
— Januar 2006 —
Ridinger – Offerten
um die

die Connoisseurs sich drängen
„ Hm ,
wieder ganz ridinger handlung . “
„ Und gräflicher Provenienz dazu ! “
„ Tja ,
wie der Rheinländer sagt ,
‚ Geh zum Schmied und nicht zum Schmidtchen ’ . “
Provenienz
Gräflich Faber-Castell
deren Ridinger-Versteigerung 1958
meist mit deren Lot-Nummern
auf dem Untersatzkarton
Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen
(1922 – 2004)
Mit Fixpunkt in der Ridinger-Zeit – 1768 wird das reichsunmittelbare Grafengeschlecht Castell mit dem Obermundschenkenamt des Fürstentums Würzburg belehnt – , reichen die Wurzeln weit tiefer in die Historie. 1323 wird Schloß Rüdenhausen erstmals als Wasserburg genannt, vom 14. bis zum 16. Jahrhundert wird es von den Grafen zu Castell an verschiedene Geschlechter zu Lehen gegeben. Seit 1555 ist es der eigene Wohnsitz der Grafen (seit 1901 Fürsten) zu Castell-Rüdenhausen.
Der diese Geschlechter immer wieder belebende lange Atem der Geschichte adelt im wahrsten Sinne des Wortes auch deren Sammlungen und fasziniert bei gelegentlichen Auflösungen das kurzatmige Heute. Kennzeichnend für die auf Ridinger gerichtete Castell’sche Sammeltätigkeit denn auch
die ganze Werkdurchdringung
des Œuvre, wie anderwärts vielfach zu eigener Lustminderung nicht einmal mehr angestrebt.
Dem Ridinger
der Historie , des Glaubens , der Schabkunst ,
kurz ,
dem Meister in seiner größten Rarität ,
den Beispielen besonderen graphischen Raffinements ,
gehört hiesigerseits denn auch seit jeher das den Erhalt und die Fortentwicklung des
Ridinger’schen Selbstverständnisses
und damit nicht zuletzt die Zukunft des Werkes im Auge habende künstlerische Interesse.
Soweit nicht anders erwähnt, stammen die anschließend als Auftakt eines neuen Ridinger-Jahres ausgewählten Stücke aus der Ridinger-Sammlung des Grafen Radulf zu Castell-Rüdenhausen als aktivem Teilnehmer der 1958er Ridinger-Versteigerung Gräflich Faber-Castell als wohl zu unterstellender Initialzündung für die nun jugendlich neu erblühende Ridingeriana-Versammlung, der sich nachträglich auch Rückgänge der Versteigerung ebenso zugesellten wie selbst dort nicht vertreten gewesene Pretiosen. Nicht zuletzt sah sich der Liebhaber auch der
Menzler’schen Ridingeriana
(Verzeichnis deren hiesigen Bestandes aufliegend) in seiner Wertschätzung dieser gut hundert Jahre später als nicht allein wandtüchtige, vielmehr auch sammlungsbereichernde Ton-Lithographien – in ihrer Wirkung an die von Ridinger nicht mehr angewandte malerische Aquatinta-Technik erinnernd – bestätigt. In stilvoller Rahmung durchzogen sie in nahezu kompletter Reihe die Privatgemächer Graf Radulf’s. Und rundeten solchermaßen ein Ridinger-Selbstverständnis von Adel ab.
Der größte Ridinger des Œuvre

mit dem Saurüden als Markenzeichen
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Obsidio et expugnatio (siehe unten) Halicarnassi, urbis totius cariæ capitis. / Die Belagerung (und Eroberung) der Haupt=Stadt Halicarnassus unter Alexander dem Grossen. Das Schlachtgetümmel – mit mithetzendem Saurüden ganz vorn unten links oberhalb der Ridinger-Signatur, wie solcher auch auf der 331er Tigris-Überquerung (siehe unten) noch mitschwimmt und „Ridinger-Hunde“ auf 1723er Alexander-Zeichnung gleichfalls die Signatur bewachen, während in der 1722er Reitschule zwei Saurüden die Übungen von Th. 620 beaufsichtigen – gemäß nachfolgendem Untertext im ersten Jahr des Alexanderzuges, 334 v. Chr., mit Alexander auf Schimmel (Bukephalos?) rechts im Mittelgrund, zwei Kriegern zu Fuß Order erteilend. Kupferstich von Johann Daniel Herz I (1693 Augsburg 1754). Mitte der 1720er. Bezeichnet: LXXXVII (Plattenrand oben Mitte) / Ioh. Elias Ridinger invent. et delin. (im Textrand unten links) / Senior Iohann Daniel Herz sculp et exc Aug. V. (im Bildrand unten rechts), ansonsten wie vor und per ausführlichem Untertext. Blattgröße 75,5 x 91,8 cm.
Thienemann 917 + Nachtrag SS. 296 ff. („jetzt nur selten vorkommende[s] Blatt“, 1856); Schwarz 917 (recte Zustand II von II statt Zustand I); Nagler, Ridinger, XIII, S. 162 ( „reiche Composition“ ); Thieme-Becker XXVIII, 308-311: VII. Verschiedenes: (Zwei) Schlachten Alexanders d. Gr.; Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) 1488 ( „Selten“ ).
Nicht unter den umfassenden Ridinger-Beständen bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/56), Coppenrath (1889/90) + Schwerdt (1928/35), wie denn auch hierselbst über die Jahrzehnte hinweg nun erstmals vorliegend und auch ohne Kenntnis anderweitigen Marktvorkommens.
Das monumentale Blatt

– Gegenstück zur 331er Tigris-Querung –
(siehe unten) im Zweitzustand nach Änderung der früheren Bezeichnung „Cum Privileg. Sac. Cæs. Majest. / Ioh. Daniel Hertz sculpsit / Hæred. Ieremiæ Wolffij excud. Aug. Vind.“, wie von Schwarz per 917a als irrtümlich Zweitzustand beschrieben,
herrlichen Druckzustands leuchtenden Hell-Dunkels
mit seitlich feinem Rändchen um die Bildkante, unten 3 mm unterhalb des Textes und oben 5 mm oberhalb Bildkante mit der von Thienemann + Schwarz nicht erwähnten Nummer. – Alte Dublierung unter Glättung früherer vertikaler Mittelfalte und letztlich sehr guten Gesamtzustandes, wie bei solch schwer zu verwahrenden Übergrößen
– der Druck gleichwohl von nur einer ( sic ! ) Platte ! –
nicht die Regel. – Unlesbarer Blindstempel zwischen den beiden Blöcken des Untertextes und dortige Gräflich Faber-Castell’sche Lot-Nr. 65 in Rot. Eine kleine leichte Überschwärzung am linken unteren Bildrand in jeweils ein Wort der ersten beiden lateinischen Textzeilen auslaufend.
Früharbeit Ridingers
entstanden bald nach seiner nicht vor 1719 anzusetzenden Rückkehr vom dreijährigen Aufenthalt bei Baron (so ADB entgegen Kilian/Thienemann: Graf) Metternich in Regensburg, als „alle Kenner … seine erlangte Geschicklichkeit und Stärke sowohl in Historien- als Tierstücken bewunderten“ (Thienemann), er gleichwohl noch nicht selbst in Kupfer arbeitete. So „malte (er) da anfangs für den Kunsthändler Dan. Herz (recte Jeremias Wolff) verschiedene historische Darstellungen“ (Nagler), davon alexanderbezogen neben anstehender Halicarnassos-Belagerung die 331er Überquerung des Tigris bei Bedzabde (Th. 918, siehe unten) zum Treffen gegen Dareios (III., letzter der Perser-Könige) mit der Entscheidungsschlacht am 1. Oktober bei Gaugamela unweit Abelas. Beide seitens Naglers, der die Überquerung irrtümlich für den Granikos reklamiert, das Blatt also zumindest nur ohne dessen Untertext kannte, qualifiziert als „reiche Compositionen“, sind es zugleich
herrliche Beispiele früher Reife und Vollendung
wie schon verschiedentlich an Hand anderer Frühwerke konstatiert („daher ist diese Zeichnung für die Kenntnis seines bereits perfekten Stils in jungen Jahren von Bedeutung“ , Nebehay 88,2 zur 1721er Zeichnung zu Th. 1). Vor allem aber Ridinger’s
Tribut an die Alexander-Verehrung seiner Zeit
und als Ausdruck seiner ganz persönlichen Bewunderung .
Militär-, lokal- und kulturhistorisch von hohem Rang, dokumentiert der jugendliche Ridinger mit der Scenerie gerade dieses Umfeldes bereits seinen ganzen Spürsinn für die außerordentliche Situation, kulminierend nur wenig später in besagter 1723er Hyphasis-Zeichnung. Formatmäßig aber ist
Halicarnassos
der monumentalste Ridinger
des Œuvre
von extremster Seltenheit
wie im übrigen generell belegt für die noch seitens Dritter gestochenen Blätter der frühen Jahre. Hier denn mit Provenienz Gräflich Faber-Castell bei brandfrisch-erstmaligem Wiedererscheinen am Markt nach 48 Jahren!
„ Es ist immer wieder atemberaubend , was für Angebote Sie machen können “ ,
so früher schon ein internationaler Verleger gelegentlich einer anderen hiesigen Ridinger-Offerte. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 14.869 / Preis auf Anfrage
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Zeuss. Kupferstich. Bezeichnet: J E R. 19,8 x 16 cm.
Th. + Schwarz 845; Gräflich Faber-Castell (1958) 59 in irriger Annahme der Zugehörigkeit zu den drei Folgen der „Unterschiedliche Vorstellungen einiger aus dem Alterthum zur Historie dienlich(en) Figuren“, siehe hiesige 14.878 sowie Thienemanns aktualisierte Abfolge (1. Separat-Nachtrag, SS. 5 ff.), entsprechend Schwarz I, SS. 111 f.
Ridinger’s

seltener Zeuss
nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57; mehr als 1000 R.-Bll. des rad./gest. Werkes) , Schles. R.-Slg. bei Boerner (1885; „von grösster Reichhaltigkeit … viele Seltenheiten) , Slg. Coppenrath (1889/90) , R.-Slg. bei Wawra (1890; neben 234 Zeichnungen 600 Graphiken) , Slg. Reich auf Biehla (1894; „Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“; 1266 Blatt zuzgl. 470 Doubl. + 20 Zeichn.) , R.-Katalog Helbing (1900; 1554 Nrn.) , R.-Liste Rosenthal (1940; 444 Nrn.).
Die Seiten auf bis innerhalb der Plattenkante geschnitten, dabei rechts oben bis nahezu an die Bildeinfassung. Oben + unten mit 4-6 mm Rand. – Rückseits an den Rändern alte Montagespuren sowie drei Gesichtsskizzen in Bleistift.
Angebots-Nr. 15.229 / EUR 345. / export price EUR 328. (c. US$ 424.) + Versand
„ Was nicht durch die Phantasie umgestaltet wird ,
bleibt Abklatsch “
Rubens–Urständ bei Ridinger
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Vos estis Lux Mundi Matth. 5. V. 14. Dicht beieinander stehende Vierergruppe je eines Papstes + Kardinals sowie zweier Bischöfe, davon der vordere mit Krummstab, in Dreiviertelfigur, der Auslegung des Kardinals von „Narrantes carmina scripturarum Eceti. 44. V. 5“ lauschend, wie in dem von ihm gehaltenen Buch auf auch vom Papst umfaßter aufgeschlagener Seite zu lesen. In Rahmenfassung mit blumenumwundenem gerundeten Oberteil nebst Muschel-Kartusche mit Titel als Mittelstück. Schabkunstblatt nach Details zweier Öle von Peter Paul Rubens (Siegen 1577 – Antwerpen 1640). Bezeichnet: Rubens pinx. / Ioh. Elias Ridinger excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor. 55,4 cm Blatthöhe x 47,4 cm Plattenbreite.
Thienemann 1289; Gräflich Faber-Castell 116 („Selten“, 1958); Rosenberg, Rubens, 2. Aufl. (1906), 230 + 288 (Fehlpag. 228) nebst Abbilungen. – Siehe Eingangs-Abbildung .
Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Schwarz (1910) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940) .
Das hier seit Thienemann (1856)
einzige nachweisbare Exemplar
mit allen Merkmalen 250jährigen Durchfahrens der Wellenkämme der Zeit. So denn mit namentlich vertikal sichtbarer sowie horizontaler Falte, indes die die Blumengirlande im oberen Bildabschluß durchziehende horizontale kaum auffallend und solchermaßen auf dickem wolkigen Papier altmontiert. Zweiseits mit 5-9 mm Rändchen, rechts auf Plattenkante geschnitten und unten unterhalb der Signaturen und der oberen Einfassung der dortigen Muschel-Kartusche unter etwa 6-8 cm Verlust der für Eintragungen individueller Natur gedachten, gleichwohl bei den erhaltenen Exemplaren in der Regel leergebliebenen – und hier denn offenbar als bildentbehrlich empfundenen – Schrifttafel. Der an sich sehr schöne Druck selbst stippenhaft berieben bei kleiner Papierabschabung ohne Buchstabenverlust innerhalb der Titelkartusche sowie einige haarrißfeine geglättete Fältchen und kleine Randeinrisse. Alles in allem nahe einer Ruine, gewiß, doch ebenso gewiß, daß Ruinen vielfach sehr reizvoller Betrachtung sicher sein dürfen. Ganz so wie anstehendenfalls
der bildhafte Charme dieses sympathischen Sujets
mit dem Ridinger nach Bezogenheiten etwa auf Watteau, Roelant Savery, Jacob van Ruisdael ein weiteres Mal seine – hier ausgesprochen geistvolle – Könnerschaft zeigt, sich Einflüssen zu bedienen, die gleich Fürsten- und Adelsgeschlechter eben auch die Kunst durchziehen, wie schon Goethe fürs eigene Werk bekennend.
Hier denn nach Rubens .
Doch während Thienemann – „Die Idee von Rubens’ Gemälde entnommen“ – nur an eine Vorgabe dachte, sind es zumindest deren zwei.
Am augenfälligsten inspiriert von der rechten Bildhälfte dessen „Die Taufe Konstantins“ (Rosenberg 230), vorgenommen seitens des Papstes, dem zwei Bischöfe und ein Kardinal zur Seite stehen, davon letzterer im zweiten Glied, wie einer der beiden Bischöfe bei Ridinger.
Thematisch und kompositionell gleichwohl noch näherstehender die Sechsergruppe „Die Verteidiger des Abendmahls“ (Rosenberg 288), innerhalb derer der Kardinal zwar zur Rechten separiert steht vom linksseitigen Papst nebst den beiden Bischöfen, doch ebenfalls in aufgeschlagenem Buche liest. Und Ridinger’s Einfassung seiner Vierergruppe in oben gerundetem und drapiertem Rahmen mit Muschel-Mittelstück entspricht ganz der Komposition Rubens’, der seine Scenerie wie auf einer Bühne arrangiert, beidseits betont begrenzt von je zwei Säulen, oben innerhalb von Kopfarchitektur vorhangartig gerundet und einschließlich Früchten verschiedenfältig drapiert mit großem Muschelstück als Aufsatz. Und wenngleich Ridinger seine Heiligen-Blätter bestimmungsgmäß nach unten ziemlich generell mit unterschiedlich breiter Schrifttafel nebst Muschelstück abschließt, so kommt anstehendenfalls dieser – hier abgeschnittene – Abschluß jenem bei Rubens sehr nahe, der den Bühnencharakter seiner Komposition nach vorn/unten mittels von Dekorationsstück unterbrochenem Mauerwerk unterstreicht.
„ Was nicht durch die Phantasie umgestaltet wird – notiert Otto Modersohn 1897 in seinem Tagebuch – , bleibt Abklatsch “ (zitiert nach Katalog Ausstellung Fischerhude, 1978, Seite 347).
Hier denn Ridinger’s gänzlich autonome, unter das schöne Wort aus der Bergpredigt „Ihr seid das Licht der Welt“ gestellte Komposition, gedanklich entnommen zwei Werken des Rubens. Und solchermaßen von zusätzlichem Dokumentationswert bei – für Ridinger wie für Rubens – zugleich hohem Seltenheitsrang.
„ Die Schwarzkunstblätter – resümiert Thienemann –
sind im Handel fast gar nicht mehr … zu bekommen
… sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “
(Seiten VIII + 270.
An welcher Situation auch etwaige Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.
Angebots-Nr. 14.872 / EUR 670. / export price EUR 637. (c. US$ 823.) + Versand
Des Propheten Daniel
Wunder in der Löwengrube

als symbolträchtiges Gleichnis
für das Volk Israel
Hier als
eine der größten Ridinger – Zeichnungen
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Daniel in der Löwengrube. An dem in der Babylonischen Gefangenschaft der Juden aufgestiegenem, unter dem Perser Kyros I. von Neidern verleumdetem und der Löwengrube überantwortetem Daniel zeigt Jehovah, der Gott Israels, seine Macht und bringt den Hof auf der Empore zu ungläubigem Staunen. Lavierte Tuschpinselzeichnung in Graublau + Schwarz nebst Weißhöhung für Johann Daniel Herz I (1693 Augsburg 1754; ein „Kunstverleger mit Blick für Qualität“ [Rolf Biedermann, 1987], „[g]enannt seien besonders seine Blätter großen Formats“ [Thieme-Becker, 1923]). (1732.) Verlegerseits in Bister bezeichnet: Jo El. Riedinger (sic!) inv et del 1732. 837 x 533 mm + 32 x 20 mm zusätzliches Signaturfeld seitlich rechts unten.
Die bildhaft von breiter und schmaler Umrandung eingefaßte spiegelbildliche Vorzeichnung zu dem von Johann Jacob Wangner („Iun.“, ca. 1703 Augsburg 1781) gestochenem und der Literatur erst 1910 durch das Exemplar der von Gutmann’schen Sammlung bekanntgewordenem Blatte Schwarz 1440.
Die entgegen der Katalogisierung Faber-Castell (irrig zudem als 1737) nicht autograph signierte Arbeit
zählt zu den größtformatigen des zeichnerischen Œuvre
und folgt der Bibelüberlieferung Buch Daniel, Kap. 6 :
„ Und Dareios (recte Kyros der Ältere, siehe Komplett-Beschreibung .) … (setzte) über das ganze Königreich hundertzwanzig Landvögte. Über diese setzte er drei Fürsten, deren einer Daniel war … Daniel aber übertraf die Fürsten und Landvögte alle, denn es war ein hoher Geist in ihm; darum gedachte der König ihn über das ganze Königreich zu setzen. Derhalben trachteten die Fürsten und Landvögte danach, wie sie eine Sache an Daniel fänden, die wider das Königreich wäre. Aber sie konnten keine Sache noch Übeltat finden. Da sprachen die Männer: Wir werden keine Sache an Daniel finden, außer seinen Gottesdienst … Da befahl der König, daß man Daniel herbrächte; und sie warfen ihn zu den Löwen in den Graben. Der (ob der Entwicklung sehr betrübte) König aber sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, der helfe dir! … Des Morgens früh … stand der König auf und ging eiland zum Graben … (u)nd sprach zu Daniel: … hat dich auch dein Gott … können von den Löwen erlösen? Daniel aber redete … daß sie mir kein Leid getan haben; denn vor (Gott) bin ich unschuldig befunden … Da ward der König sehr froh und hieß Daniel aus dem Graben ziehen … und man spürte keinen Schaden an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut . “
Wie dieser denn auch die ohnehin nicht mit Versklavung zu verwechselnde, die Juden gleichwohl mürbende Babylonische Gefangenschaft (597-537, also keine „70 Jahre“ wie Jeremia 25, Vers 11) seinem Volke zum Wohle gedeihen ließ, denn sie wurde
„ eine Periode der Läuterung, aus der das israelitische Volk national und religiös wie neugeboren hervorging. Der Gegensatz zu dem siegreichen, aber entarteten Heidentum stärkte das Nationalgefühl und den religiösen Glauben … (S)tatt eines beschränkten Stammgottes lernte man in Jehovah den Herrn der Welt erkennen,
unter dessen mächtiger Obhut man sich wußte “
(Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., II [1888], 207).
Unter letzterem Aspekt erweist sich denn auch das spektakuläre Löwengruben-Geschehen unabhängig seines tatsächlichen zeitlichen Ansatzes, siehe unten,
als das bis auf den heutigen Tag
fortwirkende Gleichnis
von Jehovah’s schützender Hand über dem Volke Israel ,
dessen Thema einen Ridinger angesichts dessen 1723er Reflektions-Zeichnung zu Alexanders des Großen Umkehrbeschluß am indischen Hyphasis 326 v. Chr. umsomehr fascinieren mußte, als nach biblischer Lesart Daniel das mit Alexander zu identifizierende Großreich eines mächtigen Königs prophezeit hatte, welchem er zehn Jahre zuvor seinen Alexander-Zyklus – neben der Hyphasis-Zeichnung die seitens Jeremias Wolff Erben bzw. Herz I auch im Stich veröffentlichten Blätter der Belagerung von Halicarnassos (siehe oben) und der Überquerung des Tigris (siehe unten) – gewidmet, und welchem Thema er in den 30ern in Gemeinschaft mit Brockes mit den ersten vier Blättern der „Kämpfe reißender Thiere“ schließlich das Halali geblasen hatte.
Aber auch rein formatmäßig steht sein
imposantes Löwengruben-Blatt
herrlichen Hochformates
in Kontext zu jenen des Alexander-Zyklusses, von denen aber eben nur die beiden „heroischen“ (siehe oben + unten) anderwärts gestochen und veröffentlicht wurden, da zu jener Zeit noch nicht selbst in Kupfer arbeitend und verlegend. Gleichwohl blieb es auch beim späterem Löwengruben-Blatt bei solchem Procedere.
All jenen „Fremdarbeiten“ gemein ihre
exorbitante Seltenheit selbst noch im Stiche ,
wie denn auch für das Kupfer der „Löwengrube“ hier kein zweites Markt-Exemplar seit Schwarz (1910) nachweisbar ist. Gestochen fehlte es ausdrücklich also auch Gräflich Faber-Castell (1958).
Die Wege der Vorzeichnungen wie der Platten waren – anders als die über Generationen von den Ridingers zusammengehaltenen und schließlich geordnet weitergegebenen Arbeiten – bestimmt von wechselnden Verlegerhänden bald früher, bald später und ihr Eingebettetsein in eine sich letztlich verlierende anonyme Mischproduktion. Ob solcher Vorgaben
der Erhalt hiesiger Löwengruben-Zeichnung
ein Ereignis absoluten Grades
ist, dem der schon zu Zeiten Faber-Castells bei anschließender Verwahrung seitens lediglich einer sorgsamen Hand gegebene Erhaltungszustand nachzuordnen ist. Siehe Komplett-Beschreibung .
Wie elitär einsam
die überdies nur wenigen historischen Zeichnungen Ridingers
aus dem noch immer beachlichen Gros seiner Tierzeichnungen herausragen ,
belegt
ihr gänzliches Fehlen
in nachfolgenden opulenten zeichnerischen Ridinger-Beständen … Siehe Komplett-Beschreibung .
Erinnert sei in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch an Hans Möhle’s bereits 1947 gegebenen Hinweis, wonach
„ die besondere Leistung des deutschen Barock
auf dem Gebiet der Handzeichnung “
liege, worauf in neuerer Zeit Ruth Baljöhr wieder aufmerksam machte.
Und so bleibt als résumé
ein auch optisch großartiges Ridinger-Unikat
voll ganzen zeichnerischen Könnens
und adäquaten Inhalts
kulturhistorisch größten Tiefgangs .
Ruht doch das heutige Judentum auf eben jenen Säulen, die Früchte des, richtiger gesagt, Babylonischen Exils als Mitquelle auch der auf einem „denn er hatte seinem Gott vertraut“ basierenden Löwengruben-Manifestation sind. Denn, es sei wiederholt,
„ In fact the Jews lived quite peacefully and had plenty of opportunity to practice their faith in exile in Babylon.
The synagogue and the canonization of the Torah
have their origins in Babylonian Judaism ,
as , of course , does the Babylonian Talmud “
(Bryan S. Rennie).
Wie sich der Bericht des Löwengruben-Ereignisses im übrigen als eine Verknüpfung der religiösen Drangsalen zur Zeit des Antiochus mit den historischen Gestalten des Babylonischen Exils erweist. Denn für den um Daniel besorgten König kommt zwangsläufig nicht der Tempelschänder und Religionstyrann Antiochus in Betracht, sondern eben der Perser Kyros, der 539 König von Babylon wurde und 538
das schicksalwendende Kyros’sche Edikt
(vgl. 2. Buch der Chroniken 36, Verse 22 f. bzw. Buch Esra 1, Verse 1-3) als ein
„ entscheidendes Ereignis in der Geschichte der Religion Israel’s “
(Rennie) erließ, da schlußendlich den Hebräern die Rückkehr nach Israel erlaubend.
Beide Fakten, Glaubensverfolgung unter Antiochus und königliche Hochherzigkeit unter Kyros, bilden den geistigen Gehalt des Löwengruben-Erlebnisses und dessen Botschaft,
als auserwähltes Volk Gottes unter Jehovahs besonderem Schutze zu stehen ,
auch und gerade in den Löwengruben der Zeitläufte .
Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 14.859 / Preis auf Anfrage
Aus dem Jahr der Verlagsgründung
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Unterschiedliche Vorstellungen einiger aus dem Alterthum zur Historie dienlich Figuren invent. und verlegt. Folge von 23 (st. 24) Blatt in drei Teilen. Radierung + Kupferstich. Augsburg 1728. Bezeichnet: 10 Blatt mit variierend ligiertem Monogramm (J?)ER, davon eines mit spiegelbildlichem 1728, ansonsten wie vor unter Voranstellung von „Erster Theil“, gefolgt von „Ioh. Elias Ridinger Mahler in Augspurg 1728“, alles in Latein + Dt., im übrigen wie unten. Ca. 18,3 x 11,6-12,4 bzw., 3. Folge, 16,6-17,3 x 10,6-11 cm.
Thienemann per Aktualisierung Separat-Nachtrag 1, SS. 5-9: 836-843 (Tl. I), 844, 852-855, 1304, 1305, 1307 (Tl. II), 851, 856-859, 1306 (anstehendem Explr. fehlend), 1318, 1319 (Tl. III); Schwarz I, SS. 110-112 entsprechend nebst vier Abb. (S. 110 + Taf. XXVII f.); Slg. Coppenrath, Abt. II, 1595 („sehr selten“, 1889); Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger), 1459 („Seltene Folge“, 1900); Gräflich Faber-Castell (1958) 59 unter irrtümlichem Einbezug von Th. 845 , wie denn auch ein in den frühen 80ern am Markt als 30blättterig offeriertes Exemplar die großformatigere Eigenfolge 845-850 als zugehörig erachtet hatte.
Weigel, Kunstlager-Catalog, 18541 (nur Tle. 1 + 2 = 16 Bll., qualifiziert als „Selten“, 1851); Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940), 345-355 (nur 11 Blatt). – Bekannt hier des weiteren ein 17blätt. Torso aus 2002.
(S. R., Maler, Radierer, Dichter + Musiker, Neapel 1615 – Rom 1673; „Am berühmtesten wurde eine Folge von 72 kleineren Studienblättern, Soldaten u. Volkstypen darstellend, nach denen viel kopiert worden ist“, Thieme-Becker XXIX, 1), hier ohne Bl. 22 (Th. 1306). – Für Th. 837 siehe die Abbildung in schriften der ridinger handlung niemeyer XV, Seite 10 gelegentlich der nicht im Stich überlieferten 1723er Zeichnung „Alexander der Große im Herbst 326 v. Chr. am Hyphasis in Pandschab – Der Zenit eines Weltreiches, eine Wendemarke der Geschichte“.
Der Seltenheit der Folge zwangsläufig Reverenz erweisendes Misch-Exemplar von mehrheitlich schönster bis extremer Breitrandigkeit, nur Bll. 3, 6, 7, 10, 14, 15, 18, 21 + 24 mit nur schmalem, doch meist noch ca. 5-15 mm Rand um die volle Platte, davon die ersten drei grundlos altaufmontiert. – Von variierend gutem Gesamtzustand bei folgenden Abweichungen: Bll. 11-13 + 16 mit ausgedehnt hellem Fleck in Rand und (11, 13, 16) Bild. Blatt 17 gleichmäßig leicht gebräunt und mit Wurmspur dicht an der rechten oberen Plattenecke.
Angebots-Nr. 14.878 / EUR 1780. / export price EUR 1691. (c. US$ 2184.) + Versand
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der Ungar. / L’Hongrois. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Joh. Elias Ridinger del. / Joh. Jacob Ridinger sculps. A.V., ansonsten wie vor. 51,4 x 42,1 cm.
Schwarz (1910) 1475 + II, Tafel XXXIV; Gräflich Faber-Castell (1958) 165; Wend, Ergänzungn zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 107.

Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).
Etwa gleichformatige Wiederholung im Gegensinn des väterlichen Schabblattes Th. 1236 (fehlte Baron Gutmann/Schwarz), zugehörig der 4blätt. Folge von Conversationsstücken als Th.’s 3. Gruppe „Genrebilder vermischter Art“ unter Verzicht auf den dt.-lat. Untertext („Der muntere Ungar tanzt nach Trommel und Schalmayen … “). – Mit wohl WANGEN-Wz. wie für zeitgenöss. Abzüge stehend. – Mit meist 5 mm breitem Rändchen rundum, rechts etwas schmaler und im Falle dreier Kleinläsuren an Bildkante verlaufend, wie auch an zwei hinterlegten kleinen Fehlstellen des Oberrandes. Die rückseitige stippenhafte Stockigkeit bildseits nur im Text- + Papierrand bemerkbar. Vom rückseitigen Wasserrand in den beiden Oberecken nur einer im linken Papierrand aufscheinend. – Von satter Druckqualität mit schönem Hell-Dunkel.
Angebots-Nr. 14.880 / EUR 1380. / export price EUR 1311. (c. US$ 1693.) + Versand
Das zweite der Alexander-Blätter

mit wiederum dem Saurüden als Markenzeichen
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). (Alexander M. Tigrim superat … / Alexander der Grosse sezet mit seiner Armée … über den ungeheuren Fluss Tygris … .) Alexanders tiefgestaffelte Tigris-Überquerung „ohne bedeutenden Widerstand“ (Meyers) 331 bei Bedzabde auf dem Zug zum Treffen gegen Dareios III. wie oben. Mitschwimmend ganz vorn unten rechts seitlich oberhalb der Ridinger-Signatur Saurüde, wie solcher schon in obigem Halicarnassus-Blatt mithetzt. Kupferstich von Johann Balthasar Probst (1673 Augsburg 1750) bei Johann Daniel Herz I (1693 Augsburg 1754; ein „Kunstverleger mit Blick für Qualität“ [Rolf Biedermann, 1987], „[g]enannt seien besonders seine Blätter großen Formats“ [Thieme-Becker, 1923]). Mitte der 1720er. Bezeichnet: XCIV (Plattenrand oben Mitte) + 3zeilig im Bildrand unten rechts: Senior Ioh. Dan. Herz excud. Aug. Vind. / Iohann Elias Riedinger (sic!) pinxit / (Iohann Balthasar Probst sculps.), ansonsten mit dem hier fehlenden Untertext. Blattgröße 47,6 x 76,8 cm.
Th. + Schwarz 918; Nagler, Ridinger, XIII, S. 162 ( „reiche Composition“, gleichwohl irrtümlich als „Uebergang über den Granicus“ [Schlacht dortselbst Mai 334], damit in Unkenntnis des Untertextes bis hin zum Stecher [hiesiges Exemplar?] als fehlend in seiner Auflistung bei Probst [XII, SS. 80 f.] ); Weigel, Kunstlager-Catalog, XXVIII/Ridinger (1857) I, 61c;; Thieme-Becker XXVIII, 308-311: VII. Verschiedenes: (Zwei) Schlachten Alexanders d. Gr.; Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) 1489 ( „Selten“ ).
Nicht unter den umfassenden Ridinger-Beständen bei Coppenrath (1889/90) + Schwerdt (1928/35), wie denn auch hierselbst über die Jahrzehnte hinweg nun erstmals vorliegend und auch ohne Kenntnis anderweitigen Marktvorkommens.
Das kleinformatigere Gegenstück

zur obigen „Belagerung + Eroberung von Halicarnassos“
als Früharbeit innerhalb seines Alexander-Zyklusses wie vor.
Seitens Ridinger’s ist der Alexander-Zyklus ausweislich autographer Datierung spätestens 1723 mit der Hyphasis-Zeichnung als periodischem, künstlerbezogen vor allem aber geistigem Zenit, abgeschlossen, wie letzteres auch von den jeweils signaturnahen „Ridinger“-Hunden dokumentiert. Auf den beiden Schlachten der frühen Alexander-Jahre, wie von Thienemann geradezu sträflich übersehen, jeweils der mitagierende starke Saurüde, auf der 326er Einsichts-Scenerie Wind- + Parforce-Hund, in Ruhe der eine, hellwach der andere, wo doch bei sichtbarer Meuterei auch hier der Saurüde nicht fehl am Platz gewesen wäre.
Ausweislich der Wolff-Erben-Adresse des Halicarnassos-Blattes Schwarz 917a sind die Blätter erst nach Wolffens Ableben in 1724 (Naglers vorsorglicher Hinweis „Nach anderen lebte er noch 1730“ von Thieme-Becker [1947] nicht wiederholt) veröffentlicht worden. Von den Erben selbst offensichtlich – alles unter dem Vorbehalt derzeitigen Wissensstandes – nur Halicarnassos, da hiesiges von Probst gestochenes Tigris-Blatt (918) eben bereits Herzens Verleger-Adresse aufweist. Dieser dürfte die Platten also bald nach 1724 übernommen haben.
Hiesige Scenerie denn
„ Ein ungemein reiches , gut gearbeitetes Blatt ,
das Seitenstück des vorhergehenden (Halicarnassos, s. o.). Alexander steht auf erhabenem Ufer, umgeben von einigen Generalen, zeigend und schreiend, hinter ihm (zwei) blasende Hornisten. Bei den mit den Wellen (wie auch schon mit dem Gegner) furchtbar kämpfenden Soldaten ungemeine Abwechselung und Wahrheit “
(Thienemann).
Zweiseits mit feinem Rändchen um die Bildkante, oben mit 5 mm breiter und hier mit der von Thienemann + Schwarz nicht erwähnten Nummer, unten indes knapp auf Bildrand geschnitten unter Verlust noch der Probst-Signatur, vor allem aber des 4zeil. latein.-dt. Untertextes von Curtius, Buch IV, Kap. 9 –
„ Alexander der Grosse setzt mit seiner Armee, davon das Fussvolk die Waffen über den Kopf hielt und von denen zu Pferd umgeben war, über den ungeheuren Strom Tigris. Er war der Erste so zu Fuss an das Ufer kam und zeiget mit der Hand denen Nachfolgenden den sichersten Weg, wenn man seine Stimme nicht vernehmen konnte “
(zitiert nach Thienemann) – , wie offenbar auch Nagler nicht anders bekannt gewesen bzw. vorgelegen, da ihm sonst der Irrtum Granikos/Tigris nicht unterlaufen und Probst als Stecher bekannt gewesen wäre – zu beidem siehe oben – , solchermaßen denn naheliegend, daß
hiesige Faber-Castell’sche Provenienz
bis auf den Antiquar Nagler (1842/43) erweiterbar
sein sollte. – Knapp 9 cm langer feiner Einriß im Unterfeld links der Mitte professionell beigelegt und kaum störend, ansonsten, wie bei solch großen Formaten eigens erwähnenswert,
ausgesprochen schönen Gesamtzustandes
bei adäquater Druckqualität kontrastreichen Hell-Dunkels .
Die Arbeiten des von Thieme-Becker nur als Reproduktionsstecher geführten Johann Balthasar Probst als der oder einer der Stammväter der Augsburger Stecher- + Verleger-Dynastie seitens Naglers qualifiziert als
„ zu den besten damaliger Zeit gehören(d) “.
Zu der gemeinsam mit hiesigem Herz I gestochenen 1722er frühesten der Ridinger’schen Reitschulen steuerte er neun der gesamthaft 23 Blätter bei. Als Schwiegersohn und Nachfolger des renommierten Augsburger Stechers und Verlegers Jeremias Wolff führte Probst schließlich dessen Verlag weiter und besorgte die Erstauflage des noch vom Schwiegervater hereingenommenen und von Herz I gestochenen Halicarnassos-Blattes.
Mit der rotgeschriebenen Nr. 66 auf dem Untersatzkarton als Beleg für die Herkunft aus der 1958er Versteigerung der qualitativ wie quantitativ hochrangigen Ridinger-Sammlung Gräflich Faber-Castell bei brandfrisch-erstmaligem Wiedererscheinen am Markt nach nunmehr 48 Jahren, begleitet
von extremster Seltenheit
wie generell belegt für die noch seitens Dritter gestochenen Blätter der frühen Jahre. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 14.854 / Preis auf Anfrage
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die menschlichen Temperamente. Folge von 4 Blatt gegenüberstellender „charakteristischer Figuren in landschaftlicher Umgebung“ (Schwarz) in Schabkunst. Bezeichnet: Joh. Elias Ridinger inv. del. sculps. et excud. A.V. (Bl. 4: Aug. Vind.), ansonsten wie unten. 49,8-50,2 x 36.6-36,9 cm.
Thienemann + Schwarz 1231, 1233, 1232, 1234; Gräflich Faber-Castell (1958) 92.
Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).
Die seltene Folge menschlicher Sinnesäußerung
mit jeweils 5zeil. dt.-latein. Untertext, von Thienemann als 2. Folge seiner Gruppe „Genrebilder vermischter Art“ geführt, in der Abfolge gleichwohl unter Außerachtlassung – so auf seinem Exemplar präsent – der „No. 3.“ unten Mitte des Freuden-Blattes (1232) als einziger Numerierung, wie auch von Schwarz notiert, woraus sich Ridinger’s Absicht einer Gegenüberstellung der Temperamente von
Lachen – Entsetzen
 
und
 
Freude – Zorn
ergibt, wie auch seitens Schwarz’ nicht erkannt.
Das Lachen .
„ Es zeüget Mund und Aug von den beliebten Sachen, / So dieser Brieff enthælt, und weil der Lut die Brüst, / Zu eng, so bricht sie aus in ein Hüld=volles Lachen, / Und macht dardurch den scherz durch lauten Schall bewußt. “
Nicht bemerkbare Hinterlegung eines stecknadelkopfkleinen Löchleins in Bildmitte sowie kleine Rißhinterlegung am linken Plattenrand. Kaum erwähnenswerte gänzlich geglättete Faltspuren.
Das Entsezen
„ Wann ein sröckhaffter Blick schnell in die Augen fället, / Erstaart der ganze Leib, das Herze wird zu Stein, / Der Mund schreyt förchterlich, die Minen sind verstellet, / Und aus der Ohnmacht findt der Geist sich langsam ein. “
Beriebenes Druckbild, durchzogen von gänzlich geglätteten Fältchen, störend gleichwohl 16 cm einer horizontalen Mittelfalte.
Die Freude
„ Wie diesem sey zu Muth, entdecken Händ, und Füsse, / Mund, Aug und Stirne zeigt von lauter Frölichkeit, / Und daß das Hertz von Lüst und Anmuth überfliesse, / Lehrt Larv und helles Licht, zum freuden dienst geweyht. “
Drei hinterlegte Löchlein und eine ebenso kleine Dünnstelle, sämtlichs bildseits nicht bemerkbar, wohl aber, wenngleich nur wenig störend, zwei gänzlich geglättete vertikale Mittelfalten.
Der Zorn.
„ Das Herze brennt vor Grimm, wie Bliz die Augen flammen, / Die Nase bläht sich auf, der Mund erblaßt und bebt, / Es knirschet das Gebiß, die Zung flucht als zusammen, / Biß endlich Hand und Schwerd sich zu der Rach erhebt. “
Beriebenes Druckbild, verschiedene restaurierte klein(er)e Läsuren, doch nur deren eine bildseits bedingt ins Auge fallend. Hinterlegter Eckausriß unten links, tangierend das Signatur-J. Schwache Vertikalfalte und einige Fältchen gänzlich geglättet, doch bemerkbar.
Sämtlichs mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abdrucke stehend und umlaufendem Rand von etwa 5-8 mm, nur Blatt vier unten etwas schmaler. Die im Grunde sehr gute Druckqualität ggf. beeinträchtigt vom jeweiligen Erhaltensbefund, das Hell-Dunkel sehr schön bis leuchtend, die Seltenheit sprichwörtlich.
Angebots-Nr. 14.881 / Preis auf Anfrage
Von größter Schönheit

PASTOR BONUS
im bislang unerkannt gebliebenen Zweitzustand
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Pastor bonus. Christus als Guter Hirte mit Schäferstab. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger del. A. V., ansonsten wie vor. 50,5 x 36,9 cm.
Thienemann + Schwarz 1270 (vgl. Schwarz II, Taf. XLI als „Variante“, recte Erstzustand, 1488); Gräflich Faber-Castell (1958) 108.
Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57; dort nur per 18.543 ein Pastor bonus in Oktav) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940) .
Das bildlich unerhört sympathische Sujet in herrlichem Exemplar leuchtenden Hell-Dunkels
als bislang unerkannt gebliebener Zweitzustand ,
bei sonstigen minimalen Abweichungen kenntlich an der stilistisch fortentwickelten Kartusche im unteren, ansonsten leeren Textfeld, von Schwarz als Routine faux pas ausdrücklich als Barockkartusche angesprochen, wie mit ihrem Muschel-Dekor und der geschwungenen Seitenführung mit Ornamentfuß tatsächlich nur auf 1488 zutreffend. Die hiesige hingegen mit Ausnahme der seitlichen, gleichwohl auch versachlichten Weinblätter jeglichen Dekors entkleidet und auch seitlich glatt-streng geschlossen. Im Unterrand derselben noch die obere Linenführung der unteren der beiden früheren Muscheln zart sichtbar.
Mit WANGEN-Wz. wie für alte Abdrucke stehend und mit 3-5,5 cm breitem Rand rundum bei partiell noch leichtem Plattenschmutz im seitlichen und unteren Plattenrand. Die gänzlich geglättete einstige Mittelfalte bildseits nicht wahrnehmbar.
Angebots-Nr. 14.876 / EUR 1995. / export price EUR 1895. (c. US$ 2448.) + Versand
Immerhin : 13 auf einen Streich
Davon mochte manch Großer nicht einmal träumen
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Vorstellungen sowohl Römisch= als Griechischer Krieges=Leuthe aus meinen Academischen Zeichnungen zum Gebrauch nach der Antiquitæt gewæhlet und entworffen. Bll. 1-12 + 17 (von 18) in Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1730 Augsburg 1780). Nicht vor 1759. Bezeichnet: 1. bis 12. + 17. / Mart. El. Ridinger Filius æri incid. (Bl. 1), sonst M. E. Ridinger sc. bzw., Bl. 17, J. El. Ridinger inv. del. et excud. Aug. Vind. / J. Gottfrid Seuter sc. A.V., ansonsten wie vor, gefolgt von „, von Johan(n) Elias Ridinger Mahler und Kupferstecher auch der Academie Director.“ Ca. 17-18,8 x 10,5-12,5 cm als bald Platten-, bald Blattgröße, siehe unten, bzw. (Bl. 17) 19,6 x 13,2 cm.
Thienemann + Schwarz (I, Tafel XXVIII) 860-871 + 876 (von 860-877); Gräflich Faber-Castell (1958) 60; Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900), 1481 (nur Th. 873 als Bl. 14, entsprechend qualifiziert als „Selten.“); Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940), 356 (nur Th. 871 als Bl. 12). – 11 Federzeichnungen hierzu, davon zwei datiert mit 1753 bzw. 1756, figurierten als Lot 122 auf der 1890er Wawra-Versteigerung „einer schönen Sammlung von Handzeichnungen und Kupferstichen Joh. El. Ridinger’s aus dem Besitze eines bekannten Sammlers“.
Weder als Ganzes noch in Einzelblättern bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) + Slg. Coppenrath (1889 f.). – Ein teils beschnittener und aufgezogener Torso von 8 Blättern hier in 1956er Handel nachweisbar. Anstehend denn der mit 13 Blatt sichtbar üppigere Castell’sche
dieser abwechslungsreich komponierten reizvollen ,
komplett außerordentlich raren Suite
  
des den Connoisseurs vorbehaltenen Ridinger
in einem Misch-Exemplar als sprechendstem Beleg für die Schwierigkeit eines selbst nur Blatt für Blatt Zusammenbringens, wobei die teilweise originale Anordnung von jeweils zwei Blatt nebeneinander nebst Trennlinie auf einer Platte bei Vereinzelung – wie hier – den Verlust jeweils einer seitlichen Plattenkante bei aber im Normalfall Verbleib ausreichend weißen Plattenrandes vorprogrammierte. Dies ebenso voraussetzend wie einheitlich schöne Druckqualität auf festem Bütten ergibt sich folgender Erhaltensbefund:
Bll. 1, 2 (drei beigelegte kleine Eckläsuren im weißen Plattenrand), 5 (beigelegte Eckläsur oben links), 6 (beigelegte kleine Eckläsur oben rechts unter Beeinträchtigung der Nummer), 9 + 10 (knapp 2 cm in die untere Bildschraffur hineinreichender ebenso beigelegter Einriß wie die Numerierung betreffender kleiner Oberrandausriß, rechts indes abweichend zusätzlich mit 1 cm breitem Papierrand) auf bzw. innerhalb der Plattenkante geschnitten bei gleichwohl 5-10 mm breitem besagten weißen Plattenrand. Bll. 3 (leichter Braunfleck im den Plattenrand noch tangierenden weißen Oberrand), 4, 7 + 8 dreiseits mit 1,8-2,8 cm breitem Papierrand, ein Seitenrand jeweils wie vor. Bll. 11 + 12 unter Verlust der Numerierung dreiseits auf Bildrand geschnitten, unten aber mit die Signatur bewahrendem 5-8 mm breitem weißen Plattenrand, doch ohne dessen Abschlußkante. Blatt 17 schließlich mit allem versöhnend: allseitiger voller Plattenrand und 4 bis 5,5 (unten) cm breiter Papierrand rundum!
Nicht vor 1759 als dem Jahr der Berufung ins Amt des Augsburger Akademiedirektors herausgegeben, entstand die Folge offenbar peu à peu im Laufe der 50er Jahre. Gleichwohl findet der reich inszenierte Krieger von Blatt 17 seinen Vorgänger in der nicht im Stich überlieferten 1723er Zeichnung „Alexander der Große im Herbst 326 v. Chr. am Hyphasis in Pandschab – Der Zenit eines Weltreiches, eine Wendemarke der Geschichte“, wo er die gegen den König vordrängenden Meuterer zurückhält. Siehe deren Gegenüberstellung in schriften der ridinger handlung niemeyer XV, Seite 14.
Angebots-Nr. 14.879 / EUR 1300. / export price EUR 1235. (c. US$ 1595.) + Versand
Aber ja doch ,
Sie erinnern sich des voll fester Zuversicht wehenden Finale-Pfeils FUTURUM aus Schwarz 1427/77 ,
selbst dem Ridinger der Jagd
nachzupirschen kann auch zukünftig noch aufregend sein und etwa hier + heute
eine Trophäe ins Visier bringen
wie sie Ridinger-Nimrods wie Weigel (1838/57) , Ritter von Gutmann (1910) , Schwerdt (1928/35) und eben auch weder Gräflich Faber-Castell noch Graf Radulf zu Castell-Rüdenhausen ins Netz gegangen ist. Und Thienemann erst nachträglich zwischen 1857 + 1861. Und dann erst wieder und identisch (?)
Ihrer ridinger handlung
mit der Witterung fürs Absolute. Und dem Selbstverständnis , Unmögliches, das, da im Nachtrag versteckt, weitgehend
nicht einmal vom Hörensagen bekannt ist ,
für Sie möglich zu machen .
Etwa
 
Th. 1314-1317 (!!)
(1. Separat-Nachtrag , SS. 1-4)
als der
 
zweitfrühesten Jagdfolge
Voilà
Die Connoisseurs stehen beisammen ,
jeder für sich hoffend ,
den anderen möchte die eigene Erregung verborgen bleiben ,
er möge derjenige sein ,
der diese Trophäe in seinen Bau trägt
und sie eines Tages den anderen vorweist .
Sammler , so Goethe , sind glückliche Menschen .
Aufrufbar hier per 15.075
“ I wish to thank you for the detailed, knowledgeable response. I am very impressed with your experience; your information was very helpful. ”
(Mr. R. H. P., July 25, 2005)
|