» Die Vier Tageszeiten der Hirsche «
als die vielleicht schönste Naturfolge der alten Graphik
mit den hier herausgefundenen ,
stimmungsreich inszenierten Lokalgebern
Starnberg am See + Nymphenburg
und zudem mit Ridinger’s einziger eigener Dedication .
Hier denn auch noch
in ihren originalen Druck-Platten .
Und zu allem Überfluß schlußendlich
samt eingebetteter verworfener weiterer Arbeit .
Eine in der Tat ganz intime Wanddekoration !
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die vier Tageszeiten der Hirsche. Folge der 4 Kupfer-Druck-Platten im Gegensinn. Zwischen 1743/44, eher wohl Ende der 50er, + Oct. 1763. Bezeichnet: J. E. Ridinger Pictor ac Sculptor Augustan. (1) bzw. J. E. Ridinger fec. (2-4), ansonsten wie nachfolgend, dabei das Tages-Motto jeweils oberhalb des Bildovals, dessen Ecken ausschraffiert sind. 34,8-35,1 x 28,4-28,9 cm.
Die optisch hervorragend erhaltene Folge
der originalen Druck-Platten
dieser „grossartigen Compositionen“ (Nagler) in ihrer für Ridinger und seine Zeit typischen Mischtechnik von Radierung und Kupferstich zu Thienemann + Schwarz 238-241




im rotgoldenen Glanze
ihres 250 Jahre alten Kupfers .
Und kostbares, hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) hinaus nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchiertes, von Thienemann 1856 noch für verloren gehaltenes, weltweit unikates Sammlungsstück von Graden dazu. Denn
„ Erhaltene originale Druckplatten aus dem 18. Jahrhundert sind
eine große Seltenheit“
(Stefan Morét, Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, SS. 62 ff. Siehe auch die dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + Abbildungen SS. 63f.). – Und speziell zu denen Ridinger’s:
„ Vom hohen technischen und qualitativen Niveau der Werke Ridingers und seiner Söhne, die im Verlag vor allem als Stecher mitarbeiteten, künden die (nur noch sehr partiell, darunter der von den Kunstsammlungen Augsburg angekaufte 12er-Satz der Kupferdruckplatten der Paradies-Folge, vorgestellt 2001 innerhalb obiger Ausstellung „KUNSTREICH“) erhaltenen Druckplatten noch heute. “
Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in „Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars“ innerhalb „Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre“, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:
„ Die Kupferplatten ,
die aufgrund ihres Materialwertes wie auch der darin investierten Arbeitszeiten
eine weit höhere Wertschätzung genossen
als etwa eine allzu oft achtlos behandelte Vorzeichnung … “
Wie denn auch anderwärts: „Der Nürnberger Verleger Frauenholz war so angetan von diesem Blatt, daß er die Platte für eine beträchtliche Summe von Reinhart (1761-1847) erwarb“ (Teeuwisse III [2007], 29).
Und ganz konkret Cornelis Koeman in Atlantes Neerlandici II (1969), SS. 138 + 345:
„ (Eines der dramatischsten Ereignisse in der frühen Geschichte der kommerziellen Kartographie in Amsterdam war der Verkauf von Jodocus Hondius Jr.’s Kupfer-Platten an Willem Jansz. Blaeu 1629, dem Jahr seines Todes. Wenigstens 34 Platten, von denen Jodocus II zu eigenem Nutzen Einzelkarten gedruckt hatte, wechselten in die Hände seines großen Konkurrenten. Unmittelbar darauf veranlaßten sein Bruder Henricus und (dessen Schwager) Joannes Janssonius das Stechen identischer Platten. “
Wobei das mitgeteilte Procedere dieses Auftrags einmal mehr
die ganze Werthaltigkeit von Kupfer-Druck-Platten
dokumentiert:
die Vergabe an zwei Stecher mittels notariellen Vertrags, der die Fertigstellung von nunmehr 36 Platten binnen 18 Monaten festschrieb, gearbeitet „(akkurat und fein, ja, feiner und besser und qualitativ nicht schlechter als die an die Stecher gegebenen Karten)“. Die Auftraggeber trugen die Kosten für das Kupfer und dessen Polieren und zahlten für das Stechen selbst 100 Gulden pro Platte bei Vorauszahlung von 500 Gulden hinsichtlich zu entlohnender Arbeiter. Betreffend offenbar praxisnaher Hinzuziehung selbständiger Aushilfsstecher wurde den Auftraggebern untersagt, mit solchen namentlich genannten – insgesamt sieben, von denen zwei gleichwohl ausgenommen wurden – und etwaigen sonstigen weiteren Beschäftigten während der Laufzeit selbständige Geschäfte zu tätigen. Im Falle vorzeitigen Todes des einen, offenbar auf das Schriftstechen spezialisierten, der beiden Auftragnehmer stand es dem anderen bei Fehlen eines guten Schriftstechers frei, den Vertrag zu beenden oder allein fortzusetzen. Im Falle vorzeitigen Todes des anderen war lediglich die Lieferfrist angemessen zu verlängern.
Indem wir uns diese aufschlußreichen Details vergegenwärtigen, gewinnen die Platten zwangsläufig an zusätzlicher Intimität. Erzählend von Zwängen und Zeitnot, taten Mitspieler einen wirtschaftlich bedrohlich werden könnenden unerwarteten Schachzug, wobei Lieferfrist und ins Auge gefaßte Anzahl der Stecher schlagartig den Vorsprung der Konkurrenz illustrieren. Und eben den oben schon seitens Bernadette Schöller’s mitangesprochenen reinen Arbeitswert einer solchen Platte, hier potenziert um den Genauigkeitsgrad einer Kartenübertragung mit ihren, nicht zuletzt und speziell, siehe oben, unendlich vielen Lokalbezeichnungen! Wie gesagt, fürwahr dramatisch.
Dabei anstehendenfalls, wohlgemerkt, gleichwohl doch immer nur Reproduktions-Platten betreffend. Welch künstlerischer und damit zeitloser Faktor denn erst dort wertbestimmend, wo das Genie des Künstlers selbst die Linien zieht, die Nadel führt, die Intensität des Ätzens dort verstärkt und hier zurücknimmt und dem Kupfer die eigene Vision aufzwingt! Hier + heute denn solchermaßen Ridinger-Platten!
Und so hieß es hierselbst denn auch gelegentlich des Wiederauftauchens von Teilen des sogenannten Thieme-Becker-Blocks Ridinger’scher Druckplatten „Einer der sensationellsten Funde der Kunstgeschichte … Ridinger’s originale Druck- (sic!!!) Platten“. – Daß die der hiesigen Folge
vom Meister
„ allein und sehr gelungen bewerkstelligt worden “
sind (Thienemann), sei eigens erwähnt. So, wie denn auch entsprechend obiger Signaturen dokumentiert.
Morgen

Lucem revehit tenebris Aurora fugatis
Nach verscheuchter Finsternis führt Aurora das Licht zurück&
„ Auf Felsenmassen steht ein Spiesser, welcher mit weit empor gestrecktem Halse die aufgehende Sonne begrüsst. Unten an einem Wasser liegt ein stattlicher Zwölfer, welcher, als Lichtfreund, ebenfalls nach oben blickt, daneben noch ein ruhig stehender Zehner und zwei Stück Wild. “
Für den Spießer dürfte die Zeichnung Weigel, 1869, Nr. 133 – „Ein auf einem Felsenstück stehender lechzender Hirsch“, schwarze Kreide, weiß gehöht, auf blauem Papier – als Vorlage gedient haben, von Ridinger bezeichnet mit „in silva Nymphenburg , ad vivum delineavit J. E. Ridinger. 1738“. – Als Ganzes dürfte die Komposition in Verbindung stehen mit dem als Öl Johann Elias’ geführten Exponat der Niederösterreich. Landesausstellung „Jagd einst und jetzt“, Schloß Marchegg 1978, Nr. 129 – 44,5 x 37 cm, Pendant siehe Mittags-Platte – , beschrieben als „… zeigt eine Felslandschaft mit Hirschen und Tieren“.
Mit der Widmung – der einzigen eigenen im rund 1600blätterigen graphischen Œuvre! – für den künstlerisch vielseitigen Diplomaten Christian Ludwig von Hagedorn (Hamburg 1712-Dresden 1780), Bruder des Dichters und seit Ende 1763 Direktor der Dresdner Akademie, dann, 1764, dortiger Generaldirektor aller kulturellen Einrichtungen, hier in seiner Eigenschaft als Legationsrat August III. (Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen), Königs von Polen :
„ CHRJSTJANO LVDOVJCO AB HAGEDORN
Potentiss. Poloniae Regis a Consiliis Legationum / Viro et avitae Nobilitatis Splendore / et artis graphicae usu, cultu, amore / inter negotia Spectabili / D. D. D. “
Die Dedication gibt zugleich den zeitlichen Rahmen (siehe ergänzend hierzu unten zur Abend-Platte und deren „Hippokrene“-Rückseite) für die Entstehung der Folge. 1735 in kursächsische Dienste getreten, avancierte Hagedorn 1743/44 zum (1763 Geheimen) Legationsrat. Da der Nachfolger Augusts III., Kurfürst Friedrich Christian (Oct.-Dec. 1763) nicht auch die Königswürde übernahm, liegt die Entstehung der Folge vor dessen Zeit. Und damit auch vor der Hagedorns als oberstem Kulturverwalter. Über den Anlaß zu Ridinger’s auszeichnender unikater Widmung liegen hier noch keine Erkenntnisse vor.
Mittag

Sol mediam coeli terit arduus arcem
Die hochstehende Sonne berührt die Mitte der Himmelsburg
„ Vor einem starken Waldbaume steht, nach uns gewendet, ein starker Hirsch (an einem Wasser) und erquickt sich unter dem Schatten des Laubdaches, daneben liegt ein stattlicher Zehner und leckt sich den Rücken, und ein Gabler, als der Dritte, ruht ebenfalls. “
Das Gegenstück zu dem per Morgen-Blatt beigezogenen Öl in Marchegg dort per Nr. 128 wie folgt be-schrieben :
„ … stellt eine Gruppe von drei Hirschen dar, die sich unter einem mächtigen Baum versammelt haben. Zwei Hirsche haben sich am Boden gelagert, der dritte steht dem Betrachter fast frontal gegenüber. Im Vordergrund ein Wasserlauf, im Hintergrund dichter Wald. “
Abend

Ast(e)rifero procedit Vesper olympo
Am sternbesäten Olymp schreitet der Abend fort
„ Die Hauptfigur, ein rüstiger Zwölfer (eines der beiden Einband-Logi der ridinger handlung), hat neben sich eine liegende Hirschkuh und hinter sich einen Spiesser (vielleicht der Herr Sohn). Alle drei munter und lebhaft, denn es sind Nachtthiere. “
Unter Fortlassens der stehenden zweiten Hirschkuh ist es spiegelbildlich die rechte Vordergrund-Gruppe aus Th. 293
„ Anno 1736. im Walde bey Stahrenberg nach der Natur gezeichnet “,
dessen Kupferübertragung – „J. El. Ridinger ad viv. del. et fec.“ – 1746/48, wohl aber kaum vor 1747, erfolgte. Diese Szenerie zeigt an einem als Seebucht anzunehmenden Gewässer besagte Vierergruppe auf einem Felsblock oberhalb des Wassers und zugleich am Fuße eines ins Bild hineinragenden Felsens und zum andern am jenseitigen Waldsaum einen anderen Kapitalen mit 7köpfigem Serail.
Die augenscheinlich zugehörige Tusche-Vorzeichnung der Sammlung Coppenrath – Abt. II (1889), Nr. 1918, „Zu Th. 293“ – „Hirschrudel am Ufer“ mit der Unterschrift
„ Nach der Natur bey Starenberg am See gezeichnet “
könnte sich gleichwohl als identisch mit jener wortgleich bezeichneten bei Weigel, 1869, Nr. 130 und damit als zu Th. 241 gehörig erweisen, siehe anschließende Szenerie.
Unter den Detailveränderungen eines hier verhandelten Öls der Gesamtkomposition Th. 293 erweist sich die Gewässersituation unterhalb der rechten Vordergruppe bemerkenswert als im Gegensatz zum Kupfer eindeutig einen Abfluß (den der Würm?) inszenierend.
Nacht

Jam medio volvuntur Sidera lapsu
Schon bewegen sich die Sterne inmitten ihres Niedergangs
„ Es ist Mondschein zur Brunftzeit. Ein jämmerlich schreiender Brunfthirsch, ein Sechzehner, ist von sieben Stück Wild, einem ansehnlichen Serail, umgeben, welche zu Wasser (und zwar eindeutig dem eines Großsees) gehen wollen. Am jenseitigen Ufer schreit ein anderer Hirsch. “
Diese Achtergruppe exakt die Situation der vorgenannten Zeichnung Weigel 130 :
„ Eine Landschaft mit einem Flusse (sic!); im Vordergrunde ein Hirsch und (7) Hirschkühe, welche vom Felsen nach dem Flusse herab gehen. Bezeichnet: Nach der Natur bei Starenberg am See gezeichnet. Mit des Malers Namen (dieser bei Coppenrath oben unterstelltermaßen per „Bezeichnet“ mit eingeschlossen), Tusche und schwarze Kreide … “
Stückmäßig entspricht diese Gruppe jener oberhalb des Wassers am Waldsaum angesiedelten von Th. 293, deren Kapitaler lediglich keine 16 Enden erkennen läßt. – Thematisch zugehörig im übrigen sicher auch die unbezeichnete Zeichnung Weigel 169 „Eine Waldparthie mit einem Hirsche und zehn stehenden und liegenden Hirschkühen; ein Brunsthirsch jenseits eines Flusses wagt nicht heranzukommen. Auf bläulichem Papier, Tusche, weiss gehöhet, qu. roy. f.“.
Mit Obigem sind damit wohl erstmals „Die vier Tageszeiten“ mit zunächst drei ihrer Szenerien in lokalen Kontext gestellt worden,
dominiert von Starnberg , assistiert vom nahen Nymphenburg ,
und jeweils nach eigener Lokalansicht. Ein sich hieraus ableiten könnender früherer Zeitansatz für die Entstehung der Tageszeiten-Folge auf die späten 40er, frühen 50er erscheint eher unwahrscheinlich hinsichtlich eines an 1757/58 anknüpfenden denkbaren Zeitmerkmals für die zwangsläufig vor den Tageszeiten geschaffene nachfolgende Hippokrene.
Des Meister’s seinerzeitige Vorliebe fürs Münchener Umfeld im übrigen belegt ausweislich Zeichnungs-/Kupferbezeichnungen 1736 + 1738 für Starnberg (Weigel 130/Th. 293; Ridinger-Zeichnungs-Sammlung bei Wawra, 1890, Nr. 56 [„Hirsch auf einem Hügel gegen den Wald ziehend, bezeichnet Ad Vivum in Silva Starenbergensis Joh. El. Ridinger 1738“, Kreide auf blauem Papier, weiß gehöht, gr.-fol.] + evt. auch Th. 269), für Nymphenburg 1731 (Th. 287, „in dem Parc von Nymphenburg gegen Stahrenberg …“; + 1738 (Weigel 133/Th. 238), evt. noch 1734 (Thienemann 274) und eventuell/vermutlich für Schleißheim 1735 (Th. 282), 1736 (Th. 270) + 1738 (Wawra 55, „Hirsche im Wald bei Schleissheim. Mit dem Namen des Meister’s und … 1738 …“, Kreide auf blauem Papier, weiß gehöht).
Über ihre allgemeine Zugehörigkeit zum Schönsten vom Schönen hinaus erweisen sich solchermaßen
Ridinger’s „ Vier Tageszeiten der Hirsche “
als zusätzlich eingebettet in ein lokales Umfeld höchsten Anspruchs .
Und eines ikonographischen dazu. Denn
„ Hirsche am Wasser in gebirgiger Landschaft spielten auf den berühmten Psalm 42.1 an ‚So wie der Hirsch nach frischem Wasser dürstet, so strebt meine Seele nach Dir, Herr‘ und wurden zur Chiffre für die ‚anima christiana‘ “
(Justus Müller-Hofstede gelegentlich der 1985er Kölner Savery-Ausstellung, FAZ 10. 11. 1985).
Die Rückseite der Abendplatte aber schließlich
mit einer weiteren , hier erstmals beschriebenen
und vom Meister offenbar verworfenen unbezeichneten Arbeit ,
die sich gleichwohl für den unbekannten Ridinger
als immer wichtigere Eigenidentifikation erweist :
DIE HIPPOKRENE
oder
Das Geschenk des Wassers .
Die Roß- oder Musen-Quelle am Parnaß als domartig aufschießende Fontaine. Siehe Angebots-Nr. 13.279, erörtert zudem in hiesiger „Dresdner Rede“ auf dem Festakt der TU Dresden gelegentlich des 300. Ridinger-Geburtstages.
KUNSTREICH – Erwerbungen 1990-2000 der Kunstsammlungen Augsburg, 2001, Nr. 101 nebst 5 (1 blgr.) Abb.
Hier eingeschlossen
aus der von dieser Arbeit aufgelegten

Jubiläums-Edition
(6 von I-VI römisch numerierte + 10 von 1-10 arabisch numerierte Explre. sowie einige Épreuves d’Éditeur, sämtlichs mit Signatur des ridinger händlers lüder h. niemeyer + Editions-Datum, 16. 2. 1998, sowie rückseitigem Editions-Stempel, gedruckt unter aller gebotenen Rücksichtnahme auf die umseitige Hirsch-Szenerie, eine Handhabung, die umgekehrten Falles zwangsläufig für entbehrlich gehalten worden sein dürfte, sodaß die Hippokrene-Gravierung nicht mehr als absolut jungfräulich anzusprechen war)
die Nr. I/VI in Rot-Schwarz + ein Épreuve in Blau-Schwarz .
Aufgelegt als, so Gode Krämer von den Kunstsammlungen Augsburg,
„ eine schöne Bereicherung des Œuvre Ridingers …
den 300. auf diese Art zu feiern und zu dokumentieren
(ist) so prachtvoll und charmant , weil der Sache so angemessen …
Besonders beeindruckt hat die bescheidene Auflagenhöhe. “
Wie in der ausführlichen Angebots-Beschreibung zur Diskussion gestellt, könnte die Arbeit den Zeitrahmen für die Entstehung der Tageszeiten-Folge auf zwischen 1757/58 + Oct. 1763 verkürzen.
Mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt ,
sind die Kupferdruckplatten im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig. Angeboten und verkauft wird der Satz indes als Kunstwerk und Sammlungsstück im Sinne des ermäßigten MwSt.-Satzes, also unbeschadet seiner schlußendlichen Druckqualität. – Kaum erwähnenswert einige unwesentliche kleine Ausbrüche innerhalb der Schraffurfüllung oben rechts oberhalb des Titels bzw. ganz am Rande der Abendplatte. Eine solche auch, ganz am Rande, dortselbst auf der Mittagsplatte. Ansonsten von hervorragender Optik, hinter der nur die Hippokrene-Rückseite mangels besagter nicht für notwendig erachteter Rücksichtnahme beim Druck der Vorderseite etwas zurücksteht. – Kurz ,
ein denkbar erfreuendes , weltweit unikates Absolutum .
Ihnen angetragen mit der Empfehlung einer zeitlos-eleganten rahmenfreien Hängung (Vorrichtung anbei) , um Sie der jeweiligen Licht-Reflexe am schönsten teilhaftig werden zu lassen .
Und was sagten private Ridinger-Platten-Erwerber generell ?
„ … haben Sie mich überrascht “,
so ein Vorsitzender Richter i. R. und zwei dieser Zimelien erstehend,
von denen er auch Abzüge machen ließ
(siehe Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, I.10 + I.12).
„ Ich möchte mich bei Ihnen bedanken,
die Platten sind schöner , als ich erwartet hatte,
ich übernehme beide , gar keine Frage “,
so ein Unternehmer, der zwischenzeitlich drei weitere erwarb.
„ … and I know the plate will only gain in value “,
so ein amerikanischer Erwerber.
Und die Kunstsammlungen Augsburg präsentierten 2001 den erworbenen 12er Satz zur Paradies-Folge
innerhalb der Ausstellung „KUNSTREICH“ als den bedeutenden Erwerbungen des letzten Jahrzehnts
(Katalog KUNSTREICH Nr. 102, SS. 198-201).
All obigen Fakten schlußendlich einen an Hand der beigezogenen Blaeu’schen Karten-Platten möglichen Wertevergleich einst + jetzt zur Seite zu stellen, erweist sich als ebenso interessant wie aufschlußreich:
100 Gulden (in den nördl. Niederlanden kamen im 17./18. Jhdt. auf den Gulden 20 Stuiver, auf den Stuiver 16 Pfennige) zahlten Hondius-Janssonius besagtermaßen 1630 zusätzlich zu Materialwert + Aufbereitung für den Stich jeder einzelnen Karten-Platte. Demgegenüber betrug der Verlagspreis für Joan Blaeu’s rund 600 (sic!) Karten umfassenden 12- bzw. 11bändigen Atlas Maior aus den 1660ern – Le Grande Atlas als das herausragendste Atlas-Ereignis aller Zeiten, erschienen in einer Gesamtauflage von etwa knapp 1000 Exemplaren – 1670 für die grenzkolor. Standardausgabe in verziertem Pergament nur ganze 450 bzw. 430 Gulden! Gleichwohl zwangsläufig nur „für einen kleinen Käuferkreis bestimmt … (für das) Repräsentationsbedürfnis reicher Handelsherren und Reeder“. Denn ein normaler Tageslohn betrug in gedachter Zeitspanne auf dem platten Land im Westen rund 1 Gulden, im Süden + Osten nur zwischen ½ + 1 Gulden. Für Fachkräfte etwas mehr, für Knechte etwas weniger. Und in den Städten etwa das Doppelte.
Für die frühen 1970er bezifferte Traudl Seifert, seinerzeitige Leiterin der Kartenabteilung der Münchner Staatsbibliothek, für den Atlas Maior der Standardausführung einen Antiquariatspreis von etwa 150 Tausend DM. Auf 1984er Auktion wurde für einen auf 250 Tausend geschätzten 11bändigen solchen bei 5 fehlenden Karten ein Endpreis von 347700 DM bezahlt. Eine Steigerung ab Erscheinen vor 300 Jahren auf 80760%. Die ihrerseits schon wieder zwei Jahrzehnte zurückliegen!
Analog hierzu würden sich die 100 Gulden Stichkosten pro Platte von 1630 bei unverbindlich unterstellter und grobrechnender Gleichsetzung zur DM per 1984 um eben das 807fache auf 80760 DM oder 41292 EUR vervielfacht haben. Dabei, gewiß, aber nur, ausschließlich handwerkliches Können voraussetzend.
(Basierend auf Koeman, wie oben; Traudl Seifert, Der Atlas major des Joan Blaeu, in Börsenblatt für den Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausgabe, vom 25. 2. 1975; sowie statistischen Quellen.)
Und so ist das Elitärste vielfach noch immer das Preiswerteste
Angebots-Nr. 14.989 / Preis auf Anfrage
– samt besagter rahmungsfreier Hängungs-Vorrichtung –
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