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Ridinger, Weißer Dachs

Begrüßungsarbeit

zum  1763er  Friedensschluß  auf  Hubertusburg

vor  nunmehr  255  Jahren

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Diser sehr rare weiße Dachs, welcher mit gelb röthlichten und dunckel castanien flecken gespringet war, ist Ao. 1724. den 5. 9bris im Parck bey St. Hubertusburg (bei Leipzig) ausgegraben und behäzt worden. Auf einem Paßweg zukunftsgewiß nach rechts, sich in der Sonne aalend. Dahinter Felsen und Wald, vorne krautbewachsene niedere Felsen. Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). (1763.) Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inv. del. et exc. Aug. Vind. / Mart. El. Ridinger sculpsit., ansonsten wie vor. 35,4 x 26,3 cm.

Thienemann + Schwarz 316; Slg. Reich auf Biehla 71; schriften der ridinger handlung niemeyer 20, Nr. 54 nebst Abb. – Fehlte der schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885). – Blatt 74 der erst postum abgeschlossenen Folge der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere, zugleich das erste vom Sohn Martin Elias ausgeführte derselben, der damit die um 1756 einsetzende väterliche Projektmüdigkeit überwand. Denn nur vier noch von Johann Elias selbst radierte Blätter, Th. 312-315, kamen während des 7jährigen Krieges heraus. Und von den mit 1763 wieder zügig einsetzenden restlichen 27 gehen nur noch sechs der Kupferarbeiten auf diesen selbst. Die solchermaßen mit dem

Hubertusburger  „Friedens“-Dachs

für das Ĺ’uvre gegebene Zäsur liegt auf der Hand. Die ihm nachfolgenden und gleichfalls von Martin Elias radierten Blätter betreffen Ereignisse aus 1763 und erlauben somit die zeitlich generelle Einordnung auch des hiesigen.

Doch analog zu den durch Datierung (1744) und textliche Aktualisierung („Keyserliche“ Lustschlösser) historisch gesichert als „Begrüßungsarbeiten“ zur 1744er Rückkehr des Wittelsbacher Kurfürsten Karl Albert als römisch-deutscher Kaiser Karl VII. nach München ausgewiesenen Arbeiten Th. 274 f. darf, gestützt auf ihr belegtes enges zeitliches Ohnehin-Umfeld und somit unbeschadet ihrer Nichtdatierung, auch die hiesige Arbeit des Hubertusburger Dachsen als

jenem  Friedensschlusse  dortselbst  vor  255  Jahren  gewidmet

gewertet werden. – Die Zeichnung des Hubertusburger Dachsen, weiß gehöhte schwarze Kreide auf bläulichem Papier, im Ridinger-Appendix des 1869er Weigel-Katalogs der nachgelassenen Handzeichnungen unter Position 380.

Prachtvoller, kontrastreicher Abdruck von warmer Tonigkeit auf festem Bütten mit von früherer Rahmung herrührender rückseitiger Randhinterlegung und damit korrespondierendem bildseitigen Lichtstreifen im 2,8-5,1 cm breiten weißen Rand. Kleiner hinterlegter Einriß unten links.

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