|
Widerrufsrecht Impressum niemeyer’s AHA!-Erlebnisse 45 Jahre Kunsthandlung + Seltenheitsantiquariat Kataloge
Autographen
KartographieBibliophilie Alte Meister Zeichnungen Grafik XX. Jahrhundert Recht Orts- + Landeskunde Miscellania: Bücher + Grafik William Hogarth Joseph Georg Wintter Die Familie Rugendas Tiere, Jagen, Umwelt Fischen + Angeln Pferde + Reiten Künstlerindex Homepage e-mail
Datenschutz Geschäftsbedingungen Info / FAQ über uns empfohlene Links Offene Worte Referenzen |
Aha – Ridinger für FortgeschritteneLesen Sie nur weiter, auch wenn Sie meinen, diesem illustren Kreise vom Schlage eines Julius Hofmann – noch – nicht so recht zuzugehören, dem 1922 der große Max Lehrs im Katalog-Vorwort seiner kostbaren Sammlung der „Graphik aller Schulen des 15. bis 19. Jahrhunderts“ – darunter Ridinger’s Reh-Rudel Thienemann 194 und der hessische Spiegel-Hirsch Th. 332 – nachrühmte
„Der Fischotter war’s . Ja , der verspielte Fischotter“ jubelte einst Heinz Sielmann. Analog hierzu für uns hier und heute „Ja , die Etats sind’s , es sind die Etats“ die aller Pirsch erst letzte Würze sind. Die wirklich letzte? Oder doch erst nur die noch unbehaubte letzte? Noch frei vom Sahnehäubchen einer crème de la crème , der Cru Exceptionnel eines PETRUS , jener „Legende aus Pomerol“ ? So ist es. „ Kostbar , rar und selten “ finden ihre Steigerung in Probedrucken vor allen Etats .
Nämlich in jenen Unikaten des Noch-Werdens , des prallen Erfülltseins vom schöpferischen Augenblick , uns anwehend über Jahrhunderte , als schauten wir dem Meister unmittelbar über die Schulter , sähen , wie er ein schon anderweitig bedrucktes Makulaturblatt
zur Hand nimmt , um dessen freie Rückseite zu früher Probe einer neuen Arbeit zu nutzen . Sähen , wie er dann zur Rötelkreide greift , um jene Partien zu markieren, an denen es weiterzuarbeiten gilt. Um dann plötzlich , hier und im Heute , eine Offerte in Händen zu halten , wie nur ausgefuchste Adressen sie zu unterbreiten imstande sind :
Rötelmarkierter Probe-Ätzdruckvon der noch nicht vollendeten Platteauf Makulaturbogen mit rückseitigem Schabblatt-TorsoJohann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). (Wie die Sauen im freijen auf den ball gehäzt und mit einer gantzen hatz Hunde forcirt werden.) Radierung mit Kupferstich als Ätzdruck. Blattgröße 25,3 x 34,2 cm. Ad Thienemann + Schwarz 66x). – Verso oberes Detail des Schabblattes Mariæ Verkündigung Schwarz 1515. – Kaum auffallend innerhalb des leicht angeschmuddelten weißen Plattenrandes geschnitten. Diagonale Knickspur in linker Unterecke im gerade noch tangierten Bildzipfel nicht bemerkbar. Probe-Ätzdruck von dem zwar schon completten , doch in der Ausschraffierung noch unfertigen Bildganzen mit entsprechend über das ganze Blatt gehenden Rötelmarkierungen des Meisters für die Weiterarbeit und natürlich auch noch vor aller Schrift.
(Jahn, Wörterbuch der Kunst, 5. Aufl., 1957, Seite 395/II). Solche noch den laufenden Werkprozeß dokumentierende Probedrucke mit gar auch noch eigenhändigen Hilfsmarkierungen , ja, hinsichtlich rückseitiger schon anderweitiger Bedruckung ostentativem Makulaturcharakter als Merkmal besonderer Frühzeitigkeit wie hier vorliegend sind von allergrößter Seltenheit . Gelegentlich marktvorkommend und von anspruchsvollen Sammlern als von altersher kostbar – so etwa so etwa Th. 171 in bayer. Privatsammlung oder Weigel’s Kunstcatalog, Abt. XV (1850), 17538, „sehr seltene Probedrücke vor aller Schrift“ – bereits als Sammlungstrüffel hochbegehrt die letztlich abschließenden Zustandsdrucke mit der lediglich noch fehlenden Schrift. Wie erst denn aber hier! Weigel ebda. 17536 als evt. auch nur annähernd vergleichbar da ohne Hinweis auf autographe Hinzufügung konnte neben verschiedenen anderwärtigen „Sehr seltene(n) Aetzdrücke(n)“ 2 Blatt „Löwe und das Elenthier“ als „Sehr seltne, weniger vollendete Abdrücke vor aller Schrift“ qualifizieren. Und Helbing’s 1900er Ridinger-Mammutofferte (Kat. XXXIV) wartete per 1408 mit einem Probedruck-Exemplar der Paradies-Folge auf, deren Rückseiten als Spectaculum unbenutzt gebliebene Texte zur Folge der Jagdbaren Thiere aufwiesen. Baron von Gutmann hingegen als dem Ridinger-Sammler schlechthin (Schwarz-Katalog) besaß lediglich zwei originäre Probedrucke, davon Schwarz 93a vor aller Schrift, doch ohne Ätzdruck-Qualifikation, geschweige denn Rötelung. Für definitive Probe-Ätzdrucke mit Rötelung wie vorliegende hier allein nachweisbar die beiden zu Th. 193/94 bei Gräflich Faber-Castell (1958, Pos. 27). Somit aber für das graphische Ridinger-Œuvre eine Zimelie allererster Güte. im Blattformat von 24,8 x 33,3 cm, der Beschnitt des weißen Plattenrandes damit dreiseits etwas mehr als oben, der Unterrand indes – hier denn also mit der Schrift – beide Male 3 cm. Bildseits nicht unproper alterstonig, rückseits mehr stockstippig und mit vier eher nur vorsorglichen kleinen Randverstärkungen. Scheuen Sie sich notfalls nicht, näherzutreten und diesen Ihnen ihrer überragenden Seltenheit wegen möglicherweise noch wenig vertrauten faszinierenden Zimelien künstlerischer Schöpfungsprozesse Ihre Reverenz zu erweisen. Sind in der Kunst nicht wir alle immer nur erst auf dem Wege , unterwegs zu täglich neuem Ufer, zur Mehrung unseres Wissens und – unseres Erfülltseins von dem , was „den Staub des Alltags von der Seele wäscht“ (Picasso) ? Während jener stillen Stunden in der Sammlung als immer aufs neue erfrischendem Umgang mit einem alten Freunde. Fortgeschrittene-Fortsetzungen Vorliegend zudem per 14.662 beide Blätter dieser selbständigen Folge der Parforce-Jagd auf Hirsch + Sau – Th. 65/66 – als den kleinen thematischen Vorläufern – das Wild hier noch nicht gestellt, vielmehr noch in voller Flucht – zu den Imperialen Th. 67/68 in ihren endgültigen Zuständen, von Schwerdt 1928 gefeiert als „ … full of swift movement “ und vorkommensmäßig von der Literatur wie folgt qualifiziert : Weigel XXVIII (1857), Ridinger, 5 (cpl. nur in späteren Abdrucken); Nagler 39; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX 1784 („Ohne Plattenrand, aufgezogen und leicht fleckig. Aeusserst selten “, 1885! ; später wohl vereinzelt, vgl. das Explr. Th. 65 bei Helbing); Slg. Coppenrath II, 1454 („Sehr seltene alte Abdrücke“, 1889); Slg. Reich auf Biehla 12 („Sehr schöne Abdrücke, mit breiten Rändern. Aeusserst selten“, 1894); Helbing XXXIV, 157 (nur Th. 65, zudem auf Bildkante beschnitten und aufmontiert, wohl aus obigem 1885er Exemplar; „Selten“, 1900); Schwerdt III (1928), 135. – Nicht in Slg. Schoeller (1921) und Katalogen Kielce (1997) + Darmstadt (1999). Hier denn in alten Abdrücken
und erhaltensmäßig adäquat ihres Ansehens als schönste Ridingeriana . Und mit 34 x 47,3 cm Blattgröße noch breitrandiger als Schwerdt’s Exemplar mit 34,5 x 43,5 cm. – Blatt 1 mit etwas dünner Papierstelle im weißen Plattenrand seitlich unten rechts. Im rechten breiten weißen Papierrand kleine Eckläsur oben und winziger Einriß unten. Ähnlich dergleichen linksseits von Blatt 2. Entstehungsmäßig könnte die Folge in Verbindung stehen mit der 1757er zeichnerischen Eberjagd Schwerdt III, 217, d (L’Art Ancien 14, 41 mit Abb.) ähnlichen, gleichwohl Hochformates mit eng verwandtem „mächtigen alten Baum im Mittelgrunde“, an dem die Jagd vorbeigeht. Der dichte Wald der Zeichnung öffnet sich im hiesigen Kupfer einer hügeligen freien Tallandschaft mit seitlichem Anwesen, der Hunde hier zehn gegenüber nur sieben. Die Zeichnung zudem ohne die Jäger, deren berittene drei im Kupfer seitlich links ins Bild drängen. Beider Blätter Dynamik findet ihre Wertung in eben den Worten Schwerdts bezüglich der Zeichnung : „ … very attractive … full of swift movement .“ Mailen Sie , rufen Sie an !
(Mrs. A. P., September 26, 2001) |