
— Juni 2007 —
kunst – eine sache für
jungs

die am ball bleiben
Arthur Grunenberg (Königsberg 1886 – Berlin 1927). Rossebändiger. Folge von lith. Titel und
11 (statt 12) Kreide-Lithographien
(18-23,5 x 21,5-27 cm), davon 10 unten rechts in Bleistift bezeichnet: A. Grunenberg. (Bln., Wasmuth, 1922.) Mit lith. hs. Bl. Inhalt. In Orig.-HPgt.-Mappe (33,5 x 43 cm) mit lith. illustr. Vorderdeckel nebst Titel + Autor.
Thieme-Becker XV (1922), 146; Vollmer II (1955), 325. – Ausstellungen: Kunstsalon J. Casper, Bln., Mai 1914 + Galerie Arnold, Dresden, März 1927.
Eins von 40 Exemplaren auf unbeschnittenem dünnen Japan bzw., lith. Titel und Inhaltsblatt, Japan-Velin.
1. Dioscuren (erster Entwurf) – 2. Dioscuren (zweiter Entwurf) – 3. Absalom – 4. Spähende Amazone – 5. Verwundete Amazone – 6. Hengstzähmung – 7. Rossebändiger (ersetzt, s. u., und solchermaßen unsigniert geblieben) – 8. Störrische Pferde – 9.
Das reiche Ridinger-Bildnis von Haid nach Bergmüller, Th. XX/2, mit Provenienz Gustav oder Alfred Ritter von Franck als schöne en passant-Botschaft von Aufgriff + Fortführung einer väterlichen Leidenschaft mit dem Faktum als Kern
daß 15/16-jährige sich mit Kunst (gegenseitig) glücklich machten
und ein lebenlang ihr verbunden blieben.
Ausbrechende Hengste – 10. Durchgehender Hengst – 11. Der gezähmte Hengst (versehentlich unsigniert geblieben) – 12. Morgenritt .
Ohne Blatt 7, „Rossebändiger“, wofür die mutmaßlich bildgleiche Titel-Lithographie, die ihrerseits aber nicht identisch ist mit der Vorderdeckel-Illustration, unter Verlust von Verlegeradresse und wohl Numerierung – bekannt hier ein mit „XXIII/40“ numeriertes einstiges Markt-Exemplar, dem seinerseits das lith. Inhaltsblatt fehlte – auf das kleinere Format der Folge selbst beschnitten wurde, infolgedessen es auch nicht unter Passepartout lag. Letztere ohnehin nicht ausnahmslos paßgenau gearbeiteten originalen Kulissen wurden als für gelegentliche leichte Stockflecken im meist weißen Feld (nur Blatt 4 generell leicht befallen) verantwortlich durch foliengeschütztes Auflegen auf säurefreien leichten Karton ersetzt. – Die Mappe stockstippig, doch kaum auf dem Vorderdeckel mit seiner schönen großen Darstellung (15,5 x 13 cm) zwischen der Kreide-Schreibschrift.
Die in tiefschwarzen Drucken vorliegende herrliche Folge

in ihrer unerhört fühlbaren Bewegungs-Rasanz
als von auflagenbedingt großer Seltenheit – so denn auch nicht in der die Spanne von 1527 bis 1930 abdeckenden und 1999 aufgelösten hippologischen Basler Sammlung Sarasin – begleitete Reverenz des künstlerisch so einzigartig bravourösen frühen deutschen 20. Jahrhunderts an jahrtausende alte Reitkultur, verdeutlicht mit den Eingangsblättern von Dioskuren („Söhne des Zeus“) + Absalom (Sohn Davids) . Wie die Folge als Ganzes unmittelbar ans 1921er Öl
„ Die Rosse bändigenden Dioskuren “,
sprich Kastor + Pollux, anschließt, letztere nach einer der Überlieferungen
„ Zeus zum Lohn für ihre Bruderliebe … als Zwillinge oder als Morgen= und Abendstern an den Himmel (setzte) … Polydeukes (Pollux) ist als Faustkämpfer,
Kastor vorzugsweise als Rossebändiger
ausgezeichnet; doch erscheinen beide auch als Reiter oder als Wagenlenker …
Die Kunst
„Von der Zeit an , da ich (18jährig) Dich kennenlernte, war mir
der Dienst an der Muse
Hornhaut gegen alle Widrigkeiten“
(Gerhard Marcks 1959 an Richard Scheibe, zitiert nach FAZ vom 30. Oktober 2004).
pflegte die D. darzustellen als edel gestaltete Heldenjünglinge von schlanken, aber kräftigen Formen … Gewöhnlich werden sie nackt gebildet (alles wie auch hier) oder nur mit einer leichten Chlamys bekleidet. Fast immer treten sie in Verbindung mit ihren Rossen auf und zwar neben ihnen stehend, selten als Reiter “
(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., IV, 1001 f.).
Die Absalom-Szenerie zitiert den Augenblick als jener während der kriegerischen Auseinandersetzung mit König David mit tödlicher Folge „auf der Flucht mit seinem langen Haar an einer Terebinthe (Terpentinpistazie) hängen bleib(t)“ (a. a. O. I, 54).
Grunenberg, „Maler u. Graphiker … widmete sich nach juristischen Studien auf Anregung F. von Lenbachs der Kunst …
„Ausschließlich aus der Freude an der Kunst und der Sammellust hervorgegangen, bildeten diese Sammlungen
die unentbehrliche liebe Umgebung ihrer Besitzer“
(Wilhelm von Bode 1918 im Vorwort des Katalogs der Altmeistersammlung Geheimrat Dr. Stumpf als ursprünglich erster, von den Kindern noch erweiterter Sammlung dessen Schwiegervaters Dr. Hölscher-Mühlheim, der diese als Ganzes seiner Tochter mit in die Ehe gab und für sich selbst prompt eine zweite aufbaute).
vor allem Darstell. des Tanzes und rhytmisch bewegter jugendlicher Figuren … neuerdings malt er auch stark farbige Blumenstücke u. monumental bewegte Gruppenkompositionen wie ‚Die Rosse bändigenden Dioskuren‘ … Nebenher geht eine umfangreiche graph. Tätigkeit“ (Thieme-Becker).
Und ergänzend Vollmer:
„ Bevorzugt als Motive den Reiter u. den Tänzer bzw. die Tänzerin. Benutzt meist den Rötelstift oder die Kreide.
Ausgezeichneter Darsteller des Pferdes in der Bewegung “.
Letztere hier denn faszinierend bis hin zum Schlußblatt, der Rückenszenerie des Morgenrittes, dessen Reiter von zwei Läufern begleitet wird.
Eine einzige Komposition körperlicher Bewegtheit

Umfangen von der Bewegung kulissenartiger Bäume
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250 Jahre zuvor
„ Unverändert legendär ist seine Kunst ,
Pferde jeglicher Art in ihrer Bewegung darzustellen … “
Birgit Schumacher. Philips Wouwerman (1619-1668). The Horse Painter of the Golden Age. Text- + Tafelband. 2006. 4°. 591 SS.; 3 Bll. + 1 Zwischenblatt. Mit
895 Tafelabbildungen
(110 farbige, davon 99 ganzseitig, 1 doppelblattgroß, 10 als zusätzliche Details ,
697 s/w, davon zahlreiche ganzseitig + 2 als zusätzlich ,
88 vergleichende in S/W, davon mehrere ganzseitig + 1 als zusätzlich).
OLwd. Bde. – In Englisch (Übersetzung der Monographie von H. Horn, des Katalogs von Chr. Zschunke).
ŒUVREKATALOG des malerischen Werkes dieses bewunderten und beliebten Meisters, gefeiert namentlich für seine Pferde-Sujets mit meist einem Schimmel als Markenzeichen. Für den großen Wilhelm von Bode gehörte Wouwerman zu den berühmtesten des Goldenen Jahrhunderts, würdig, aufgenommen zu werden in sein corps d’élite und solchermaßen unter die kleine Schar seines Standardwerks der „Meister der Holländischen und Flämischen Malerschulen“.
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„ Meine größte Freude im Leben
war das Sammeln “
(C. F. G. R. Schwerdt 1938 gegenüber Kurt Lindner, mitgeteilt im Vorwort zum 1985er Nachdruck des 4bändigen Schwerdt-Katalogs als Widerspiegelung der privaten Jagd-Sammlung aller Zeiten).
Und Josef Haubrich in Josef Haubrich , Sammler + Stifter, hrsg. von Peter Fuchs, Köln 1959:
„Meine Erfahrung aus 40 Jahren Leben mit der Kunst : ich habe fast nie bereut, ein Kuntwerk erworben zu haben,
aber ich habe manchmal jahrelang bereut ,
eins nicht erworben zu haben.“
“ Received the Heron Hawking today, it is exceptionally nice. Thank you for packing so carefully … ”
(Mr. L. A. F., December 6, 2005)
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