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Diegraphische HUBERTUS DarstellungwelcheRückgreifend zugleich auf Coninxloo’srevolutionäre Waldlandschaft mit Jägern (Plietzsch 14)wie offenbar bislang übersehenUnd zudem auch noch im Exemplardes von Rubens gemaltenHubertus-ObmannsFrederic de Marselaer ?Bruyn, Nicolaes de (Antwerpen 1571 – Rotterdam 1656). St. Hubertus. Der südniederländische fürstliche „Wilde Jäger“ als nach Döbel Vater der Parforcejagd und entsprechend mit Horn mit 6köpfiger Meute in großer Waldlandschaft in der Art des 3. Gillis van Coninxloo (Antwerpen? 1544 – Amsterdam 1607) barhäuptig vor dem Hirsche kniend. Auf dem Pool hinter letzterem zwei chwerdt als den weissagenden Vögeln der Mythologie, am Stamm oberhalb des Pferdes eine zischelnde Schlange als Versucherin, dem Hirsch am nächsten in Einzelstellung und als einziger auf seinen Herrn schauend ein Hubertus-Hund. Kupferstich. (1614.) Blattgröße 69,9 x 45,8 cm. DIE graphische HUBERTUS Darstellung WELCHE
Nämlich Das heimische Umfeld des Heiligen als von größter Authentizität + In nahezu konkurrenzlos grossem Format Hier denn zudem mit Joannes Meyssens’ Adresse und dessen hubertuspraller Dedication für den von Rubens gemalten Hubertus-Obmann Frederik de Marselaer Und Im gemutmaßten Exemplar eben desselben als von letzter Originalität Provenienz de Marselaer , ( handschriftlich ) 1656 als Taufgeschenk Frederic de Marselaer’s (Antwerpen 1584 – [St. Hubert-] Elewijt 1670) (Jöcher III, 1751, 208 + VIII, 1813, 789; Die Inquisition Peter Paul Rubens, Franciscus Godin, Frans Keldermans, M. Hooc, C. van de Velde, – Rubens malte ihn – Bürgermeister von Brüssel , Obmann der St. Hubertus – Bruderschaft und Gralshüter der Elewijter Hubertus – Insignien (A. Waumans, Levensschets van den H. Hubertus. Zijne vereering te Elewijt. 1927.) für Frederic Jozef Ignatius de Marselaer (1656-1718) als dem Enkel-Stammhalter ? Conte Giovanni Maria Mazzuchelli (Brescia 1707 – 1765) (Jöcher VIII, 1813, 1127 ff.; Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., IX, 1889, 98) mit dessen rückseitiger 5fach-Stempelung Wurzbach 52. – Bredius, Künstler-Inventare, V, Seite 1600, Nr. 9 („Van Sincte Huybrecht een plaet“), die Platte per 16. 1. 1632 in einem Inv.-Verzeichnis der Rotterdamer Waisenkammer nachweisend. – Nicht bei Huyghebaert (Antwerpen [sic!] 1949). Vgl. Plietzsch, Gillis van Coninxloo 14 in Die Frankenthaler Maler (1910/1972) nebst Tafel V; Stechow, Dutch Landscape Painting (2. Aufl., 1968), SS. 65 ff. + Abb. 122; Devisscher, Kerstiaen de Keuninck (1987), SS. 36, 89 + Abb. Z 10. Früher Abdruck wie erstrebenswert vor den Adressen ( „… sind die besseren, weil seine feine Grabstichelarbeit bald abgenützt war“, Wurzbach ) von Gerard Valck (1626 – nach 1694) + Peter Schenk I (1661-1715). – Hier mit Joannes Meyssens’ (Antwerpen 1612 – Brüssel 1670) Verleger-Dedication für eben Frederic de Marselaer :
Darüber im Bild selbst unten rechts das „MAZSELARE“ – Wappen bestehend aus dem Stamm-Wappen unter der 5zackigen Adelskrone nebst den beidseitigen aufgerichteten Parforce – Hunden , hier Wappen-Fahnen haltend: links die Marzelaer’sche, rechts die der Frau, Margriete van Borainage (de Bernaige, Baronaige, geb. 1584, Eheschließung 1626, weiteres siehe unten). Hiesige Meyssens’ Adresse, beim jüngeren Hollar für die Frühdrucke stehend, könnte ein Zwischenzustand vor den abqualifizierten von Valck und Schenk sein. Für de Bruyn’s Kupfer generell belegt Wurzbach Datierungen von 1592 (W. 76) bis 1650 (Bd. II, S. 217). 1601 wurde er als plaetsnyder und coopman in die Antwerpener Gilde aufgenommen. Und „Am 4. 12. 1652 wird er in einem Aktenstück altersschwach genannt“ (Thieme-Becker). Nach Bredius hat der Antwerpener Stecher und Schwager Assuerus van Londerseel verschiedene der frühen Arbeiten gedruckt und herausgegeben. „Später hat de Bruyn, wie aus dem Inventar hervorgeht, den Druck (Nr. 75: Een druckpers) und Verlag seiner Platten selbst besorgt … Bei den Zeichnungen und Bildern (welch letztere hier wohl erstmals konkret in die Literatur eingeführt werden; zudem Nrn. 78 f.: Vyer tonnekens met verwe bzw. Twee saxkens met smalt/Kobalt) … ist es auffällig, dass sie beinahe alle die zum Teil nur selten vorkommenden Gegenstände behandeln, die de Bruyn auch gestochen hat, sodass die Vermutung nahe liegt, es seien seine Vorlagen gewesen“ (Bredius, a. a. O., S. 1599). Oben auf Bildkante geschnitten, an den Seiten mit feinem Rändchen, das unten unterhalb der Dedicationszeile (diese mit geringem Restaurierungsausfall) etwas breiter ausfällt. So voll entsprechend dem von Wurzbach mit 69 x 46 cm genanntem Maß. Etlicher Risse und Rißchen oder dünner Stellen halber mittels Dublierung professionell restauriert, wie bildseits nur bedingt und ohne Störung des faszinierenden Bildeindruckes bemerkbar. Das superb seltene Blatt , unerreicht geblieben selbst Schwerdt und so vielerorts mehr , jüngst erst hiesigerseits bekanntgemacht Günther Schlieker bei Vorbereitung seiner Hubertus-Monographie wie denn unbekannt geblieben schon Huyghebaert selbst nach seinerseits 21 weiteren Forschungsjahren bei umfassendst erweiterter Neuauflage seines „Sint Hubertus, Patroon van de Jagers in Woord en Beeld“ (Antwerpen [sic!] 1949 mit nunmehr 361 Seiten + 173 Abbildungen gegenüber 158 Seiten + 34 Abbildungen 1927 !!), was besagte Seltenheit umso signifikanter belegt als er Frederic de Marselaer ausführlich dokumentiert (SS. 174-181 + Abb. 75-80). Ridder Dr. iur. Frederic (Fraderi, Frider) de Marselaer, Herr von Opdorp, Ratsherr, Schatzmeister und schließlich Bürgermeister von Brüssel, promoviert 1611 zu Löwen, Kavalierstour nach Italien, Verfasser des 1618 erstmals erschienenen wichtigen zweiteiligen Werkes über Gesandtschaften, Khpykeion, sive Legationvm Insigne , das den mit dessen Autor über Aufträge fürs Brüsseler Rathaus verbundenen Rubens umsomehr interessierte als seine eigenen Dienste in diplomatischen Angelegenheiten berührend, resümierend in seiner Einschätzung vom Wert verhandelnder Gesandter zu Zeiten des Friedens wie des Krieges, ja, während letzterer ganz besonders. In anderweitigem Antwerpener Titelblatt gab er dieser Überzeugung 1623 durch Gegenüberstellung von Frieden + Krieg durch göttliche Prototypen Ausdruck (van de Velde, a. a. O., Abb. 6) und dieser Gedankengang ist gleichen Jahres denn auch Gegenstand einer brieflichen Erörterung gegenüber de Marselaer, der sich für eine allfällige erweiterte, auch großformatigere Neuauflage seines Legatus ein neues Titelblatt wünschte. Das dann aber, 1626, von Theodoor van Loon geliefert wurde, gleichwohl im Geiste Rubens‘. Nämlich mit Merkur und kämpferischer Minerva, und zwar als aneinandervorbeischauender Kontrahenten (van de Velde Abb. 3). Als eben dies auch vermittelnd, darf der gegenüber dem 1618er Titelblatt eines Anonymus nunmehr unterbliebene Rückgriff auf de Marselaers Devise ARTE ET MARTE bedauert werden. Faszinierend indes die Fortentwicklung dieses 1626er Titelblattes durch nunmehr Rubens selbst fünfzehn Jahre nach dessen 1623er erster Beschäftigung hiermit. Endgültig seine üblicherweise nur marginalere Rolle als Entrée-Buchschmuck hinter sich lassend, katapultiert es zu humanitärem Ereignis: Frieden + Krieg , Mercur + Minerva , reichen sich unter Zurückdrängens ihrer konträren Attribute über der Titeltafel des Marselaer’schen Legatus die Hand. In der ländlichen Stille von Elewijt – Rubens hatte 1635 den dortselbst gelegenen feudalen Landsitz Schloß Steen erworben, womit die langjährige Verbundenheit zwischen ihm und de Marselaer zu einer auch nachbarschaftlichen geworden war – überblickte Rubens, so Carl van de Velde seinen reich illustrierten schönen Beitrag in der 1981er Rubenianum-Festschrift, siehe oben, zusammenfassend, seine eigene Karriere als Diplomat und fand zu positiverer Sicht, ließ Minerva die von Pallas Athene entlehnte kämpferische Wehrhaftigkeit beiseitelegen und zu ihrer Rolle als Göttin des Friedens zurückfinden. Soweit dieser für die zusätzliche Positionierung de Marselaers bedeutsame Rubens-Aspekt. In seiner Hubertus-Bezogenheit findet de Marselaer, per Heirat (s. o.) Herr und erster Baron von Perk und Elewijt, Herr von Herseaux, Oycke und Loxem geworden, zentrale Erwähnung in der Bulle des Mechelner Erzbischofs Jacobus Boonen vom 15. Oktober 1650, mit der dieser sowohl die Elewijter Hubertus-Insignien als auch die Hubertus-Bruderschaft per 1. Mai 1651 kirchenrechtlich anerkennt. Bestand letztere schon seit sehr langer Zeit, so waren die Insignien von den Antwerpener Kapuzinern für die Schloßkapelle von Elewijt übereignet worden, nachdem frühere bei Brandschatzung der Kirche im Verlauf des Bildersturms untergegangen waren. Die reich gestaltete Bulle – Huyghebaert Abbildungen 78-80 – zeigt in breiter Oberleiste als Mittelstück den Heiligen als Porträt-Medaillon mit Bischofs-Insignien und wohl dem Hirsch-Kopf zur Rechten und beidseits jeweils zwei von Jagdgesellschaften eingefaßte Wappen für Boonen + Marselaer, wobei das der Frau de Marselaer im Gegensatz zu deren Wappenfahne hier im Stich im linken Schildfeld die Symbole ihres Mannes zitiert. Die Seitenfelder schmücken Tulpen als damals noch sehr kostbar, wobei Huyghebaert für möglich hält, sie könnten als Reverenz gegenüber Rubens gedacht sein, der mit dergleichen seinen Tulpen-Freund Justus Lipsius zu erfreuen pflegte. Auch könne für die von Falkenbeize + Jagd auf Hoch- + Niederwild heimkehrende linke Gruppe der Oberleiste – Abb. 79 – an die Gegend von Baerbeek gedacht werden, in der Rubens, wie auch Teniers, manche Landschaft gemalt habe. Hingegen scheint ihm das von Rosenberg um 1630/35 angesetzte Rubens’sche Brustbild-Porträt Frederic de Marselaers – eine für echt angebotene mutmaßliche Kopie derzeit am Markt – unbekannt geblieben zu sein. Ebenfalls 1650 hatte Erzbischof Boonen per Plakatdruck unter Auslobung 40tägigen Ablasses bereits zur Besichtigung der „in de Capelle van het Casteel des Heeren van PARCK ende ELEWYT“ gegebenen Insignien aufgefordert und seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, Seine Päpstliche Heiligkeit könne den befristeten Ablaß zu einem vollen ausweiten, wie denn im Folgejahr seitens Innocenz X. zum 1. Mai für die „ sekere Reliquien van S. HVYBRECHT, binnen de Kercke van Eelewyt … toe gestaen / ende met Aflaet vereert heeft een Broederschap van S. HVYBRECHT “ und mit 1651er Plakatdruck unter päpstlichem Wappen publik gemacht worden. Vorbehalten war dieser Elewijter Vollablaß allerdings nur den Kirchgängern „op S. HVYBRECHTS dagh t’elcken iare den 3. Novembris“. Wie sehr der Name Marselaer selbst noch nach Erlöschen im Mannesstamm um 1720 als ein Synonym für das Wohlergehen von Kirche + Reliquien von Elewijt stand, dokumentiert ein mit 16 x 21 cm recht großes postumes Andenkenkupfer des Mechelner Antoon Opdebeeck (1709-1759) mit dem Hubertusgeschehen vor Elewijter Kirche, oberhalb derer Frederik’s Wappen schwebt. Siehe bei Huyghebaert die Abbildungen 75-77. Werbemäßig war die Lizensierung der Hubertus-Bruderschaft mit der Gewährung vollen Ablasses ein großartiger Erfolg . Von weither kommend, drängte sich die Menge erneut in Elewijt, erinnernd an große Pilgerzüge zu Anfang des 16. Jahrhunderts, als Hubertus um Schutz vor Tollwut ersucht wurde. Wesentlich älter ist Kasteel Perk als der Marselaer-Stammsitz der Frederik-Zeit . Einfachen Ursprungs im 12. Jhdt., schufen Baumaßnahmen des 17.-19. Jhdts. einen der prächtigsten Herrensitze des Brüsseler Umlands mit über 200 Räumen inmitten eines 90 ha weiten Parks. Via Verehelichung der Katharina de Wavre (Waver), Tochter des zwischen 1347 + 1378 florierenden Jan de Wavre und dessen Erbin von Perk + Ellewijt, mit Johann van Weede/Bernaige liefen die Besitzungen auf Frederik de Marselaer zu , indem er besagte Margriete van Borainage ehelichte und in seiner Person Besitz + Geist als familiären Zenit vereinte . Stammwurzel dieses Aufstiegs war die Herrschaft Opdorp, heute eingemeindet nach Buggenhout, dessen nunmehriges Doppelwappen linksseits das frühere Opdorp’sche, sprich Marselaer’sche, zeigt. Als Freiherrlichkeit hatte es Gwijde van Dampierre, Graf von Flandern, im 13. Jhdt. Willem van Grimbergen für geleistete Dienste geschenkt. Durch Heirat mit Elisabeth van Grimbergen kam es an Geeraerd van Marselaer, in dessen Familie es denn für Jahrhunderte verblieb. Adriaen van M. errichtete 1435 die dortige Kapelle, an deren Stelle dreihundert Jahre später eine Kirche errichtet wurde – mit tatkräftiger Unterstützung der Ursulinerin Maria Therese van M., Tochter obigen Frederik’s Jozef Ignatius, und deren Erbe Jan Willem d’Alvarado y Bracomonte, Burggraf von Lippelo und Herr von Opdorp. Dazwischen, 1641, schrieb Anton Sanderius in seiner Flandria Illustrata „Dit dorp pronkt met een fraai Kasteeel, of Palais, ’t welt de Heeren van Marselaer gebouwd hebben“ (Abbildung dortselbst). Die für sehr gut möglich gehaltene Provenienz-Zuschreibung anstehenden Exemplars an Frederik de Marselaer bzw. den Enkel Frederik Jozef Ignatius auch insofern nicht als unschlüssig erachtet, als sich die gesicherte Mazzuchelli-Provenienz zeitlich praktisch nahtlos an das Erlöschen der Marselaers im Mannesstamme anschließt, wofür nach aktuellen, wenngleich nicht ganz widerspruchsfreien, genealogischen Unterlagen zur Familie die Jahre um 1720 anzusetzen sind. Ob verwandtschaftliche Beziehungen zu den Mazzuchellis bestanden, ist hier unbekannt. Immerhin ergaben sich solche zur politisch gleichwohl nach Brüssel verzweigten spanischen Familie der Arrazola de Oñate durch Verehelichung zweier Frederik-Töchter, Margriete Frederika Hieronyme (1620-1695, bei Weiterversippung in die unterschiedlich lokalisierbare Familie della Faille, de La Faille) + Johanna Angelica (1623 – 18. 12. 1656, welch letzteres Datum für die anstehende handschriftliche Datierung „1656“ – auf unterer Bildkante 8 cm linksseits des Marselaer-Wappens – weniger heranziehbar erscheint). Mazzuchelli-Möglichkeiten geben per Verheiratung ansonsten noch eine Enkelin Frederik’s sowie je ein Sohn (dessen Frau indes bereits nur 22jährig verstarb) + Tochter eben gedachten Enkels Frederik Jozef Ignatius als Urenkel. Wie kostbar auch Conte Giovanni Maria Mazzuchelli hiesiger St. Hubertus auf jeden Fall war belegt seine besagte rückseitige 5fache ( sic! ) Stempelung „Con. Gio. Mazzuchelli“ unter der Grafenkrone. Mit 21 Titeln bei Jöcher vertreten, zählt er „zu jener Brescianer Patricierfamilie, deren Name auf dem Gebiete der italienischen Litteratur durch mehrere Mitglieder bestens vertreten ist“ (ADB XXI, 150 gelegentlich des späteren Alois Graf von M.). Die das Wunder viel treuer als Dürer verdeutlichende Scenerie – diesbezüglich bei Dürer die jüngste Forschung auf italienische Vorbilder erkennt – als Ausfluß eines ganz anderen Selbstverständnisses, wurzelnd eben in dessen natülichem und damit, vor allem, auch geistigem Ambiente. Denn während selbstentlarvend bei dem „selbstbewußte(n), selbstherrliche(n)“, auf Madrider Selbstporträt gar „fast provozierend herausgeputzt(en)“ Dürer (1501; vorgenannte Zitate von Eduard Beaucamp bzw. Henning Ritter in FAZ vom 4. 12. 02 bzw. Herbst 03) der bemützte (sic!) Jäger linksseits des Pferdes kniet, das somit optisch zwischen diesem und dem Hirsch steht, so bei Bruyn vor dem im linken Bildfeld angesiedelten Pferd. Und zwar, auf kleiner Lichtung, in denkbar größter Nähe zu dem Zehnender. Und während Dürer’s Ritter den Rücken analog betont durchdrückt, welches mit hochgelegener stolzer Burg kommunizierendem Selbstbewußtsein auch von glattem Gesicht (nach Winkler, Seite 97, übrigens die Gesichtszüge Kaiser Maximilians!) und gesellschaftlicher Willkommensheißung der Hände untermalt wird, kniet er bei Bruyn geschehensangemessen leicht vorgebeugt, mit Gesicht und den nach unten ausgebreiteten Armen das Wunder dieses Augenblickes miterlebbar machend . Und ehrfurchtsvoll vor sich abgelegt die standesgemäße Kopfbedeckung. Sinnvoll auch die Hinzufügung der Schwäne, der Schlange, des Hubertus-Hundes. Die reiche Landschaft Natur pur. Entsprechend denn Wurzbach I, 217 f.:
Letztere in der Art van Leyden’s, „dessen Formen er sich so zu eigen machte, daß man viele seiner Originalstiche für Blätter nach Zeichnungen (desselben) zu halten versucht ist“ (Wurzbach, 1906). Und Thieme-Becker V, 1911, 160:
Neben solch schlecht zu verwahrenden Übergrößen, auch genereller Verschleißanfälligkeit als Thesenblätter, mag letzteres denn auch mit ein Grund für die Seltenheit dieser Arbeiten sein, denen Nagler wie Wurzbach ein Manko an Hell-Dunkel vorhalten. Was zumindest von dem hier anstehenden Abzug des Hubertus mitnichten gestützt wird. Die von dem von Bruyn wiederholt nachgestochenen Gillis van Coninxloo III (Antwerpen 1544 – Amsterdam 1607) herkommende Landschaft von in die Tiefe führendem differenzierenden Hell-Dunkel, wie nach Bachmann (gelegentlich des Frühwerks van der Neer’s - „der Wald selbst, das Waldinnere“ – , Oud Holland LXXXIX, 1975, S. 214/II, Abs. 2) erst für den späten Coninxloo so typisch. Dies von ganz erheblichem Interesse, als Plietzsch hervorhebt, die Stecher nach Coninxloo mit de Bruyn an der Spitze hätten nur die „Landschaften aus seiner ersten Periode oder aus der Zeit des Überganges zur zweiten“ wiedergegeben (a. a. O., S. 27). Somit ist ganz offensichtlich schon vor hundert Jahren auch Plietzsch de Bruyn’s Hubertus unbekannt geblieben . Denn wenn auch als eigenständig keineswegs gedachten Nachstichen nach Coninxloo zuzuordnen, so ruft de Bruyn gleichwohl landschaftlich wie letztlich thematisch Coninxloo’s revolutionäres 1598er Spätwerk „Waldlandschaft mit Jägern“ in Vaduz (Plietzsch 14; „… while Coninxloo [as the greatest harbinger of seventeenth-century Dutch forest painting] was painting his revolutionary forest landscapes in Amsterdam“, Stechow) auf ersten Blick hin in Erinnerung und zeigt de Bruyn künstlerisch auf der Höhe der Zeit. Denn diese „erstaunliche“ (Stechow), „höchst belangreiche“ (Devisscher, der gleichwohl an Stelle Coninxloo’s eher Paul Bril sieht) Coninxloo‘sche Waldlandschaft galt der alten Literatur zusammen mit der 1595er Waldlandschaft Ertz 16 des älteren Jan Brueghel in Mailand als Vorbild einer neuen, nunmehr natürlichen Waldlandschaft schlechthin. Und noch Stechow resümierte 1968 nach verschiedenseitiger Abwägung „But even this is relegated to a minor position when compared with Coninxloo’s amazing Forest of 1598 in the Liechtenstein Gallery“ (a. a. O., S. 66). Daß de Bruyn dabei, rückwärtsgewandt, Coninxloo’s bewußt und folgerichtig kleinfigurig und damit marginal gesetzte Jäger + Hirsche zum Thema selbst erhebt und zu höchster Weihe dazu umwidmet, sollte nicht als Ironie mißverstanden werden. Sein Anliegen war ein anderes, so er denn auch beziehungsreich die bei Coninxloo einen sumpfigen Weiher zur Linken belebenden Störche als mythologisch weniger gewichtig durch Schwäne als den Vögeln der Weissagung ersetzt und deren Pool hinter den Hirsch an den rechten Rand plaziert. Aber das Ambiente für seine Darbietung sollte schon dernier cri sein. Womit ihm in der Tat zweifellos ein großer Wurf gelang. Denn noch dreihundert Jahre später findet sich sein landschaftliches Vorbild generell beigezogen in der Verdeutlichung dessen historischen Verdiensts:
(Zoege von Manteuffel in Thieme-Becker VII [1912], 302 ff., wie als generell unverändert gültig auch noch von Ertz in AKL XX [1998], 522 ff. übernommen). Auch unter diesem Coninxloo’schen Landschafts-Aspekt ist Bruyn’s Hubertus von ganz wesentlichem Belegwert und könnten ihn Nagler („keine Idee vom Helldunkel“) und Wurzbach („alles wie in gleichmäßiger Beleuchtung gehalten“) diesbezüglich mißverstanden haben. So gibt de Bruyn mittels Motivbehandlung und aktuellster heimischer Waldlandschaft seinem Hubertus gegenteilig zu Dürer denn die Authentizität schlechthin. Nämlich in jeglicher Hinsicht das heimische Umfeld des Heiligen ! („Für seine ab ca. 1603 entstandenen Bll. eigener Erfindung übernimmt B. wesentl. Merkmale der fläm. Wald- und Panoramalandschaft, legt aber den Hauptakzent auf die Bilderzählung“, AKL, a. a. O.) Und dem einzigartigen Geschehen mit 70 x 46 cm ( sic! ) das ihm angemessene Format dazu. Damit aber mit dem einen wie dem anderen seinesgleichen suchend. Um mit der Marselaer-Dedikation + Rubens-Nähe jegliches Feld endgültig und weit abgeschlagen hinter sich zu lassen . Erstmals präsent hier denn mit dem ganzen Anspruch seiner überragenden Seltenheit, auch mit den Spuren seiner Jahrhunderte, gewiß, doch gesamthaft als ein wundervolles Blatt . Zur heutigen Hubertus-Bedeutung siehe Heinz Brüll per Unterkapitel „Die Bedeutung der Hubertuslegende“ (Lindner-Festgabe „Et Multum et Multa“, 1971, SS. 19 f.), E. Ueckermann, St. Hubertus – Legende und Wirklichkeit (unsere Jagd 11/96, SS. 26 f., hirschbezogen übrigens mit dem Hinweis „zumeist mit einem Geweih von acht Enden“, bei Bruyn und Dürer sind es zehn) sowie Peter Bußmann + Georg Haasis in „Die Pirsch“ 23/96, SS. 108-111.
Glanz , Erlebnis + Freude Die Hubertus/Diana-Gruppe
(Mr. D. R.-H., January 26, 2005) |