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Johann Elias Ridinger, Hippokrene

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Hippokrene. Die Roß- oder Musen-Quelle am Parnaß oder Helikon als domartig aufschießende Fontaine. Mit Quell-Architektonik, hier bewachsenem Grottenbogen, dominiert vom Quell- und Musenroß Pegasos und bevölkert von den neun Musen als den Pflegerinnen der Quelle sowie Flußgöttern als gleichfalls obligatorischem Quellen-Attribut. Radierung + Kupferstich. Vor ca. 1746. 34,9 x 28,7 cm.

Kunstsammlungen Augsburg, Ausstellungskatalog KUNSTREICH – Erwerbungen 1990-2000, 2001, Nr. 101 mit blgr. Gesamt- + 4 Detail-Abbildungen.

Einer der sechs römisch von I/VI numerierten Vorzugs-Abdrucke in Rötlich-Schwarz auf schwerem Bütten. Daneben existieren zehn arabisch von 1/10 numerierte Ordinär-Abzüge in warmem Schwarz auf ebensolchem bzw. getöntem Hahnemühle sowie einige Épreuves d’Éditeur von der ungereinigten Platte in auch zusätzlichen Farben und auf weiteren Papieren, sämtlichs mit der hs. Signatur des ridinger händlers lüder h. niemeyer nebst dem Datum des 16. 2. 1998 als dem 300. Geburtstag des Meister’s, sowie zwei dem Drucker verbliebene ohne diese Unterschriften. Mit Ausnahme der letzteren beiden alle zudem rückseits mit ausführlichem Editions-Stempel.

Unbeschriebene , vom Meister offensichtlich verworfene Komposition , die bei Reinigungsarbeiten auf der Rückseite der originalen Druck-Platte zum „Abend der Hirsche“, Th. 240, aus der um 1746 geschaffenen Folge deren „Vier Tageszeiten“ freigelegt wurde und thematisch der von Thienemann (878-881) „mythologische Pyramiden“ genannten Gruppe der „Fontainen“ als autonom lediglich nahesteht.

Mythologischer Hintergrund der hier interessierenden Zeit ist jener, als Pegasos „den beim Gesang der Musen vor Entzücken himmelwärts strebenden Helikon durch einen Hufschlag zur Ruhe brachte und zugleich damit die begeisternde Musenquelle Hippokrene hervorschlug“ (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XII, 804, Pegasos/Quellroß).

Unmittelbar zur einen Seite des Rosses die als selbständige gar nicht vorgesehene Muse der Malerei mit Malerstock und Palette nebst Pinseln in der Linken und mit der Rechten eine bodenhohe Tafel an sich drückend, indes die andere Thalia als später generelle Beschützerin des Theaters – hier mit der komischen Maske, doch in der erhobenen Rechten – besetzt. Was gedanklich zu Hogarth’ späterem letzten, beider Inhalte vereinigendem Selbstbildnis als Maler mit Palette + Pinsel vor der Leinwand führt, „auf die er die Verkörperung seiner künstlerischen Inspirationen, die komische Muse mit der Maske malt“ (Hogarth-Katalog Zürich, 1983, S. 18 nebst Abbildungen SS. 17 + 135, das Öl auf ca. 1757 datierend, dem am 29. März 1758 die Kupferarbeit folgte).

Auf gleicher Ebene außen die das Horoskop stellende Aphrodite und Clio als Verkünderin der Historie. Nach zwei von Putten gehaltenen Vögeln als Wasserspeier – zwei reptilienartige dann ganz unten – folgen die fünf weiteren teilweise die Füße badenden Musen. Bei den beiden vorn rechts mag es sich um die namentlich der erotischen Poesie verbundene Erato, hier ohne Attribute nur stehend und aufgestützt, und die für Tanzkunst + Chorgesang zuständige Terpsichore handeln, dann aber nur mit dem Plektron. Von den beiden links angesiedelten die eine mit Meßstab. Dazwischen auf dem Wasser Flußgötter-Gruppe.

Geschaffen von einem der größten naturnahen Künstler in schöner Nähe zu Antoine Watteau’s miteinander korrespondierenden zeichnerischen „Dianen-Tempel“ + „Die Laube“, beide etwa 1714 und von Gabriel Huquier für den Zeichnungsteil (1726) des Recueil Jullienne gestochen. Wobei die unterschiedliche Seitengestaltung des Dianen-Tempels Huquier zur Fertigung zweier gesonderter Radierungen nach diesem einluden: dem Dianen- und dem Neptun-Tempel (Nagler, Huquier 41 f.). Wie denn Wasserspiele auch bei der „Laube“ präsent sind, deren zwei kleine Wasserschütter Ridinger in besagten von Putten gehaltenen wasserspeienden Vögeln zitiert.

Ridinger’s Hippokrene unterstelltermaßen hier erstmals – und in nur weltweit elitär kleiner Auflage – aufgelegt. – Zwecks Formatangleichs an die übrigen drei Platten der Folge der Vier Tageszeiten der Hirsche könnte die hiesige Rückseitenarbeit in ihrer Komposition marginal etwas verkürzt worden sein. Deren Drucklegung erfolgte im übrigen unter aller gebotenen Rücksichtnahme auf die umseitige Hirsch-Szenerie. Eine Handhabung, die umgekehrten Falles zwangsläufig für entbehrlich gehalten worden sein dürfte, sodaß die Hippokrene-Seite nicht mehr als absolut jungfräulich anzusprechen war. Gleichwohl auch an der Wand von sehr reizvoller Optik.

Angebots-Nr. 13.279 / Preis auf Anfrage

– – – – Dasselbe in einem der zehn arabisch numerierten Exemplare in Schwarz.

Angebots-Nr. 13.280 / Preis auf Anfrage