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lüder h. niemeyer

- seit 1959 -

 

„ … has  a  more  graceful  figure  style

than  most  Flemish  genre  painters “

( Peter C. Sutton , 1993 )

HIER  denn  HERMES/MERKUR  –

Patron  der  Herden + WEGEGOTT

Herp, Willem (Guilliam) I van (ca. 1614 Antwerpen 1677). Merkur bei der Bauernfamilie. Tischszene mit Weinausschank in behaglichem Interieur mit zwei Fruchtkörben, in deren größerem u. a. blauer + grüner Wein. Links Fenster und umgeworfener Stuhl, rechts am Kamin Faß und zusammengerollte Katze. Öl auf Kupfer. 26 x 34,5 cm. Zeitspurige alte Rahmung mit Signatur-Schildchen unter Bildabdeckung beidseits und unten.

Mit  Expertise  von  Paul  Wescher

(zwischen 1925 und 1946 regelmäßiger Mitarbeiter von OUD HOLLAND, der 1883 begründeten Zeitschrift des Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie) :

„ Das umstehend abgebildete Gemälde mit der Darstellung ‚Mercur (durchgestrichen: Satyr) beim Bauern‘ (auf Kupfer, 26 x 34,5 cm) halte ich für eine bezeichnende Arbeit des Guillaume van Herp, der das Thema mehrfach, aber immer wieder anders gemalt hat. Dr. P. Wescher. “

Sympathische  Arbeit  von  warmbrauner  Tönung

des Antwerpener Kleinmeisters „der weiteren Rubens-Nachfolge“, dessen und Jacob Jordaens’ Einflüsse erkennbar seien. Doch, so Bernt weiter,

„ Seine  Interieurs , häusliche  Beschäftigungen  oder  Mahlzeiten ,

zeigen  trotz  der  Beeinflussung  einen  persönlichen  Stil “,

illustriert an dem untergegangenen Berliner „Satyr bei der Bauernfamilie“ („Hauptwerk“, Wurzbach, 1906, dieser im übrigen „Er malte in der Art des Rubens, unter dessen Werken v. d. Branden – Geschiedenis der Antwerpsche Schilderschool, 1883 – seine Arbeiten vermutet“). Entsprechend unbekannt in seinen Lebensverhältnissen erschien Herp (irrig als Gerard vermutet) schon Nagler (1838) –

„ obgleich er ein vorzüglicher Künstler ist …und dass er ebenfalls ein bedeutender Maler seyn muss, beweiset der Umstand, dass aus der Sammlung des H. Wiermann zu Amsterdam ein Gemälde von Van Herp – den wir mit dem unsrigen für Eine Person halten – um 2040 fl. gekauft wurde. Es wird dieser wohl auch jener von Harp des Houbracken (siehe unten) seyn … von welchem Bertin ein Gemälde 4000 Liv. werth hielt “

– und 1923 resümieren Thieme-Becker:

„ Über das Werk H.s herrschte bis vor kurzem eine verwirrende Unklarheit. Man kann ihm aber mit größter Wahrscheinlichkeit eine Anzahl G. V. Herp bez. Bilder zuschreiben, die einen sicheren Ausgangspunkt bilden … “

Und schließlich in jüngster Zeit Peter C. Sutton (The Age of Rubens, 1993, SS. 438 + 66) :

„ Van Herp executed religious, historical, and mythological paintings, as well as both high- and low-life genre scenes … His eclectic œuvre is difficult to anylize, in part because only fifteen signed paintings by the artist are known, of which only a few are dated. The small scale and genre subject matter of his works is reminiscent of Teniers, but

his  warm  palette  and  lively  brushwork

are more directly influenced by Rubens and Jordaens … Like (Simon) de Vos

Willem  van  Herp  has  a  more  graceful  figure  style

than  most  Flemish  genre  painters 

(verschiedenen seiner Kollegen malte er denn auch die Figuren wie er andererseits Frans Snyders mit den Bildern Robels SS. 390,I,c, 391,I,a + 392,I,a kopierte). Few of his works are dated (the earliest from 1654) but most seem to have been executed in the 1650s and 1660s … Van Herp’s merry company scenes remind us of Teniers but have the carefully composed unity of Jordaen’s much larger genre scenes, as well as a hint of the elegant attenuation and grace of  van  Dyck’s  figures.

The  latter  are  also  recalled  in  the  master’s  small-scale

religious  and  mythological  paintings …

van Herp is documented as having received fifty-two guilders for a picture of this subject in 1662. “

Denkbar für hiesige Arbeit auch eine Zugehörigkeit zu jener Gruppe, von der es bei Sutton heißt:

„ In the 1650s and sixties he worked for the Antwerp art dealer Matthijs Musson and for the Forchoudt firm painting pictures for export, specifically to Spain.  Many  were  small  works  on  coppper … “

Eine Stütze hierfür könnte sich auch daraus ergeben, daß, so Sutton,

„ Van Herp also received independent commissions from Spanish patrons; in 1663 he worked with Luigi Primo … Adam Frans van der Meulen, and David II Teniers … on a series of twenty small paintings on copper, illustrating episodes from the life of Guillermo Ramon Moncada (siehe Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XI, 738) and his brother, with decorative borders by Jan I van Kessel … Several of the compositions (including four by van Herp) were subsequently woven into tapestries in Flanders. “

Dem Erzählreichtum der Herp’schen Kompositionen nachzugehen, verspricht reizvolle Beschäftigung. So verwundert sich der Satyr des im letzten Kriege untergegangenen Berliner Bildes, „dass die Menschen sich durch den Athem das Essen kalt machen, während sie sich vorher durch den Athem die Hände erwärmt haben“ (Nagler). Ein im Antwerpen der Rubenszeit wiederholt aufgegriffenes Thema, fußend „auf der Tradition der 1567 geschaffenen Æsop-Illustrationen des Gheeraerts“ (hier Æsop-Phaedrus, Fabel 126), vor van Herp ausgeführt auf dem Berliner Bild des Johann Liss (Katalog Bln.-Dahlem, 1975, KFMV 245), auf dem der Satyr mit geradezu „abwehrender Gebärde … von seinem Platz (aufspringt. Denn) … Auf solche Zweideutigkeit will der bocksbeinige Waldgeist aus dem Gefolge des Weingottes Bacchus die Freundschaft mit dem Bauern nicht gründen. Ohne Verständnis für die mißtrauische Reaktion blicken die Menschen ihn an“, so A. T. Lurie im Augsburger Ausstellungskatalog Johann Liss, 1975, Nr. A9.

Auch  bei  hiesiger  Mercur-Visite  ist  die  Debatte  greifbar .

Die Einbettung ins bäuerliche Umfeld ergibt sich aus der Genesis dieses „sehr alte(n) griech. Gott(es), dessen Heimat wahrscheinlich Arkadien ist … Schon im homerischen Hymnus gilt er als Sohn des Zeus und der Maia, auch seine Neigung zu listigen Bosheiten besteht schon früh, sie äußert sich in den Geschichten vom Rinderdiebstahl. Vielleicht hat ihn dieser Charakterzug zum Götterboten gemacht … Seinem alten Wesen entsprechend gilt er zugleich als

Schutzgott der  Herden  und  als  Wegegott “

(Jahn).

Auf gutem Fuße mit ihm zu stehen, lag somit im Interesse der Landleute. Der im Gegensatz zu Herp’s sonstiger Handbildung etwas klobig wirkenden, gegen das Feuer gehaltenen Rechten des Gottes mit abgespreiztem Daumen begegnen wir auch bei der Linken der am Tisch sitzenden Bäuerin eines Familienschmauses der seinerzeitigen Sammlung Kommerzienrath Faber in Stuttgart (Katalog 1870, Nr. 76), der in den 1980ern wieder am Markt war. An die Nacktheit Herp’scher Figuren erinnerte schon Houbraken in seiner „Groote Schouburgh der Nederlantsche Konstschilders en Schilderessen“ (1718-1729, deutsch durch Wurzbach, 1880, III, 53). – Resümierend ein reizvolles Beispiel dafür, daß

„ Holländische  und  flämische  Bilder  recht  eigentlich  der  Kern  einer  Gemäldesammlung  (sind)

… (Denn) Es ist der unleugbare Vorzug niederländischer Malerei, daß auch den schlichten Wandschmuck ein großzügiger künstlerischer Geist erfüllt … (Kurz,)

Im  17. Jahrhundert  waren  die  Niederlande  die  Heimat  des  Gemäldes “

(Friedrich Winkler im Sammlungskatalog Bohnewand)

und  mythologische  Inhalte , göttliches  +  menschliches  Miteinander , eines  ihrer  Themen .

Angebots-Nr. 14.427verkauft

 


 

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(Mr. A. C., March 27, 2008)