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Vogel des Jahres 2005Der UhuVogel der WeisheitMöge die Aufmerksamkeit, die der Uhu dieses Jahr erfährt, nicht nur auch den kleineren Mitgliedern seiner Familie zugute kommen, sondern die seit dem Altertum sprichwörtliche Weisheit der Eulen auch über manch sich vermeintlich stark und unverletzlich dünkenden sogenannten „Entscheidungsträger“ kommen, denkt er über immer neue Strangulierungen einstmals blutig erkämpft werden müssender bürgerlicher Freiheiten oder alle kulturellen Grenzen negierende Erweiterungen nach. Auf daß man einst nicht allein den Eulen ihr Lebensrecht gesichert hat, sondern diese auch wieder mal hierhin oder dorthin tragen könnte als Ausdruck von menschlicher Weisheit und Weitsicht …
„ Wer Schwächre unterdrükt , frolocke nicht zu sehr .Denn über ihn kommt auch gar leicht ein Stärkrer her “Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der arme Hase wird der Son(n)enscheuen Eule Und die des Jägers Rohr /: Ein seltner Fall!:/ zu Theile … Uhu mit Hase in den Fängen über hügeliger Landschaft mit Felsgestein bei Vollmond, auf den feuergebenden Schützen hinabblickend. Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1730 Augsburg 1780). Bezeichnet: III. / Joh. El. Ridinger inv. et del. / Mart. El. Ridinger sculps. Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten. 35,2 x 23,9 cm. Thienemann + Schwarz 346; Helbing XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 860: Selten (1900). Die sehr , sehr schöne Scenerie als Blatt III der ausschließlich von Martin Elias nach überwiegend väterlicher Vorlage auf Kupfer übertragenen und 1779 postum abgeschlossenen 46blätt. Folge „Zu den besondern Ereignissen u: Vorfallenheiten bey der Jagd“ ( „The rarest set of Ridinger’s sporting line engravings“, Schwerdt 1928). Wobei die beiden Schlußzeilen des Untertextes „ Wer Schwächre unterdrükt , frolocke nicht zu sehr . Den(n) über ihn kom(m)t auch gar leicht ein Stärkrer her “ auch hier jenen bislang mit Fleiß übergangenen Ridinger dokumentieren, der gelegentlich dessen 300. Geburtstag auf dem Festakt der TU Dresden Gegenstand der hiesigen „Dresdner Rede – Der verharmloste Ridinger“ war. Herrlicher Erstausgabendruck mit der römischen Numerierung („Wenn sie fehlen, so deutet dies auf spätere Abdrücke“, Thienemann) mit Provenienz von Behr des Hauses Stellichte und wohl zwischen 1768 + vor 1779 unmittelbar von den Ridingers erworben. Das Geschlecht derer von Behr selbst tief in die Jahrhunderte zurückreichend und bereits 1470 mit dem Wasserschloß zu Stellichte im Niedersächsischen belehnt. WANGEN-Wz. – Dreiseits 3-4,5 cm breitrandig und hier partiell ganz minimal stockstippig, links 2 cm um den aber seinerseits immerhin knapp 1 cm breiten weißen Plattenrand. Helbing’s Exemplar seinerzeit mit nur „fast volle Rand“.
„ Oben darauf aber thront die Ohreule … “Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Vogelfænger auf den Vogel-herd mit seinem geræthe ziehend. Oiseleur sur L’oiselerie tirant les filets. Radierung und Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1730 Augsburg 1780). Ca. 1764. Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inv. del. et exc. Aug. Vind. / Mart. El. Ridinger sculps., ansonsten wie vor. 34 x 26 cm. Thienemann + Schwarz 131. – Blatt 19 („S.“) der 25blätt. Suite der Jaeger und Falkoniers mit ihren Verrichtungen, hier
Leuchtend kontrastreich auf festem Linien-Papier als Merkmal der zeitgenössischen Abdrucke. – Typogr. Wz. – An den Seiten mit 3,8-4 cm von schöner, oben und unten mit 7,8 bzw. 7 cm hervorragender Breitrandigkeit. – – – Dasselbe als nicht gelaufene Tiefdruck-Postkarte nach Ridinger bei Felsing, Bln. Ca. 1900-20. – Nach Blatt 20 (Thienemann 132) der „Jäger und Falkoniers“.
Gar nicht selten , aber so geschützt wie der Uhu :Als Krähen noch gejagt werden durftenFröhlich, Ernst (Kempten 1810 – München 1882). Die Kraehenhütte. / Chasse aux Oiseaux de Proie. Aufgeblockter Uhu, über ihm federnlassender Hasser, deren weitere heranrudern. Kreide-Lithographie von Victor-Jean Vincent Adam (Paris 1801 – Viroflay 1866). Nebst obigem Titel bezeichnet: Gez. v. Frœhlich. / Lyth. v. V. Adam. / Gedr. v. Lemercier, Benard & Co. / Bey Artaria & Fontaine in Mannheim / Chez Rittner & Goupil à Paris. 28 x 31,6 cm.
Aus der 18blätt. Suite „Jagderinnerungen“. – Slg. Schoeller 426. – Nicht bei Schwerdt. – Das reizvolle Sujet mit instruktiv gezeichneter Leinenführung. – Unbeschadet der generellen feinen Stockstippigkeit von nur kaum beeinträchtigter Bildwirkung. – Im außerordentlich breiten weißen Rand rechts unten Wasserfleck sowie hinterlegter Kleineinriß.
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Falconier knecht de(n) Schuhu vom Bode(n) aufnehmend. Tiefdruck-Postkarte nach Thienemann 121 von O. Felsing, (Bln.-)Charlottenburg. Ca. 1900-1918. 14 x 9 cm.
Nicht gelaufene „KÜNSTLERKARTE“ nach dem von Martin Elias R. radierten Sujet der Falconiers-Suite. – „Er reitet einen schönen Engländer … oben fliegen Aelstern …“.
Und wovor warnt die kluge Eule – na , wen wohl ? – noch ?… den Fortbestanddemokratischer Grundrechtefür verbürgt zu nehmenRidinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Unschuld wird oft durch der Bösen Haß gerettet. Eine einst von dem Fuchs geprellte Eule warnt „eine weidende Heerde wilder Gänse“ davor, den Tod Reineke’s als verbürgt zu feiern. Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1730 Augsburg 1780). Nach 1767. Bezeichnet: J. El. Ridinger. inv. et del. / M. El. Ridinger. sc. et exc: A. V., ansonsten wie vor in Dt.-Lat.-Frz. 33,6 x 24,7 cm. Thienemann + Schwarz 781; Metzner-Raabe, Illustr. Fabelbuch, 1998, Bd. II (Bodemann), 123.I. – Blatt 17 der Fabeln. – Das außerordentlich seltene erste Ergänzungsblatt der geistig wie optisch überaus reizvollen „Lehrreiche(n) Fabeln aus dem Reiche der Thiere zur Verbesserung der Sitten und zumal zum Unterrichte der Jugend“, mit denen
(Stefan Morét, Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, Seite 96). Darüberhinaus zugleich aber auch, einen neuen Bildtypus kreierend, einmal mehr Tradition und Feld hinter sich lassend. Denn, so Ulrike Bodemann in Metzner-Raabe,
Und Regine Timm, ebda., Bd. I, Seite 171 :
Die Folge besteht aus zwanzig Blatt, von denen Johann Elias gleichwohl nur die ersten sechzehn veröffentlichte. Vermutlich aus stilistischen Skrupeln. Denn mit den erst vom Ältesten, Martin Elias, auf Kupfer übertragenen und postum herausgegebenen vier letzten, wie denn auch anstehende, gibt er die Überfülle der vorangegangenen , seiner überdies erst neugeschaffenen Fabel-Konzeption , weitergehend zu Gunsten einer nun auch für ihn völlig neuen , souverän konzipierten großflächigen Klarheit auf , womit auseinanderzusetzen er sich schlußendlich aber offenbar scheute. Und wohin ihm noch hundert Jahre später auch Thienemann nicht folgen mochte („haben weniger Kunstwerth, sind aber dennoch schätzbar und ihre Seltenheit zu bedauern“). Was hiesigerseits hingegen als ein bemerkenswert weiterentwickeltes künstlerisches Ausdrucksvermögen gesehen wird. Gipfelnd eben in dem Fascinosum , nicht allein ein neues Fabelbild geschaffen , sondern dieses in sich noch einmal zu neuem Ufer fortentwickelt zu haben . Vergleichbar als von Ridinger wiederholt zitiert sei in diesem Zusammenhang an Watteau und hier an dessen „Gesellschaft im Freien/Park“ in Berlin erinnert, zu dem Pierre Rosenberg anmerkt: „… ist das Berliner Gemälde ein Beweis dafür , daß der Künstler sich erneuern wollte , indem er einen neuen Typus der Komposition schuf …“ (Ausstellungskatalog Watteau, Washington/Paris/Berlin 1984/85, S. 415). Solchermaßen denn ein höchst gewichtiger Meilenstein innerhalb des „rund 900 Ausgaben (ausmachenden) Grundcorpus illustrierter Fabelbücher“ bis hin zu Chagall’s 200 Jahre späterem Lafontaine-Folio mit seinen 100 Radierungen als geradezu einem Schlaglicht für die Unsterblichkeit der Fabel-Illustration. Daß Ridinger seine Folge ursprünglich gleichfalls wesentlich umfangreicher konzipiert hatte, belegen seine hier durchgelaufene Vorzeichnung zur 20. Fabel, die er mit „Fab 31“ bezeichnet hatte, jene mit „Fabel 29.“ bezeichnete zur 19. (Weigel, 1869, Nr. 384) und die Thienemann vorgelegene, mit „30“ genummerte, die gleich weiteren, unnumerierten, indes unverarbeitet blieb. Die praktisch vorprogrammiert gewesene große Seltenheit der vier Supplementblätter seit Thienemann (1856, Seite 151) literaturbekannt: sie „machen sich sehr rar, finden sich schon in manchen älteren Ausgaben nicht, und sind in der neuesten ganz weggelassen, was jedoch zu bedauern ist“. Entsprechend denn auch der 1889er Katalog der Slg. Coppenrath zu 20blätt. Exemplar: „Schöne Hauptfolge … Selten“. Und Helbing 1900 in seiner 1554blätt. Ridinger-Offerte (Katalog XXXIV): „Die letzten (4) Nummern sind höchst selten“. Und während er neben einem Komplett-Exemplar die ersten sechzehn bis auf 12 + 13 mehrfach apart besaß, so von den letzten vier nur 17 + 19 jeweils einmal zusätzlich. Am Markt denn auch bis heute meist nur die 16blätterige Grundfolge. Die die Nachauflagen dokumentierenden verschiedenen Druckzustände des Titels im übrigen schönster Beweis für den Erfolg der Arbeit, die ihre namentliche Zielgruppe, die Jugend, offensichtlich erreicht hat.
„ Welt Welt / Ach Ach “Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Ach Ach. Die Nacht-Eulen verzehreten ein armes Häßlein, so bald kom(m)en auch Kazzen dazu, u: wollen sie mit samt dem Haasen fressen da heißt es wie um Haare so um Federn. Ein Uhu – kommentiert Thienemann – , auf einem erbeuteten Hasen sitzend, wird von zwei Katzen angefallen, welche ihm den Hasen entreissen wollen. Oben will eine zweite Eule herabfliegen und den Raub verhindern. DAZU: Welt Welt. Die Füchsen hohleten sich im Hüner Stall ein Gastmahl, allein alsbald wurden Hunde auf Sie abgehezt, und also gilt es wie um Federn so um Haare. Zwei Füchse – kommentiert Thienemann – , der eine nimmt Reissaus mit einer Henne im Maule, der andere hat den getödteten Hahn fallen lassen, um sich gegen einen Hund zu vertheidigen. Zwei andere Packan eilen eine Anhöhe herab, um am Kampfe Theil zu nehmen. 2 Blatt als lebhaft-wandtüchtige Scenerien in hügeliger schöner Gewässerlandschaft (bei Vollmond), angesiedelt jeweils am anderen Ende desselben Wassers. Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1730 Augsburg 1780). Bezeichnet: XXXIII. bzw. XXXIV. / Joh. El. Ridinger. del: et inv: (Bl. 34: invin:, sic!) 1753. / M. El. Ridinger. Filio suo. sp. 1777, ansonsten wie vor und unten. 33,7-33,8 x 24,7-25,1 cm. Thienemann + Schwarz 376/377; Helbing XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 892 + 893 („SELTEN“, 1900!). – Das oben wellenförmig gerundete Paar XXXIII/XXXIV der ausschließlich von Martin Elias nach überwiegend väterlicher Vorlage auf Kupfer übertragenen und 1779 postum abgeschlossenen 46blätt. Folge „Zu den besondern Ereignissen u: Vorfallenheiten bey der Jagd“ ( „The rarest set of Ridinger’s sporting line engravings“, Schwerdt 1928), hier vorliegend in herrlichen Erstausgabendrucken mit der römischen Numerierung („Wenn sie fehlen, so deutet dies auf spätere Abdrücke“, Thienemann) mit Provenienz von Behr des Hauses Stellichte wie eingangs und wohl zwischen 1768 + vor 1779 unmittelbar von den Ridingers erworben. Die Folge selbst „fast durchgängig so eingerichtet, dass immer zwei und zwei mit einander harmoniren und Seitenstücke bilden, wie sie denn auch paarweis verkauft worden sind“ (Th.). Dem „Welt Welt“-Blatt folgt als Zeilen 4 f. „Alle wackere Junggesellen sind den Schönen auch beschwerlich, aber Leztere wiederum erstern öffter auch Gefährlich.“, wozu Thienemann lakonisch anmerkt „Wie aber die Jungfern und Junggesellen hierher passen, mag Ridinger wissen“. Dem „Ach Ach“-Blatt folgen als Zeilen 4 f. „ Des Raubens und Mordens ist kein Ende , und so wird Frevelthat zur dritten Sünde “ . WANGEN-Wz. – Blatt 33 dreiseits, und hier partiell schwach stockstippig, 3,5-5,5 cm breitrandig, links nur mit 0,5-1 cm (hier leichte Leimspur im oberen Drittel) um den aber seinerseits immerhin 1 cm breiten weißen Plattenrand. – Blatt 34 dreiseits 2,6-6,8 cm Rand, links mit 1,5 cm, dabei hälftig mit früherem Heftfalz nebst Heftlöchlein, um besagt breiten weißen Plattenrand. – Helbing lagen die Blätter nur „mit fast vollem Rand“ vor.
Uhu, Der. Waidmann mit dem Uhu auf dem Arm. Holzstich nach Herbert König (Dresden 1820 – Niederlößnitz bei D. 1876). (1876.) Signiert. 16,7 x 13,8 cm.
(Mr. Z. B., September 12, 2003) |