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lüder h. niemeyer

- seit 1959 -

 

Besuch  beim  Dr.  Pillenmann

Hogarth, William (1697 London 1764). Beim Quacksalber. Kuperstich von Carl Heinrich Rahl (Hoffenheim 1779 – Wien 1843). (1818/23.) Bezeichnet: 23. / Plate 3. 21 x 26,6 cm.

Marriage à la Mode III. – Das dritte Blatt dieser

„ schönste(n)  gemalte(n)  Satire  des  Jahrhunderts “

(Dobson in Thieme-Becker).

William Hogarth, Beim Quacksalber (Marriage à la Mode III; Rahl)

„ Der arme Mann ist in schöne Hände gerathen! Wir finden ihn bei dem Herrn Dr. Pillenmann … Ein Mädchen, das ihm als die pure liebe Unschuld … ausgehändigt worden ist, zeigt in jeder Miene die Ursachen, warum, von wem und wesshalb sie Pillen eingenommen hat; das Schächtelchen in ihrer Hand, in der des Grafen und zwischen seinen Knieen zeigt, wie viel verbraucht worden sind. Fürchten könnte man sich beim Dr. Pillenmann denn aus allen Reichen der Natur strömen die Gestalten entgegen … Neue Pillen werden am Ende doch alles ausgleichen müssen “

heißt es im Untertext einer deutschen Ausgabe, während Lichtenberg seine Betrachtung zu diesem Blatt mit den Worten schließt

„ Neben dem Giftschrank hat Hogarth, wie mich dünkt, vortrefflich, zwei Mumien hingestellt. Sie sehen offenbar mit stolzverächtlichem Blick auf alles Quacksalber-Gewühl und allen Arzneien-Wust dieser Welt, aus ihrer unendlichen Sicherheit, und nach ihrem tausendjährigen Frieden mit der heilenden Facultät, herab; und das kann man auch, wenn man – – eine Mumie ist.

„ Der auf die Erde hingeworfene Ueberrock und Hut des Herrn Doctors zeugt von Geschäftigkeit, Eile zu retten und großer Praxis “ .

Monsieur de la Pillule übrigens identifiziert als der berüchtigte Dr. Misaubin aus Hamburg, nicht allein Experte auf dem Gebiet der Franzosenkrankheit, sondern auch Erfinder zweier von der kgl. Akademie der Wissenschaften in Paris geprüfter und für gut befundener Maschinen: zum Einrenken von Schultern sowie zum Entkorken von Flaschen. „Durch ‚Entkorken‘ gelingt es, das Ansehen einer ‚Patientin‘ innerhalb der Gesellschaft wieder einzurenken“, sprich, gewisse Folgen wieder zu heilen (Katalog Zürich, in Abweichung von den üblichen Auslegungen hieraus die Möglichkeit einer zu besprechenden Abtreibung herleitend).

Und bezeichnend genug für das ihn bald ereilende Unheil sitzt der junge Graf Squanderfield nicht allein vor dem offenen Mumienkabinett, auf dem Bord darüber steht überdies noch ein Dreifuß, wie er – siehe Industry & Idleness XI – zu Tyburn als Galgen diente. Hingegen hat das unter der Decke hängende Krokodil mit den Jahren die Feistheit aus Hudibras beats Sidrophel verloren.
Angebots-Nr. 11.649 / EUR  220. (c. US$ 285.) + Versand

 

William Hogarth, Beim Quacksalber (Marriage à la Mode III; Riepenhausen)

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, Univ.-Kupferstecher ebda.). Bezeichnet: 23. / W Hogarth inv. & pinx. / Riepenhausen del. & sculps. 23,5 x 28,5 cm. – Abdruck auf leicht getöntem minderen Papier. – Riepenhausens Stiche nach Hogarth („sehr schätzbar“, Nagler) zählen zu seinem Hauptwerk und werden nicht zuletzt der Seitenrichtigkeit wegen den Hogarth’schen Kupfern teilweise sogar vorgezogen.
Angebots-Nr. 11.650 / EUR  240. (c. US$ 311.) + Versand

 

Komplette Exemplare der Folge sowie weitere Einzelblätter verfügbar .

 


 

„ Hartelijk dank voor de zorgvulige wijze … Voor mij bent u de Mercedes onder de prentenhandelaren! “

(de heer P. E., 24. Januar 2008)