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1704 – 2004Zum 300. Jahrestag der Schlachtvon Höchstedt / BlindheimDer große MarlboroughRugendas, Georg Philipp I (1666 Augsburg 1742). Serenissimus Princeps, Iohannes, S. R. I. Princeps Mindelheimensis, Dux et Comes de Marlborough, Marchio de Blanfort, Baro de Churchille, de Aymond et Sandridge, Ordinis Periscelidis, etc. John Churchill Herzog von Marlborough (1650-1722) als, mit Prinz Eugen, dem Sieger des 13. August , der „dem spanischen Erbfolgekrieg eine entscheidende Wendung gab“. Hier mit Marschallstab in der ausgestreckten Rechten und Degen zur Linken auf Schimmel in karger Landschaft nach links sprengend. Links seitlich im Mittelgrund kleine Staffage fechtender Reiter, noch weiter zurückgesetzt Bauwerk. Schabkunstblatt. (1713/14.) Bezeichnet: Georg Philipp Rugendas inv. et fec. Aug. V., ansonsten wie vor. 46,9 x 36,2 cm. Teuscher 58; Stillfried 282; Nagler 10. – Lavierte gleichseitige Federzeichnung, 428 x 370 mm, in der Witt Collection der Courtauld Institute Galleries in London. Qualifiziert durch Vorbesitz der auf Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehenden Portrait-Sammlung von Vater + Sohn von Roemer, die 1871 auf das heutige Museum der Bildenden Künste Leipzig überging und von diesem 1924 offenbar als Ganzes (nicht nur in Doubletten, wie Lugt vermerkt; siehe Versteigerung Boerner 142) veräußert wurde. Recto unten rechts dessen Bestandsstempel „Staedtisches Museum zu Leipzig“ (Lugt 1669e), verso der Ausscheidungsstempel „Abgegeben v. Museum d. b. K. Leipzig“ (L. 1669f). Knapp bis an Plattenkante, stellenweise auf dieser selbst und rechts 3,5 cm auf Bildkante geschnitten. – Alt auf Bütten montiert, dessen Ränder recto rahmenmäßig mit blau-grauem Papier kaschiert sind. Das Bild selbst dann mit schwarzer Einfassungslinie paspeliert. Sehr schöner, nuancenreicher Druck von leuchtendem Hell-Dunkel und adäquater Erhaltung zur complett literaturmäßig nicht mehr belegbaren großen Folge der Fürsten zu Pferde
auf galoppierenden Schimmeln mit dem Marschallstab in der Rechten vom großen Rugendas selbst, für die Andrea Teuscher per Nr. 56 „ca. 8 Bll.“ angibt, gleichwohl nur sechs beschreiben kann (53-58). Denn das von ihr unter 59 als „zusätzliches Blatt“ geführte ist weder stilistisch, noch format- und unterschriftmäßig zugehörig, wäre zudem auch eine Wiederholung des Eugen-Portraits 55. Insofern folgt sie Stillfried’s Irrtum, der es in Unkenntnis des auch Nagler unbekannt gebliebenen tatsächlichen per 281 in die Folge einbezog. Auch ihr Literatur-Beizug Boerner ist unzutreffend, da gleichfalls 55 betreffend und St. 281 (T. 59) als Nachstich ansehend. Siehe zu all dem hiesige Nr. 14.364. Tatsächlich auch dürfte die Folge sechsblättrig mit T. 53-58 complett sein, wie sie denn auch – offensichtlich als einziges Exemplar! – auf besagter Boerner-Versteigerung „Kupferstichsammlung von alten Meistern des XV.-XVIII. Jahrhunderts“ unter Pos. 1670 wie folgt figurierte : „ Die schönen , großen Reiterporträts in prachtvollen , gleichmäßigen , frischen Abdrucken … Sämtlich auf blauem Karton altmontiert . “ Ergo das zwischenzeitlich nunmehr vereinzelte von Roemer’sche Exemplar des Leipziger Museums, dem die hiesigen Positionen 14.363 + 14.364, T. 55 + 58, angehörten. Womit hier derzeit kein vollständiges Exemplar literaturbekannt ist . Denn dessen Nachweis bei Teuscher ist an Hand hiesigen obigen Nachtrags nunmehr gestückelt. Und den dort des weiteren beigezogenen Exemplaren in Coburg + Dresden fehlt jeweils das hier anstehende des Herzogs von Marlborough (T. 58), zeitweisen Fürsten von Mindelheim. Jeweils fünf auch nur beschrieb als Einzelblätter Nagler und besaß Graf Stillfried. Beide nennen statt des richtigen Eugen nur dessen Nachstich (N. 8). So dürfte es sich um ein und dasselbe Exemplar handeln, das Nagler als Antiquar seinem gräflichen Kunden überließ. In Augsburg übrigens mit T. 54 nur ein einziges Blatt der Folge! Daß diese um Nagler 7 „Carl XII. zu Pferde mit dem Degen in der Hand, wie er die Feinde vor sich hintreibt, eines der Hauptblätter des Meisters“ als Teuscher unbekannt geblieben zu ergänzen wäre, erscheint stilistisch unwahrscheinlich, obgleich, analog zu T. 53-58 (nicht aber zu T. 59!), von Nagler gleichfalls als „gr. fol.“ bezeichnet. Denn keines der sechs gesicherten Folgen-Blätter zeigt die Feldherren in Feindberührung, wie für Carl XII. als deren Zeitgenossen erwähnt. Letzteres denn übrigens auch als einziges dieser großen Fürsten-Blätter innerhalb der etwa 27.600 Positionen der Abt. I-XXVIII des Weigel’schen Kunstlager-Catalogs (1838/57). Nicht eines betreffend T. 53-58! Deren, und damit auch des hier anstehenden, Seltenheit somit einfach superb ! Und das nicht allein besonderer Umstände halber am Markt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn am Beispiel Ridinger’s 1856 Thienemann : „ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr … Nicht einmal dort denn aber des älteren Georg Philipp’s große Folge der „Fürsten zu Pferde“ als Ganzes, der später sein gleichnamiger Sohn eine mit 34 x 22 cm sichtbar kleinformatigere eigene folgen ließ, von der Teuscher fünf Blatt bekannt sind (429-433), mit denen T. 59 aber gleichfalls nicht harmoniert. Für die Entstehungszeit der väterlichen großen sieht T. 53 als terminus post quem 1713, als erst in jenem Jahre dessen Friedrich Wilhelm (I.) als König in Preußen nachfolgte. Da andererseits anstehender Marlborough noch als Princeps Mindelheimensis figuriert, wie 1714 hinfällig geworden, darf die Entstehung zeitlich entsprechend eng begrenzt gesehen werden. Während Nagler (1845) in Rugendas keinen „grosse(n) Meister in Mezzotinto“ sieht, dessen „Compositionen aber voll Leben und immer mit Geist entworfen“ seien – deren Erstzustände sein „inv. et fec.“, wie anstehend (spätere Adressen diesbezüglich hier nicht bekannt) oder die Adresse Jeremias Wolff’s trügen – , betont Gode Krämer (1998) seine „ von ihm meisterhaft beherrschte Technik der Schabkunst “ und qualifiziert ihn als „ein(en) so vorzügliche(n) Radierer und Schabkünstler“, der „sich für Augsburg früh die Schabkunsttechnik zu eigen machte und mit der Verbindung der Schabkunst- und der Radiertechnik durch die Umrißradierung eine neue Variante einführte“ (in Björn R. Kommer, Hrsg., Rugendas / Eine Künstlerfamilie in Wandel und Tradition / Katalog zur Ausstellung 1998, SS. 8 f.). Die Thematik anstehenden Blattes aber gilt keinem Geringeren als dem „berühmte(n) brit. Feldherr(n) und Staatsmann dem großen Verbündeten Prinz Eugen’s – „ der ihn auch zum Büchersammeln bekehrte . gegen Frankreich, den der Kaiser 1706 nach Inachterklärung des bayerischen Kurfürsten mit dessen gleichzeitig gefürsteten Herrschaft Mindelheim belehnte, die er gleichwohl 1714 im Frieden zu Rastatt (nicht bereits 1713 im nur zwischen den Verbündeten und Frankreich geschlossenen Utrechter) entschädigungslos wieder verlor.
(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XI, 263 ff. und, zu Mindelheim, 644). Letztere denn spielte auch in Eugène Scribe’s (1791-1861) „Das Glas Wasser“ eine zentrale Hintergrundrolle, unvergessen durch die Käutner-Verfilmung mit Gründgens + Hilde Krahl (Lady Churchill) als Gegenspieler in den Hauptrollen. Hier gleichwohl, untadelig, als einer von Rugendas’ erlauchten sechs „ Fürsten zu Pferde “ , als ein Reiter-Portrait, dessen monumentale Brillanz bestätigt, wonach der ältere Georg Philipp Rugendas „ohne Zweifel ein Talent ersten Ranges (war), um nicht zu sagen, ein Genie. Zweifellos, unter bessere Verhältnisse gesetzt, etwa in den Niederlanden um 1650 lebend, ein Künstler geworden sei, der seine sämmtlichen Pferde- und Schlachtenconcurrenten überflügelt hätte “ (Wilhelm Schmidt 1889 in der ADB, XXIX, 600). Siehe auch das Pendant „Prinz Eugen von Savoyen“
(Mr. J. R. L., January 6, 2006) |