
— Mai 2007 —
Freue dir , schöner Götterfunken :
75. Bühnenjubiläum
des Insulaners Günter Neumann

50 Jahre Himmelfahrts-Sause
wie nur Balin sausen kann
„Der Insulaner verliert die Ruhe nicht“. Himmelfahrtssause der Berliner politischen Kabaretts und ihrer prominenten Freunde zum
25jährigen Bühnenjubiläum Günter Neumann’s
vom Funkhaus an der Masurenallee via Boleslav Barlog’s Schiller-Theater – Ernst Reuter-Platz
in proppevollem D-Zug-Salonwagen
der heutigen Deutschen Waggonbau AG
„ auf einem gewaltigen , (acht-)achsigen Tieflader ,

der von einer schweren Zugmaschine geschleppt wurde “.
Hin nach Pichelsdorf und rein in Lilo Ruschin’s Historischen Weinkeller, vor der die Herrenpartie denn auch schon von ihren Weibern in gleichwohl nicht mehr zu ernüchternden Empfang genommen wurde, veranstaltet unter der Regie des RIAS-/Dalli-Dalli-Mannes Hans Rosenthal am 31. Mai 1957 vom Künstler-Stammtisch „Gesellschaft zur Verbreitung von … aller Art“. Bild- + Presseausschnitt-Dokumentation des Mitbeteiligten Gerhard Heymann. (Bln. 1957.) Kl.-qu.-4°. Mit
26 Profi–Fotos
(16-17,5 x 21-23,5 cm) von Georg Ebert und Harry Croner. 16 Blatt. Grunewaldgrünes genopptes Kunstldr.-Foto-Album d. Zt. mit grüner Kordel.
Von personenerläuternden hs. Einlagezetteln begleitetes schönes historisches Memory an die Epoche, da
„ Urtypisch für Berlin ist auf die Dauer
Der Leierkasten , nicht die Mauer “
(so vor deren Fall prophetisch auf einem Kudamm-Leierkasten-Wagen) und alle der von Rosenthal und Werner Oehlschläger (Beglaubigungs-Paraphe) hs. unterzeichneten Einladungskarte – hier also für Gerhard Heymann – gefolgt waren und ihre „Fahrkarte HIMMELFAHRT 1957 durch Berlin 2. Kl.“ in Empfang genommen hatten. Also
die Insulaner-Inkarnation
„Sanitätsgefreiter Neumann als Erfinder der Berliner Schnauze“,
auf den Hamburgs Polizeipräsident Georges „mit der Stimmgewalt eines salzgetränkten Hapag-Kapitäns Ein dreifach Hoch“ ausbrachte, der neben dem wunderschönen Foto zusammen mit Prof. Quatschni (Joe Furtner), Inge Landgut (Stammtisch-Serviererin Frau Oehlschläger als rücksichtlich u. a. 250 zu verteilender langer Wiener Würstchen der EFHA-Werke Fleischwarenfabrik GmbH einziger weiblicher Begleiterin) und Jakob Tiedtke (den Werner Finck an einstigen Polit-Aufbruch erinnerte: „Weißt Du noch, unser Gedicht von 1933: ‚Es weht ein frischer Wind, wir wollen wieder lachen‘. Und dann wurden wir verboten“) fotografisch ansonsten im Hintergrund bleibt, wie’s seine Art war.
Bildlich umso präsenter denn Ewald Wenck „in Bundesbahnuniform mit Kelle und Knipszange“, SED-„Funzionär“ Walter Gross („Und damit, Jenossinnen und Jenossen, kommen wir zu unser heutiges Schulungsthemata“), O. E. Hasse. Strahlend auch Polizeipräsident Dr. Stumm, der sich der Verstärkung durch Schupokommandeur Duensing versichert hatte, Bezirksbürgermeister Kressmann, Bausenator Schwedler, Boxidol Bubi Scholz, Radfahrer Otto Ziege („Richtige Sechstagestimmung“). Dann Stachelschwein Wolfgang Gruner, „Streikbrecher“ Bruno Fritz („Zauberhaft“ angesichts eines vorbeifahrenden Omnibusses voll junger Mädchen), Ivo Veit, Olaf Bienert, Kurt Pratsch-Kaufmann.
 
Und Orang Utan-Zusteiger Nakal hatte natürlich auch seinen Zoo-Häuptling Dr. Klös nebst dessen Wärter mitgebracht, im übrigen nur Walter Gross mit Handschlag auszeichnend, von Joachim Krüger kommentiert mit „Der Funzionär begrüßt seinen treuesten Anhänger“, wozu Quatschni anzüglich „Briedärr in eins nun die Hände“ anstimmte.
Kurz, 93 Mann + 1 Dame. In auf Spezial-Tieflader per 5 km Tempo geschlepptem Bundesbahn-Salonwagen. Bei „Wetter wie Samt und Seide“ und Baliner Luft als Sahnehäubchen dazu, geschwängert vom Insulaner-Refrain-Optimismus
„ Det unsre Insel bald wieder schönes Festland wird
– ach wär det schön. “
RIASschön, wie alle Monat aufs neue aus dem Titania-Palast in der Schloßstraße oder dem Theater am Kurfürstendamm. Weit über Berlin in schwerer Zeit das Lachen am Leben erhaltend. Erreichend noch an Volksempfänger gepreßte heiße ostzonale Ohren als Licht in der Finsternis des Sozialistischen Heiles. Bis eines Tages dem Spaß die Luft ausging und
„ Neumann mit Sack und Pack zu uns runter kam ,
zu uns , nach Bayern , nach München .
Wo er denn auch bald seinen Jeist aufgab “
(analog der Funzinär-Schulung betreffend Schiller’s Wechsel von Stuttgart nach Weimar).

Und wat jibt’s 51 Jahre nach jener Baliner Kremserfahrt für uns Spätjeborene zu lachen? Det Brüssel/Berlin das Lachen noch nicht entdeckt haben. Sonst würde auch det noch reguliert. Und bemautet sowieso.

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Aber gewiß doch ,
auch nachfolgender Bevormundungs-Schmurks ist auf solchem Mist gewachsen :
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(Sign. L. B., December 10, 2005)
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