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Johann Elias Ridinger, Alexanders des Großen erste Tigris-Überquerung

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). (Alexander M. Tigrim superat … / Alexander der Grosse sezet mit seiner Armée … über den ungeheuren Fluss Tygris … .) Alexanders tiefgestaffelte Tigris-Überquerung „ohne bedeutenden Widerstand“ (Meyers) 331 bei Bedzabde auf dem Zug zum Treffen gegen Dareios (III., letzter der Perser-Könige) mit der Entscheidungsschlacht am 1. Oktober bei Gaugamela unweit Arbela. Mitschwimmend ganz vorn unten rechts seitlich oberhalb der Ridinger-Signatur Saurüde, wie solcher schon bei der 334er „Belagerung + Eroberung von Halicarnassus“ mithetzt und „Ridinger-Hunde“ auf 1723er Alexander-Zeichnung, für beide siehe unten, gleichfalls die Signatur bewachen, während in der 1722er Reitschule zwei Saurüden die Übungen von Th. 620 beaufsichtigen. Kupferstich von Johann Balthasar Probst (1673 Augsburg 1750) bei Johann Daniel Herz I (1693 Augsburg 1754; ein „Kunstverleger mit Blick für Qualität“ [Rolf Biedermann, 1987], „[g]enannt seien besonders seine Blätter großen Formats“ [Thieme-Becker, 1923]). Frühe 1720er. Bezeichnet: XCIV (Plattenrand oben Mitte) + 3zeilig im Bildrand unten rechts: Senior Ioh. Dan. Herz excud. Aug. Vind. / Iohann Elias Riedinger (sic!) pinxit / (Iohann Balthasar Probst sculps.), ansonsten mit dem hier fehlenden Untertext. Blattgröße 47,6 x 76,8 cm.

Provenienz: Das 1843 von Nagler beschriebene Exemplar (?); Gräflich Faber-Castell,deren Ridinger-Versteigerung 1958 mit deren Lot-Nr. 66 in Rot auf dem Untersatzkarton.

Thienemann + Schwarz 918; Weigel, Kunstlager-Catalog, XXVIII/Ridinger (1857) I, 61c;; Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), 1489 ( „Selten“ ).

Nagler, Ridinger, XIII, S. 162 ( „reiche Composition“, gleichwohl irrtümlich als Uebergang über den Granicus [Schlacht dortselbst Mai 334], damit in Unkenntnis des Untertextes bis hin zum Stecher [hiesiges Exemplar?], für den er denn irrig Joh. Daniel Herz I statt Joh. Balthasar Probst angibt. Ersterer ist indes nur der Stecher des Pendant-Blattes mit der Belagerung von Halicarnassos, während er hiesige Tigris-Querung nur verlegt hat. Folgerichtig fehlt diese denn auch in Naglers Auflistung bei Probst [XII, SS. 80 f.] ); Thieme-Becker XXVIII (1934), 308-311: VII. Verschiedenes: (Zwei) Schlachten Alexanders d. Gr.

Nicht  in Schles. R.-Slg. Boerner XXXIX (1885; „von grösster Reichhaltigkeit … viele Seltenheiten) , Slg. Coppenrath (1889/90) , R.-Slg. bei Wawra (1890; neben 234 Zeichnungen 600 Graphiken) , Slg. Reich auf Biehla (1894; „Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“; 1266 Blatt – darunter das Pendant zu Obigem mit der Belagerung von Halicarnassos im wohl hiesigen Exemplar, qualifiziert als „Aeusserst selten“ – zuzgl. 470 Doubl. + 20 Zeichn.) , Schwerdt (1928/35) , R.-Liste Rosenthal (1940; 444 Nrn.). Wie denn auch hierselbst über die Jahrzehnte hinweg nun erstmals vorliegend und auch ohne Kenntnis anderweitigen Marktvorkommens.

Das kleinformatigere Gegenstück zur 334er Belagerung + Eroberung von Halicarnassos (Th. 917) im ersten Jahr des Alexanderzuges als Früharbeit Ridinger’s innerhalb seines Alexander-Zyklusses und beide herrliche Beispiele früher Reife und Vollendung wie schon verschiedentlich an Hand anderer Frühwerke konstatiert. Vor allem aber Ridinger’s Tribut an die Alexander-Verehrung seiner Zeit und als Ausdruck seiner ganz persönlichen Bewunderung entstanden bald nach seiner nicht vor 1719 anzusetzenden Rückkehr vom dreijährigen Aufenthalt bei Baron (so ADB entgegen Kilian/Thienemann: Graf) Metternich in Regensburg, als „alle Kenner … seine erlangte Geschicklichkeit und Stärke sowohl in Historien- als Tierstücken bewunderten“ (Th.), er gleichwohl noch nicht selbst in Kupfer arbeitete. So „malte (er) da anfangs für den Kunsthändler Dan. Herz (recte Jeremias Wolff, zusätzlich auch für Herz belegt erst 1732, siehe unten) verschiedene historische Darstellungen“ (Nagler), darunter als Fortsetzung/Abschluß die als politisch nicht korrekt von Wolff wie Herz offenbar nicht veröffentlicht und solchermaßen nur als Zeichnung bekannte 1723er Arbeit Alexander der Große im Herbst 326 v. Chr. am Hyphasis im Pandschab, Indien als dem Zenit seines Weltreiches und einer Wendemarke der Geschichte, mit der Ridinger bei eher noch unbewußter innerer Abkehr vom Heldenpathos der vorangegangenen beiden gestochenen Blätter und in Umschreibung der Kunsthistorie dem Alexanderzug nunmehr den Puls fühlte, um schon in den 30ern mit der Folge Kämpfe reißender Thiere – erweitert veröffentlicht erst 1760! – in Gemeinschaft mit B. H. Brockes (1680 Hamburg 1747) ein Verdikt von gnadenloser Härte folgen zu lassen.

Zweiseits mit feinem Rändchen um die Bildkante, oben mit 5 mm breiter und hier mit der von Thienemann + Schwarz nicht erwähnten Nummer, unten indes knapp auf Bildrand geschnitten unter Verlust noch der Probst-Signatur, vor allem aber des 4zeil. latein.-dt. Untertextes nach Curtius Rufus, Buch IV, Kap. 9, wie offenbar auch Nagler nicht anders bekannt gewesen bzw. vorgelegen, da ihm sonst der Irrtum Granikos/Tigris nicht unterlaufen und Probst als Stecher bekannt gewesen wäre – zu beidem siehe oben – , solchermaßen denn naheliegend, daß hiesige Faber-Castell’sche Provenienz bis auf den großen Kunst-Lexikographen Nagler (1842/43) erweiterbar sein sollte. – Knapp 9 cm langer feiner Einriß im Unterfeld links der Mitte professionell beigelegt und kaum störend, ansonsten, wie bei solch großen Formaten eigens erwähnenswert, ausgesprochen schönen Gesamtzustandes bei adäquater Druckqualität kontrastreichen Hell-Dunkels.

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