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Johann Elias Ridinger, Originale Kupferdruckplatten

Schaustück  einer  naturkundlich  großen  Rarität

und  zusätzlich  getrüffelt

mit  einem  Vanitas-Symbol  von  Graden

bereits  in  einem  Papierabzug  denkbar  selten …

doch  hier  denn  nun  die  originale  Druckplatte !!

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Dieser Hirsch von 14 Enden, welcher noch ein End unter der Rose hat, so ein 3 Läuffer, u: welchen man 1 ganzes Jahr in dieser Figur herum lauffen sehn, ist 1748. d. 12 7brs. von Ihro Hochfürstl: Durchl: dem regierenden Herrn Land Grafen zu Hes=sen Darmstadt im Forst  windhaußen  im Kriegel Kopf bey  meiches  (bei Lauterbach, Hessen) in denen Loggen eingestellt geschoßen worden. durch wel=chen Zufall er um seinen Fuß gekom(m)en? wird wohl niemand so gleich errathen. ist es durch ein Schuß vor Zeiten geschehe(n) oder hat er ihn in einem Sprung abgebrochen. u: wie hät sich daß weesen so besonders selber geheilet u: der andere Rumpf vom Leibe getren(n)et, welcher Mensch mag sich selber so gut helfen oder curieren. / Detto zu  Geißlingen  (Steige)  Ao. 1739 d. 20. Decbr. ist dieses mit 3 Läufen abgemahlte Hirsch=Kalb, im Ziegelwald geschoßen worden, von Joh. Martin Bückle, Holz=wart zu  Ambt=stetten. so von natur also wunderbar gefallen, u: nur die Spur von einer Klauen, an der Brust zeigete. Des weiteren ein zweites Kalb mit gelähmten Vorderfüßen. In weiträumiger Parklandschaft vor einem zurückgesetzten Plateau mit Freitreppe und hoher Fontaine. Ganz vorn aber eine liegende Vase,

deren  „ untere(r)  Teil  gebrochen  ist .

Auch  sie  hat  keinen  Fuß , auf  dem  sie  stehen  kann “

(Wolfgang Weitz, Der Hirsch mit 3 Läufen aus Meiches, in Aus der Jagdgeschichte des Vogelsberges, Museum Jagdschloß Kranichstein 2006, S. 21). Kupfer-Druck-Platte im Gegensinn von Martin Elias Ridinger (1730 Augsburg 1780). Bezeichnet: M. E. Ridinger sculps. Aug. Vind., ansonsten wie vor und, zur väterlichen „Signatur“, unten. 35,7 x 26,8 cm.

Die  schon  als  Papierabzug  höchst  seltene  Arbeit

(„Als ich 1999 zusammen mit Frau Dr. Gisela Siebert [†] die Arbeit ‚Ridinger, Bilder zur Jagd in Hessen-Darmstadt‘ vorgelegt habe, sollten eigentlich alle einschlägigen Kupferstiche der Familie Ridinger behandelt werden. Es  fehlte  indessen  ein  Stich [Siebert-Weitz S. 21], nämlich derjenige, auf dem drei Stück Rotwild abgebildet sind: Ein Hirsch mit drei Läufen, ein Hirschkalb mit drei Läufen und ein weiteres Kalb … Das Blatt konnte inzwischen von mir (Anmerkung: sprich hierselbst) erworben werden. Nun kann seine Besprechung nachgeholt werden“, Weitz, a. a. O., S. 18; Fettdruck nicht im Original)

hier denn als ein non plus ultra in ihrer optisch hervorragend erhaltenen

originalen  Druck-Platte

Johann Elias Ridinger, Hirsch von 14 Enden mit 3 Läufen

im  rotgoldenen  Glanze

ihres  229-239  Jahre  alten  Kupfers 

zu Blatt XIII (Thienemann + Schwarz 356; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, V.21; Weitz, a. a. O., SS. 18 ff.; letztere zwei jeweils nebst Abbildung) der vielfach nach väterlichen Vorlagen aus vorrangig 1752/53 (so Schwarz an Hand der Zeichnungsdatierungen der Folge) und ausschließlich von Johann Elias’ Ältestem in Kupfer übertragenen (Radierung + Kupferstich) und 1779 abgeschlossenen Folge der „Besondere(n) Ereignisse und Vorfallenheiten bei der Jagd“ – „the rarest set of Ridinger’s sporting line engravings“ , Schwerdt – , in der „neben tatsächlichen ‚besonderen Vorfallenheiten‘ …

auch  Darstellungen  zoologischer  Merkwürdigkeiten

ähnlich den ‚Wundersamsten Hirschen‘ (stehen) … Durch die Hinweise auf Landgraf Ludwig VIII. in einigen der Beschriftungen ist die Folge neben (letzterer)

ein  wichtiges  Dokument

für die Zusammenarbeit der Ridinger-Werkstatt mit dem Hessisch-Darmstädter Hof“ (Stefan Morét in Katalog Darmstadt, Seite 113).

Die der Umgebung von Meiches am Vogelsberg zugeordneten

„ Flurbezeichnungen ‚Kriegel Kopf‘ und ‚Loggen‘ existieren (im übrigen) nicht. Das Katasteramt Lauterbach hat mitgeteilt, es habe vergeblich nach der Lagebezeichnung recherchiert … Man wird davon ausgehen müssen, dass Martin Elias Ridinger den Kupferstich nach Erzählungen dritter Personen angefertigt hat. Dabei sind die Flurbezeichnungen wahrscheinlich ungenau oder falsch genannt bzw. aufgefasst worden. Es gibt im südlichen Teil der Gemarkung Meiches die Flurbezeichnungen ‚Der Kirchköppel‘ [Flur 6 Nr. 53] und ‚Im Loch‘ [Flur 6 Nr. 57]. Man kann nicht ausschließen, dass Ridinger diese beiden aneinandergrenzenden Flurstücke gemeint und ihre Namen nach seinem eigenen Verständnis geschrieben hat “

(Weitz, a. a. O., S. 20).

Thematische Stütze schließlich nachfolgende Beobachtung aus neuerer Zeit :

„ Im Funtenseegebiet war ein (Gams)bock, dem der Vorderlauf fehlte. Dieser dreiläufige Bock war während einer ganzen Brunftzeit der Platzbock. In der nächsten Brunftzeit ist er überhaupt nicht gesehen worden. Aber im übernächsten Jahre stellte er sich wieder an gleichem Brunftplatz ein, und trotz seiner drei Läufe verjagte er alle stärkeren Nebenbuhler mit solcher Schärfe, daß ihm keiner den Rang als Platzbock streitig machen konnte … Man konnte sehen, wie sehr energischer Wille und Mut Körpergebrechen auszugleichen vermögen (Thoman Mann titelte einst ein Vorwort zu einer einschlägigen Publikation mit „Werft fort eure Krücken“). Im gleichen Jahre traf den heldenmütigen Bock alsdann das tödliche Geschoß “

(Hans Fuschlberger, Das Gamsbuch, Mchn. 1939, S. 123, Abs. 1 im Zitat von Hauber, Das Gamswild, ohne bibliograph. Angaben).

Darüberhinaus als analog zum Geschehen

die  gebrochene  Vase

als  von  gar  nicht  zu  überschätzender  Bedeutung

für  den  „verharmlosten  Ridinger

(so der Titel des hiesigen kunsthistorischen Beitrags auf der Festveranstaltung der TU Dresden zum 300. Ridinger-Geburtstag), der mittels dieser bildhaften Signatur den mannigfachen Vergänglichkeitssymbolen seines Œuvre über die reinrassigen Vanitates hinaus ein sich jeder Diskussion entziehendes Standbein hinzufügt und solchermaßen seine Küntlerschaft sui generis manifestiert. Siehe hierzu denn auch den hiesigen Beitrag „Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger“ zur 6. Jahrestagung der Europäischen Totentanz-Vereinigung 2000 in Bamberg (illustrierte Fassung in Uli Wunderlich [Hrsg.], L‘Art Macabre 2 – Jahrbuch der Europäischen Totentanz-Vereinigung, Düsseldorf 2001, SS. 94 ff.).

Johann Elias’ Urheberschaft anstehender Arbeit ist somit als sich aus ihr selbst ergebend gesichert und bestätigt zugleich die von Weitz aus Thienemann’s gleichwohl nur pauschaler Angabe gezogene Folgerung („Thienemann [S. 81] meint, Johann Elias Ridinger oder der Darmstädter Hofmaler Georg Adam Eger [1727-1808] seien die Zeichner [der Vorfallenheiten-Folge] gewesen. Da Eger aber nicht als Zeichner genannt ist, wird man Johann Elias Ridinger als den Lieferanten der Vorlage ansehen müssen. Immer dann, wenn Eger als Zeichner aufgetreten ist, wird er von den Ridingers als solcher genannt“, a. a. O., S. 18).

Einer der wenigen thematischen Einzelgänger der Folge, die ansonsten „fast durchgängig so eingerichtet (ist), dass immer zwei und zwei mit einander harmonieren und Seitenstücke bilden, wie sie denn auch paarweise verkauft worden sind. Sie waren früher sämmtlich mit römischen Ziffern bezeichnet. Wenn sie fehlen, so deutet dies auf spätere Abdrücke“ (Thienemann S.81). Solches betrifft namentlich sieben Blätter, die austauschweise in eine spätere Neuausgabe der „Wundersamsten“ übernommen wurden. Wie denn auch anstehende Platte, deren ursprüngliche „XIII“ in der Mitte des Oberrandes bildseits unsichtbar ausgeschliffen und durch eine „91“ oben links ersetzt ist.

Künstlerisch  wie  thematisch  ein  Ass ,

ist denn die Platte ein kostbares, hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) + Thienemann (1856, S. XXIII) hinaus nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchiertes, weltweit unikates Sammlungsstück von Graden. Denn

„ Erhaltene  originale  Druckplatten  aus  dem  18.  Jahrhundert

sind  eine  große  Seltenheit“

(Morét, a. a. O., SS. 62 ff. Siehe auch die dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 63 f.).

Und speziell zu denen Ridinger’s :

„ Vom hohen technischen und qualitativen Niveau der Werke Ridingers und seiner Söhne, die im Verlag vor allem als Stecher mitarbeiteten, künden die (nur noch sehr partiell) erhaltenen Druckplatten noch heute. “

Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in „Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars“ innerhalb „Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre“, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:

„ Die  Kupferplatten ,

die  aufgrund  ihres  Materialwertes  wie  auch  der  darin  investierten  Arbeitszeiten

eine  weit  höhere  Wertschätzung  genossen

als  etwa  eine  allzu  oft  achtlos  behandelte  Vorzeichnung … “

Wie denn auch anderwärts: „Der Nürnberger Verleger Frauenholz war so angetan von diesem Blatt, daß er die Platte  für  eine  beträchtliche  Summe  von Reinhart (1761-1847) erwarb“ (Teeuwisse III [2007], 29).

Und ganz konkret Cornelis Koeman in Atlantes Neerlandici II (1969), SS. 138 + 345:

„ (Eines  der  dramatischsten  Ereignisse  in der frühen Geschichte der kommerziellen Kartographie in Amsterdam war der Verkauf von Jodocus Hondius Jr.’s Kupfer-Platten an Willem Jansz. Blaeu 1629, dem Jahr seines Todes. Wenigstens 34 Platten, von denen Jodocus II zu eigenem Nutzen Einzelkarten gedruckt hatte, wechselten in die Hände seines großen Konkurrenten. Unmittelbar darauf veranlaßten sein Bruder Henricus und (dessen Schwager) Joannes Janssonius das Stechen identischer Platten. “

Wobei das mitgeteilte Procedere dieses Auftrags einmal mehr

die  ganze  Werthaltigkeit  von  Kupfer-Druck-Platten

dokumentiert:

die Vergabe an zwei Stecher mittels notariellen Vertrags, der die Fertigstellung von nunmehr 36 Platten binnen 18 Monaten festschrieb, gearbeitet „(akkurat und fein, ja, feiner und besser und qualitativ nicht schlechter als die an die Stecher gegebenen Karten)“. Die Auftraggeber trugen die Kosten für das Kupfer und dessen Polieren und zahlten für das Stechen selbst 100 Gulden pro Platte bei Vorauszahlung von 500 Gulden hinsichtlich zu entlohnender Arbeiter. Betreffend offenbar praxisnaher Hinzuziehung selbständiger Aushilfsstecher wurde den Auftraggebern untersagt, mit solchen namentlich genannten – insgesamt sieben, von denen zwei gleichwohl ausgenommen wurden – und etwaigen sonstigen weiteren Beschäftigten während der Laufzeit selbständige Geschäfte zu tätigen. Im Falle vorzeitigen Todes des einen, offenbar auf das Schriftstechen spezialisierten, der beiden Auftragnehmer stand es dem anderen bei Fehlen eines guten Schriftstechers frei, den Vertrag zu beenden oder allein fortzusetzen. Im Falle vorzeitigen Todes des anderen war lediglich die Lieferfrist angemessen zu verlängern.

Indem wir uns diese aufschlußreichen Details vergegenwärtigen, gewinnen die Platten zwangsläufig an zusätzlicher Intimität. Erzählend von Zwängen und Zeitnot, taten Mitspieler einen wirtschaftlich bedrohlich werden könnenden unerwarteten Schachzug, wobei Lieferfrist und ins Auge gefaßte Anzahl der Stecher schlagartig den Vorsprung der Konkurrenz illustrieren. Und eben den oben schon seitens Bernadette Schöller’s mitangesprochenen reinen Arbeitswert einer solchen Platte, hier potenziert um den Genauigkeitsgrad einer Kartenübertragung mit ihren, nicht zuletzt und speziell, siehe oben, unendlich vielen Lokalbezeichnungen! Wie gesagt, fürwahr dramatisch.

Dabei anstehendenfalls, wohlgemerkt, gleichwohl doch immer nur Reproduktions-Platten betreffend. Welch künstlerischer und damit zeitloser Faktor denn erst dort wertbestimmend, wo das Genie des Künstlers selbst die Linien zieht, die Nadel führt, die Intensität des Ätzens dort verstärkt und hier zurücknimmt und dem Kupfer die eigene Vision aufzwingt! Hier + heute denn solchermaßen Ridinger-Platten!

Und so hieß es hierselbst denn auch gelegentlich des Wiederauftauchens von Teilen des sogenannten Thieme-Becker-Blocks Ridinger’scher Druckplatten „Einer der sensationellsten Funde der Kunstgeschichte … Ridinger’s originale Druck- (sic!!!) Platten“.

Wobei nicht allein nach hiesigen Erkenntnissen die Bedeutung des Ältesten, Martin Elias, als dem Stecher auch anstehender Platte für das Ridinger-Œuvre sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher im Sinne Moréts hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden oder, wie hier, postum erschienen. Von den letzten 26 Platten der Wundersamsten fertigte er allein 20! Und ohne ihn gäbe es denn auch die Folge der „Besonderen Vorfallenheiten“ – und damit auch anstehende Platte – nicht, die erst er postum veröffentlichte!

Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener, wie denn auch hiesiger, Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet.

Mittels  feinen  Lackauftrags  vor  Anlaufen  geschützt ,

ist die Kupferdruckplatte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig. Angeboten und verkauft wird sie indes als Kunstwerk und Sammlungsstück im Sinne des ermäßigten MwSt.-Satzes, also unbeschadet ihrer schlußendlichen Druckqualität. Kurz ,

ein  denkbar  erfreuendes , weltweit  unikates  Absolutum .

Ihnen angetragen mit der Empfehlung einer zeitlos-eleganten rahmenfreien Hängung (Vorrichtung anbei) , um  Sie  der  jeweiligen  Licht-Reflexe  am  schönsten  teilhaftig  werden  zu  lassen .

 

Und  was  sagten  private  Ridinger-Platten-Erwerber  generell ?

„ … haben  Sie  mich  überrascht “,

so ein Vorsitzender Richter i. R. und zwei dieser Zimelien erstehend,
von denen er auch Abzüge machen ließ
(siehe Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, I.10 + I.12).

„ Ich  möchte  mich  bei  Ihnen  bedanken,

die  Platten  sind  schöner , als  ich  erwartet  hatte,

ich  übernehme  beide , gar  keine  Frage “,

so ein Unternehmer, der zwischenzeitlich drei weitere erwarb.

„ … and  I  know  the  plate  will  only  gain  in  value “,

so ein amerikanischer Erwerber.

Und die Kunstsammlungen Augsburg präsentierten 2001 den erworbenen 12er Satz zur Paradies-Folge
innerhalb der Ausstellung „KUNSTREICH“ als den bedeutenden Erwerbungen des letzten Jahrzehnts
(Katalog KUNSTREICH Nr. 102, SS. 198-201).

All obigen Fakten schlußendlich einen an Hand der beigezogenen Blaeu’schen Karten-Platten möglichen Wertevergleich einst + jetzt zur Seite zu stellen, erweist sich als ebenso interessant wie aufschlußreich:

100 Gulden (in den nördl. Niederlanden kamen im 17./18. Jhdt. auf den Gulden 20 Stuiver, auf den Stuiver 16 Pfennige) zahlten Hondius-Janssonius besagtermaßen 1630 zusätzlich zu Materialwert + Aufbereitung für den Stich jeder einzelnen Karten-Platte. Demgegenüber betrug der Verlagspreis für Joan Blaeu’s rund 600 (sic!) Karten umfassenden 12- bzw. 11bändigen Atlas Maior aus den 1660ern – Le Grande Atlas als das herausragendste Atlas-Ereignis aller Zeiten, erschienen in einer Gesamtauflage von etwa knapp 1000 Exemplaren – 1670 für die grenzkolor. Standardausgabe in verziertem Pergament nur ganze 450 bzw. 430 Gulden! Gleichwohl zwangsläufig nur „für einen kleinen Käuferkreis bestimmt … (für das) Repräsentationsbedürfnis reicher Handelsherren und Reeder“. Denn ein normaler Tageslohn betrug in gedachter Zeitspanne auf dem platten Land im Westen rund 1 Gulden, im Süden + Osten nur zwischen ½ + 1 Gulden. Für Fachkräfte etwas mehr, für Knechte etwas weniger. Und in den Städten etwa das Doppelte.

Für die frühen 1970er bezifferte Traudl Seifert, seinerzeitige Leiterin der Kartenabteilung der Münchner Staatsbibliothek, für den Atlas Maior der Standardausführung einen Antiquariatspreis von etwa 150 Tausend DM. Auf 1984er Auktion wurde für einen auf 250 Tausend geschätzten 11bändigen solchen bei 5 fehlenden Karten ein Endpreis von 347700 DM bezahlt. Eine Steigerung ab Erscheinen vor 300 Jahren auf 80760%. Die ihrerseits schon wieder zwei Jahrzehnte zurückliegen!

Analog hierzu würden sich die 100 Gulden Stichkosten pro Platte von 1630 bei unverbindlich unterstellter und grobrechnender Gleichsetzung zur DM per 1984 um eben das 807fache auf 80760 DM oder 41292 EUR vervielfacht haben. Dabei, gewiß, aber nur, ausschließlich handwerkliches Können voraussetzend.

(Basierend auf Koeman, wie oben; Traudl Seifert, Der Atlas major des Joan Blaeu, in Börsenblatt für den Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausgabe, vom 25. 2. 1975; sowie statistischen Quellen.)

Und  so  ist  das  Elitärste  vielfach  noch  immer  das  Preiswerteste

Angebots-Nr. 14.984  /  Preis auf Anfrage

–  samt  besagter  rahmungsfreier  Hängungs-Vorrichtung  –