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lüder h. niemeyer

- seit 1959 -

 

Die  Folge , die  den  Puls  beschleunigt

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die vier Jahreszeiten des Jägers. 4 Blatt. Radierungen mit Kupferstich im Oval unter Ausschraffierung der Ecken von Martin Elias Ridinger (1730 Augsburg 1780). Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inv. del. et exc. Aug. Vind. / Mart. Elias Ridinger sculps. (Bl. 3: sculpsit), ansonsten mit Blattitel + Vierzeilern in dt.-latein. Paralleltext. 37,3-37,5 x 27,5 cm.

Thienemann + Schwarz 109-112; Weigel 16545

( „ alte  jetzt  nur  selten  vorkommende  Abdrücke “, 1847 ! )

+ XXVIII, Ridinger, 11 A; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 1794 („Ohne Plattenrand“, sonst nur per 1795 in „neueren Abdrücken“, 1885); Slg. Coppenrath II, 1459 („Schöne Folge, selten“, 1889); Slg. Reich auf Biehla 19 („Neuere Abdrücke“!, 1894); Helbing XXXIV, 251; Schwerdt III, 136 („An attractive set“); Rosenthal 126, 26 (nur Bl. 4); Katalog Darmstadt, 1999, V.7 (nur Bl. 1, mit Abb.). – Nicht bei Nagler (1843), in Slg. Schoeller (1921) + Katalog Kielce (1997).

DIE  HERRLICHE , FIGURENREICHE  SUITE

in  adäquat  vollkommenem  Exemplar

leuchtenden  Hell-Dunkels

„ Von  seltener  Schönheit  und  Gleichmässigkeit “

wie das zitierte vor hundert Jahren bei Helbing. Mit einer Blattgröße von 50,7 x 35 cm (Schwerdt: 53,7 x 36 cm). – Bll. 1 + 3 mit typograph. Wz. – Die technischen Löchlein im oberen weißen Außenrand geschlossen.

„ Monats- und Jahreszeitenfolgen waren seit dem 16. Jahrhundert üblich. Auch die Verbindung von Jahreszeiten mit den Lebensaltern gab es seit dieser Zeit. Normalerweise werden Frühling, Sommer und Herbst als aufsteigende Entwicklung – von der Knospe zur Reife – dargestellt, der Winter hingegen als eine Zeit des Niederganges. Bei Lebensalterdarstellungen entspricht dem Winter ein Greis. In seiner Folge der Jahreszeiten des Jägers dagegen deutet Ridinger den für die Jagd ertragreichen Winter durch die Wahl der zugehörigen Texte um:

Während der Jäger im Frühling ‚munter und fleißig‘ , im Sommer ‚aufmerksam und entschlossen‘ und im Herbst ‚beherzt und tapfer‘ ist, kommen dem Jäger im Winter die Attribute

‚ ausdauernd  und  verwegen ‘

zu. Auf diese Besonderheit hat kürzlich in einem Vortrag L. H. Niemeyer hingewiesen “

(Dr. Morét in Katalog Darmstadt).

Johann Elias Ridinger, Der Jäger im Winter

Entsprechend die winterliche Strecke! Und Bär, Wolf, Luchs und wildes Schwein, voll Zorn laut wütet tobt

„ ists  seiner  Kühnheit  Freude “.

Der dem Leben den Rücken kehrende oude man von einst hier nun in der Fülle seines Jagens. Als ein Sinnbild ungebrochener Aktivität, Ausdauer und Verwegenheit. Die lustvolle Kühnheit als Zenit, als die Quintessenz dessen, was sich erst aus Können und Erfahrung eines reichen, hier Jäger-Lebens ergibt.

Bekannt von Blatt III eine von der Literatur als „Returning from the Boar Hunt“ geführte etwa formatgleiche und seitenrichtige Kopie, doch ohne den Untertext, aus der Frühzeit des Holzstichs von Alexander Anderson (NYC 1775 – Jersey City/N 1870, „Vater des Holzstichs in Amerika“, AKL II, 853 f.). Siehe Jane R. Pomeroy, Alexander Anderson / Wood Engraver and Illustrator / An annotated Biography, 3 Bde., 2005, Nr. 587 nebst Abb. („masterly, probably ca. 1820 or before“ mit unkorrekt „Ridinger pinx“).

Mit Abständen von 13 bzw. 14 Jahren liegt die Folge apart nunmehr zum dritten Male hier auf. Bei welcher Gelegenheit angesichts deren Kupferübertragung seitens Johann Elias’ Ältesten, Martin Elias, angemerkt sei, daß dessen Bedeutung für das Ridinger-Œuvre nicht allein nach hiesigen Erkenntnissen sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden oder postum erschienen. Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet und die Qualität anstehender Folge auch von deren technischer Seite her unterstreicht.
Angebots-Nr. 14.657  /  Preis auf Anfrage

 


 

“ Thank you very much for your prompt and very cooperative handling of this order. I very much look forward to seeing the map ”

(Mr. D. R.-H., January 26, 2005)