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Johann Elias Ridinger, Die Herrschaft des Todes

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). OMNIA MIHI SUBDITA. Die Herrschaft des Todes. Grabgewölbe mit Tod, von dessen Kopf, auf welchem ein mit Fledermausflügeln versehenes Stundenglas steht, rückseits und seitlich ein Schleier herabwallt, thronend über all dem Zeugs dieser Welt – für die rechts außen eine Globushälfte steht – , als da sind Gold, Gut, Siegel + Orden, Kronen, Szepter, Reichsapfel + Waffen, Folianten + Priesterkleidung, wissenschaftliche + landwirtschaftliche Instrumente und nolens volens Malerstock + Palette mit Pinseln. Die Rechte aber hält einen hohen Inschriftenstein, auf dessen besagte Schlußworte OMNIA MIHI SUBDITA die Linke mit als „Presens“ gekennzeichnetem Pfeil weist. Schabkunstblatt + Umriß-Gravur von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten. 55,7 x 42,2 cm.

Provenienz: Gräflich Faber-Castell, deren Ridinger-Versteigerung 1958 mit deren Lot-Nr. 146/2 sowie sammlungsseits in Bleistift „Rchg v. 14/3 1914“ auf dem Untersatzkarton; Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen (1922-2004).

Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1427 (ohne Erwähnung von Umriß-Gravur), hier indes als beiden unbekannter II Zustand (von II); Reich auf Biehla 296 ( „Aeusserst selten“, 1894 ! Ohne Angabe zu Zustand/Version ); Wend, Ergänzungen zu den Ĺ’uvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 290 mit Kenntnisstand von Stillfried/Schwarz; Georg Hamminger 1886 (irrtümlich als St. 1527; „Aufgezogen. Von grösster Seltenheit“, 1895 ! Dito ohne Kenntnis von Zustand/Version); Faber-Castell 146 (ohne Erkennung als abweichender Zweitzustand, im übrigen zusammen mit Schwarz 1477); Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (Explr. der SGS Mchn.).

Nicht bei Thienemann (1856) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900) , Schwerdt (1928/35) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Der  Stillfried  wie  Schwarz  unbekannt  gebliebene  Zweitzustand  der bislang unerkannt gebliebenen Erstversion dieses unglaublich fascinierenden Blattes von der oben verkürzten Platte bei gleichzeitig geänderter Signatur, beides entsprechend auch dem Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Schwarz’ Annahme, die Abweichungen seiner Stillfried unbekannt gebliebenen Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der Platte, ist unzutreffend. Es handelt sich um eine in der Inschriftaussage entscheidend umgewichtete Wiederholungsversion von eigener Platte.

Das  druck-  wie  erhaltensmäßig  sehr  schöne  Exemplar  in samtenem Braun-Schwarz bei greifbar-plastischem Hell-Dunkel und mit den für zeitgenössische Abdrucke stehenden Wz. WANGEN und separater IV bei umlaufendem Rand von 4-8 mm. Die beiden Oberecken desselben mit hinterlegter Kleinläsur infolge früherer Lösung einer alten Eckmontage auf blauem Papier. Linksseits zudem hinterlegter minimaler Randeinriß außerhalb der Plattenkante. In der linken Unterecke schwacher, nur im weißen Rand und dem Signaturfeld sichtbarer Wasserrand. Im Bilde selbst ansonsten eine kleine, nur im Gegenlicht wahrnehmbare dünne Papierstelle und eine stecknadelkopfkleine Abreibung im Gewölbehintergrund. – Extrem  selten.

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