Das war die Sensation “
(Roswin Finkenzeller in Vorgriff auf die Höchstedter Ausstellung – bis 7. November – am 1. 7. 04 in der FAZ). Herbeigeführt namentlich dank
„ Marlboroughs revolutionäres taktisches Konzept ;
( Stoß ins Zentrum der gegnerischen Aufstellung )
bei Höchstedt wandte er es zum ersten Mal an ,
mit verheerendem Erfolg …
Fast vierzig Jahre lang wagte kein französisches Regiment mehr den Marsch auf Wien “
(Andreas Kilb in Besprechung der Höchstedter Ausstellung am 22. 7. 04 in der FAZ).
Mit dem Ergebnis, daß der Kaiser den großen Verbündeten 1706 zum deutschen Reichsfürsten erhob und „ihm das aus konfiszierten bayerischen Besitzungen gebildete Fürstentum Mindelheim“ verlieh, das er gleichwohl 1714 im Frieden zu Rastatt (nicht bereits 1713 im nur zwischen den Verbündeten und Frankreich geschlossenen Utrechter) entschädigungslos wieder verlor. Das Vaterland aber hatte ihn schon 1702 zum Marquis von Blandford + Herzog von Marlborough befördert, für Höchstedt (Blenheim für England) aber schenkte das Parlament ihm die Domäne Woodstock „und die Königin (Anna) ließ ihm daselbst das Schloß Blenheim bauen“, ein 19jähriges, für den Duke lebenslängliches Unterfangen.
„ M. war ein ebenso gewandter Diplomat … wie ein genialer Feldherr, welcher mit persönlichem Mut einen sichern und schnellen Blick verband, der jeden Fehler des Gegners erspähte und zu benutzen wußte. Seine Schattenseiten waren maßloser Ehrgeiz und niedrige Habsucht “
(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XI, 263 ff. und, zu Mindelheim, 644, dem auch die nichtindividualisierten Zitate verdankt werden).
Letztere denn spielte auch in Eugène Scribe’s (1791-1861) „Das Glas Wasser“ eine zentrale Hintergrundrolle, unvergessen durch die Käutner-Verfilmung mit Gründgens + Hilde Krahl (Lady Churchill) als Gegenspieler in den Hauptrollen. Doch immerhin: der ihm kongenial und freundschaftlich verbundene Eugen, nicht minder groß als Bibliophiler,
„ (bekehrte ) ihn auch zum Büchersammeln.
Er ist der Gründer der Blenheim Library “
Kein Zweifel, solche Charaktere mußten einen Mann wie den älteren
GEORG PHILIPP RUGENDAS
1666 Augsburg 1742
– „ein Talent ersten Ranges, um nicht zu sagen, ein Genie, das „Zweifellos, unter bessere Verhältnisse gesetzt, etwa in den Niederlanden um 1650 lebend, ein Künstler geworden sei, der
seine sämmtlichen Pferde- und Schlachtenconcurrenten überflügelt hätte “
(Wilhelm Schmidt 1889 in der ADB, XXIX, 600) – umsomehr faszinieren, als er ja nicht einfach nur ihr Zeitgenosse war, nein, weitmehr, in hautengster Fühlungnahme zum Geschehen stand, dessen Augenzeuge und Bildberichterstatter er wurde. So sind „1703/1704 für Rugendas auch künstlerisch von Bedeutung. Denn er hält die Ereignisse in einer Vielzahl von vor Ort gemachten Zeichnungen ‚nach wirklichen Beyspielen‘ [Füessli] fest“ (Andrea Teuscher in Die Künstlerfamilie Rugendas 1666-1858, 1998, S. 2).
Darunter denn eben auch, nebst Titelei bezeichnet mit Georg Philipp Rugendas inv. et fec(it). Aug. V(ind).,
die monumentalen Reiter-Porträts


der Sieger des 13. August von Höchstedt ,
Prinz Eugen von Savoyen
und
John Churchill Herzog von Marlborough
auf Schimmeln ,
wie gerade für letzteren so sprichwörtlich. Beide mit ihrem Marschallstab in ausgestreckter Rechten und nach rechts bzw. links, also pendantartig auf sich zu sprengend,
wie optisch besonders wandschön .
Geschaffen innerhalb der literaturseits mit keinem kompletten Exemplar mehr belegbaren 6blätterigen „Schimmel“-Folge der Fürsten zu Pferde von 1713/14 (Teuscher 53-58) in der nur Kleinstauflagen von ca. 50-60 schönen Abdrucken (so 1675 der Praktiker von Sandrart) zulassenden
samtenen Schabkunst
von 46,9 x 36,2 cm, davon Eugen (T. 55) nicht bei Stillfried + Nagler, die beide nur die nicht zugehörige Version T. 59 kennen. Nicht eines der sechs Blätter aber innerhalb der etwa 27.600 Positionen der Abt. I-XXVIII des Weigel’schen Kunstlager-Catalogs (1838/57)!
Hier denn zudem qualifiziert durch Vorbesitz der auf Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehenden
Portrait-Sammlung von Vater + Sohn von Roemer ,
in Leipzig, die 1871 auf das dortige nachmalige Museum der Bildenden Künste überging und von diesem 1924 offenbar als Ganzes (nicht nur in Doubletten, wie Lugt vermerkt; siehe Versteigerung Boerner 142) veräußert wurde. Recto unten rechts dessen Bestandsstempel „Staedtisches Museum zu Leipzig“ (Lugt 1669e), verso der Ausscheidungsstempel „Abgegeben v. Museum d. b. K. Leipzig“ (L. 1669f).
Die von den von Roemers – offensichtlich als einziges, zwischenzeitlich nun vereinzeltes Exemplar! – noch komplett besessene Folge auf besagter Versteigerung „Kupferstichsammlung von alten Meistern des XV.-XVIII. Jahrhunderts“ unter Pos. 1670 wie folgt beschrieben:
„ Die schönen , großen Reiterporträts
in prachtvollen , gleichmäßigen , frischen Abdrucken …
Sämtlich auf blauem Karton altmontiert “,
dessen Ränder recto rahmenmäßig mit blau-grauem Papier kaschiert sind. Die Bilder selbst dann mit schwarzer Einfassungslinie paspeliert.) Im übrigen knapp bis an Plattenkante, stellenweise auf dieser selbst und rechts 3,5 cm auf Bildkante geschnitten. Das Eugen-Blatt zusätzlich leicht berieben, zwei winzige bzw. ganz kleine Abschabungen rechts im Rand, nur minimal bemerkbare Vertikalfalte von unten bis unter den Bauch des Pferdes.
Summa summarum denn eine über das diesjährige Höchstedter Gedenken weit hinausstrahlende
Augen- + Sammlungslust sui generis von superber Seltenheit .
Und letztere eben nicht allein besonderer Umstände halber am Markt, sondern vorprogrammiert technisch bedingt generell, siehe oben. Oder, am Beispiel Ridinger’s, 1856 bei Thienemann :
„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr …
zu bekommen … und (deren) bei Weitem größten Theil …
(habe ich) allein (im Kupferstichcabinet Dresden) gefunden. “
Nicht einmal dort denn aber die Rugendas’sche große Folge der „Fürsten zu Pferde“ als Ganzes, der später sein gleichnamiger Sohn eine mit 34 x 22 cm sichtbar kleinformatigere eigene folgen ließ, und sie Ridinger als Anregung zu seiner eigenen der „Fürstliche(n) Personen zu Pferde“ diente.
Erwerbbar als Gegenstücke zu ermäßigtem Pendantpreis
per Angebots-Nr. 14.365 / Preis auf Anfrage
oder apart per 14.364 (Eugen) bzw. 14.363 (Marlborough)
(Mevr. E. E., June 29, 2002)