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niemeyer's AHA!-Erlebnisse - aus Tradition aktuell

—  Dezember  2005  —

 

In  Erwartung  der  wiederkehrenden  Sonne

Ridinger’s

Vier  Tageszeiten  der  Hirsche

als

stimmungsreich  inszenierte

vielleicht  schönste  Naturfolge  der  alten  Graphik

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die vier Tageszeiten der Hirsche. Folge der 4 Blatt in Radierung + Kupferstich. Zwischen 1743/44, eher wohl Ende der 50er, + Oct. 1763. Bezeichnet: J. E. Ridinger Pictor ac Sculptor Augustan. (1) bzw. J. E. Ridinger fec. (2-4), ansonsten wie nachfolgend, dabei das Tages-Motto jeweils oberhalb des Bildovals, dessen Ecken ausschraffiert sind. 34,2-34,5 x 27,7-28,2 cm.

Thienemann + Schwarz 238-241; Kunstlager-Catalog Weigel 16545

( „alte  jetzt  nur  selten  vorkommende  Abdrücke “, 1847 ! )

+ Abt. XXVIII, Ridinger 19 A; Nagler 26; Helbing XXXIV (J. E. + M. E. Ridinger, 1900), 500 ff. mit Bl. IV in nur späterem Abdruck; Schwerdt III, 138. – Kein Exemplar in Slg. Coppenrath (1889/90) + Liste Rosenthal 126 (Joh. El. Ridinger, 1940, 444 Nrn.).

Ganz gleichmäßige, gleichwohl gereinigte Abzüge der Erstausgabe mit umlaufend 2 cm breitem Rand, nach reichlichem Jahrzehnt erstmals hier wieder vorliegend. – Bll. 3 + 4 mit leichter bzw. (4) etwas stärkerer Quetschfalte in der Mitte des linken weißen Randes.

 

„ Lucem revehit tenebris Aurora fugatis “

Nach  verscheuchter  Finsternis

Johann Elias Ridinger, Nach verscheuchter Finsternis führt Aurora das Licht zurück

führt  Aurora  das  Licht  zurück

„ Auf  Felsenmassen  steht  ein  Spiesser ,

welcher  mit  weit  empor  gestrecktem  Halse

die  aufgehende  Sonne  begrüsst .

Unten an einem Wasser liegt ein stattlicher Zwölfer, welcher, als Lichtfreund,
ebenfalls nach oben blickt, daneben noch ein ruhig stehender Zehner und zwei Stück Wild. “

Für den Spießer dürfte die Zeichnung Weigel, 1869, Nr. 133 – „Ein auf einem Felsenstück stehender lechzender Hirsch“, schwarze Kreide, weiß gehöht, auf blauem Papier – als Vorlage gedient haben, von Ridinger bezeichnet mit „in  silva  Nymphenburg , ad  vivum  delineavit  J. E. Ridinger. 1738“. – Als Ganzes dürfte die Komposition in Verbindung stehen mit dem als Öl Johann Elias‘ geführten Exponat der Niederösterreich. Landesausstellung „Jagd einst und jetzt“, Schloß Marchegg 1978, Nr. 129 – 44,5 x 37 cm, Pendant siehe Mittags-Blatt – , beschrieben als „… zeigt eine Felslandschaft mit Hirschen und Tieren“.

Mit der Widmung – der  einzigen  eigenen  im  rund  1600blätterigen  graphischen  Œuvre ! – für den künstlerisch vielseitigen Diplomaten Christian Ludwig von Hagedorn (Hamburg 1712 – Dresden 1780), Bruder des Dichters und seit Ende 1763 Direktor der Dresdner Akademie, dann, 1764, dortiger Generaldirektor aller kulturellen Einrichtungen, hier in seiner Eigenschaft als Legationsrat August III. (Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen), Königs von Polen :

„ CHRJSTJANO LVDOVJCO AB HAGEDORN

Potentiss. Poloniae Regis a Consiliis Legationum / Viro et avitae Nobilitatis Splendore / et artis graphicae usu, cultu, amore / inter negotia Spectabili / D. D. D. “

Die Dedication gibt zugleich den zeitlichen Rahmen (siehe ergänzend hierzu unten zum Abend-Blatt) für die Entstehung der Folge. 1735 in kursächsische Dienste getreten, avancierte Hagedorn 1743/44 zum (1763 Geheimen) Legationsrat. Da der Nachfolger Augusts III., Kurfürst Friedrich Christian (Oct.-Dec. 1763) nicht auch die Königswürde übernahm, liegt die Entstehung der Folge vor dessen Zeit. Und damit auch vor der Hagedorns als oberstem Kulturverwalter. Über den Anlaß zu Ridinger’s auszeichnender unikater Widmung liegen hier noch keine Erkenntnisse vor.

 

„ Sol mediam coeli terit arduus arcem “

Johann Elias Ridinger, Die hochstehende Sonne berührt die Mitte der Himmelsburg

Die hochstehende Sonne berührt die Mitte der Himmelsburg.

Das Gegenstück zu dem per Morgen-Blatt beigezogenen Öl in Marchegg dort per Nr. 128 wie folgt be-schrieben :

„ … stellt eine Gruppe von drei Hirschen dar, die sich unter einem mächtigen Baum versammelt haben. Zwei Hirsche haben sich am Boden gelagert, der dritte steht dem Betrachter fast frontal gegenüber. Im Vordergrund ein Wasserlauf, im Hintergrund dichter Wald. “

 

„ Ast(e)rifero procedit Vesper olympo “

Johann Elias Ridinger, Am sternbesäten Olymp schreitet der Abend fort

Am sternbesäten Olymp schreitet der Abend fort.

Unter Fortlassens der stehenden zweiten Hirschkuh ist es spiegelbildlich die rechte Vordergrund-Gruppe aus Th. 293

„ Anno 1736. im Walde bey Stahrenberg nach der Natur gezeichnet “,

dessen Kupferübertragung – „J. El. Ridinger ad viv. del. et fec.“ – 1746/48, wohl aber kaum vor 1747, erfolgte. Diese Szenerie zeigt an einem als Seebucht anzunehmenden Gewässer besagte Vierergruppe auf einem Felsblock oberhalb des Wassers und zugleich am Fuße eines ins Bild hineinragenden Felsens und zum andern am jenseitigen Waldsaum einen anderen Kapitalen mit 7köpfigem Serail.

Die augenscheinlich zugehörige Tusche-Vorzeichnung der Sammlung Coppenrath – Abt. II (1889), Nr. 1918, „Zu Th. 293“ – „Hirschrudel am Ufer“ mit der Unterschrift

„ Nach  der  Natur  bey  Starenberg  am  See  gezeichnet “

könnte sich gleichwohl als identisch mit jener wortgleich bezeichneten bei Weigel, 1869, Nr. 130 und damit als zu Th. 241 gehörig erweisen, siehe anschließende Szenerie.

Unter den Detailveränderungen eines hier verhandelten Öls der Gesamtkomposition Th. 293 erweist sich die Gewässersituation unterhalb der rechten Vordergruppe bemerkenswert als im Gegensatz zum Kupfer eindeutig einen Abfluß (den der Würm?) inszenierend.

 

„ Jam medio volvuntur Sidera lapsu “

Johann Elias Ridinger, Schon bewegen sich die Sterne inmitten ihres Niedergangs

Schon bewegen sich die Sterne inmitten ihres Niedergangs.

„ Es ist Mondschein zur Brunftzeit. Ein jämmerlich schreiender Brunfthirsch, ein Sechzehner, ist von sieben Stück Wild, einem ansehnlichen Serail, umgeben, welche zu Wasser (und zwar eindeutig dem eines Großsees) gehen wollen. Am jenseitigen Ufer schreit ein anderer Hirsch. “

Diese Achtergruppe exakt die Situation der vorgenannten Zeichnung Weigel 130 :

„ Eine Landschaft mit einem Flusse (sic!); im Vordergrunde ein Hirsch und (7) Hirschkühe, welche vom Felsen nach dem Flusse herab gehen. Bezeichnet: Nach  der  Natur  bei  Starenberg  am  See  gezeichnet. Mit des Malers Namen (dieser bei Coppenrath oben unterstelltermaßen per „Bezeichnet“ mit eingeschlossen), Tusche und schwarze Kreide … “

Stückmäßig entspricht diese Gruppe jener oberhalb des Wassers am Waldsaum angesiedelten von Th. 293, deren Kapitaler lediglich keine 16 Enden erkennen läßt. – Thematisch zugehörig im übrigen sicher auch die unbezeichnete Zeichnung Weigel 169 „Eine Waldparthie mit einem Hirsche und zehn stehenden und liegenden Hirschkühen; ein Brunsthirsch jenseits eines Flusses wagt nicht heranzukommen. Auf bläulichem Papier, Tusche, weiss gehöhet, qu. roy. f.“.

Mit Obigem sind damit wohl erstmals „Die vier Tageszeiten“ mit zunächst drei ihrer Szenerien in lokalen Kontext gestellt worden,

dominiert  von  Starnberg , assistiert  vom  nahen  Nymphenburg ,

und jeweils nach eigener Lokalansicht. Ein sich hieraus ableiten könnender früherer Zeitansatz für die Entstehung der Tageszeiten-Folge auf die späten 40er, frühen 50er erscheint eher unwahrscheinlich als sich rückseits der Druckplatte zum Abendblatt eine vom Meister zwangsläufig vor den Tageszeiten geschaffene, doch verworfene Arbeit fand („Die Hippokrene“), für die ein an 1757/58 anknüpfendes Zeitmerkmal denkbar erscheint.

Des Meister’s seinerzeitige Vorliebe fürs Münchener Umfeld im übrigen belegt ausweislich Zeichnungs-/Kupferbezeichnungen 1736 + 1738  für  Starnberg  (Weigel 130/Th. 293; Ridinger-Zeichnungs-Sammlung bei Wawra, 1890, Nr. 56 [„Hirsch auf einem Hügel gegen den Wald ziehend, bezeichnet Ad Vivum in Silva Starenbergensis Joh. El. Ridinger 1738“, Kreide auf blauem Papier, weiß gehöht, gr.-fol.] + evt. auch Th. 269) , für  Nymphenburg  1731 (Th. 287, „in dem Parc von Nymphenburg  gegen  Stahrenberg …“) + 1738 (Weigel 133/Th.238) , evt. noch 1734 (Th. 274) und eventuell/vermutlich für  Schleißheim  1735 (Th. 282) , 1736 (Th. 270) + 1738 (Wawra 55, „Hirsche im Wald bei Schleissheim. Mit dem Namen des Meister’s und … 1738 …“, Kreide auf blauem Papier, weiß gehöht).

 

Über ihre allgemeine Zugehörigkeit zum Schönsten vom Schönen hinaus erweisen sich solchermaßen

Ridinger’s  „ Vier  Tageszeiten  der  Hirsche “

als  zusätzlich  eingebettet  in  ein  lokales  Umfeld  höchsten  Anspruchs .

Und eines ikonographischen dazu. Denn

„ Hirsche am Wasser in gebirgiger Landschaft spielten auf den berühmten Psalm 42,1 an ‚So wie der Hirsch nach frischem Wasser dürstet, so strebt meine Seele nach Dir, Herr‘ und wurden zur Chiffre für die ‚anima christiana‘ “

(Justus Müller-Hofstede gelegentlich der 1985er Kölner Savery-Ausstellung, FAZ 10. 11. 1985).

Angebots-Nr. 14.656verkauft

 

– – –  Dasselbe
Ref.-Nr. 14.989 / Lagerware – nicht katalogisiert / Beschreibung + Angebot anfordern

 

Brunftzeit  am  Starnberger  See

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Ein Rudel Edelwild beim Mondschein („Nach der Natur bei Starenberg am See gezeichnet“). 16-Ender zur Brunftzeit mit seinem Serail von 7 Tieren am Wasser, einem Nebenbuhler am anderen Ufer antwortend. Mit grünlicher Tonplatte gedruckte Lithographie von Hermann Menzler im Druck von A. Renaud bei L. J. Heymann in Berlin. (1863-65.) Bezeichnet: Gez. v. J. E. Ridinger, lith. v. H. Mezler (sic!) etc., ansonsten wie vor. 32,7 x 23,1 cm.

Joh. El. Ridinger’s Jagd-Album II/9. – Vgl. Thienemann 241. – Aus dem als 2. Abteilung geführten „Album interessanter Hatzen- und Gruppen-Bilder“. – Die gesamte, nahezu literaturunbekannte, seltene Suite 80 Blätter zuzüglich eines neuerdings aufgefundenen illustrierten Titels weit größeren Bildformates (47,5 x 36 cm) umfassend, doch praktisch nur peu à peu complettierbar. In der Bildwirkung der von Ridinger nicht mehr angewandten malerischen Aquatintamanier entsprechend. – Auf festem Papier von dem Blattformat (62 x 47 cm) des illustrierten Titels angepaßter Breitrandigkeit. – Säurefrei hinterlegter Kleineinriß im linken Seitenrand.

Das herrliche Mitternachtsblatt

nach der Folge der

Johann Elias Ridinger, Mitternachtsblatt der Vier Tageszeiten der Hirsche in Ton-Lithographie von Hermann Menzler

Vier Tageszeiten der Hirsche

mit gegenüber Ridinger nur geringfügigen Abweichungen in der Staffage, doch einem gänzlich eigenständigen Himmel als Widerspiegelung einer schönen Nacht statt der Dramatik der Vorlage. Und statt deren Oval hier rechteckig. Damit aber eine

sehr  interessante , erwerbenswürdige  Sammlungsbereicherung .

Angebots-Nr. 13.110 / EUR  404. / export price EUR  384. (c. US$ 496.) + Versand

 


 

„ vielen Dank für die schnelle und unkomplizierte Lieferung “

(Herr H.-G. S., 27. August 2008)