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Dramatische Szenerie – knisternde AtmosphäreSchönstes vom Schönenunter den Ridinger’schen Handzeichnungen
Der Meister läßt die Immen los !Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Selbst-Geschoß auf einen Bähren. Der hochgestreckt in angespannter Erwartung nach dem von zahllosen Bienen umschwirrten Honigtopf, aus dem der goldene Saft reichlich fließt, greifende und schleckende Bär im Augenblick der von zwei Seiten sich lösenden Schüsse. Der mit zwei Seilen verbundene Köder ist am Querbalken eines in starker Verpalisadierung aufgerichteten Gerüstes angebracht. Lavierte Tuschpinsel- und Bister-Federzeichnung über etwas Bleistift. 213 x 345 mm. Auf dünnem Bütten mit typographischem Wasserzeichen. – Rückseits an den Rändern einige Spuren früherer Montage. – Rechte Oberecke mit unauffälliger winziger Restaurierung, ein 2 cm tiefer Randeinriß hinterlegt, sonst von unversehrter Frische.
Die voll durchgeführte Ursprungszeichnung vor deren zwecks Plattenübertragung seitenverkehrter Umzeichnung für Blatt 8 – Th. + Schwarz 76; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, V.11 nebst Abb. – der 1750 erschienenen Radier-Folge (in Mischtechnik mit Kupferstich) der „Fangarten der wilden Thiere“. Und solchermaßen ein ganz herausragend elitäres Sammlungsstück . Denn Thienemann (1856, Seite 274, c) waren aus dieser von Ridinger nach dem Leben gezeichneten und bis auf acht auch selbst ins Kupfer übertragenen, „schöne und merkwürdige Blätter [enthaltenden] … höchst interessanten“ (Nagler 1843) 30blätt. Folge nur 3 in Weigel’schem Besitz befindliche andere Vorzeichnungen bekannt, darunter eine großformatigere Variante zu hiesiger, die gegenüber dem Kupfer indes „ganz verschieden in der Ausführung“ ist. Bekannt ferner neben anstehender und einer weiteren hier noch verfügbaren (Schlagbaum vor einen Luchs zu Th. 82) sieben weitere, von denen vier hier bereits jeweils paarweise in international glanzvolle Privat- und importante deutsche Ridinger-Sammlung weitergereicht werden konnten. Dieser qualitätvolle 9blätterige Fangarten-Block, davon 7 oder 8 im Stichsinn, entstammt der „Gruppe der Malerischen“ jener hochkarätigen westfälischen Sammlung, mit deren über ein Jahrzehnt hinweg währender Auflösung neben u. a. Skizzen und Probedrucken auch eine Reihe ganz außerordentlicher zeichnerischer Unikate auf den Markt zurückfand, deren ungemeiner Reiz von ihrer Lavierung bestimmt wird. Deren Technik der Meister die ganze Fülle malerischer Lichtwirkung und Kontrastierung abzugewinnen verstand. Anstehende des Bienen-Bären-Dramas denn auch als ausgearbeitete Arbeit in Verbindung mit einer Graphik auch innerhalb des Ridinger-Œuvre heute von größter Seltenheit.
(Mr. L. A. F., November 5, 2003) |