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„ … fleissig  acht  haben  auf  die  Fährt “

Ridinger  macht  Hirschgerechte

Ein  klassisches  Lehrmotiv  als  absolutes  Unikat

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Das bestetten des Edlen Hirsches mit dem Leithund. Während vorn drei Jäger noch die Fährte diskutieren und ihre beiden Hunde einweisen, läßt ein vierter bereits den seinen an langer Leine dem unweit im Holze stehenden Vielender folgen. Radierung mit Kupferstich. Ca. 1729. Bezeichnet: Ioh. El. Ridinger inv. pinx. sc. et exc. A. V. / avec priv. de sa M. Imp. 30,5 x 23,4 cm.

Thienemann + Schwarz 16; Stubbe, 1966, Taf. 3; Blüchel, Die Jagd, 1996, Bd. II, S. 80. – Eines der acht kleinen Formate der instruktiven Lehr-Folge der Fürsten-Jagd-Lust als der frühesten von Ridinger nunmehr selbst in Kupfer übertragenen großen Jagdfolge des Œuvre.

Thematisch  aber den jagddidaktischen Arbeiten Ridinger’s zugehörig, seinem Bestreben,

vom  Lehrprinzen  an  aufwärts

allen das waidmännische Rüstzeug zu vermitteln, dessen ein Hirschgerechter bedarf. Entsprechend denn der reiche – hier natürlich spiegelbildliche – Untertext, parallel in Deutsch + Französisch:

„ Der Jäger, so einen Edlen Hirsch bestetten will, soll sich des morgens frühe aufmachen, und mit seinem Leithund gen Holz ziehen, de(n)selben an dem hengseil kurtz oder lange, nachdeme es erfordert vor sich hergehen lassen; der Fahrt, ob sie frisch oder nicht, wohl wahrnehmen, so ein erfahrner Jäger an seinem Leithund zu observiren weisst; dan(n) fleissig acht haben auf die Fährt, Anstreif, Niederstruk, Gelgs, etc. So er dan(n) an seinem Hund merket, daß er hitzig und stark an dem Hengseil zeucht, soll er dem Edlen Hirsch nachhängen, bestetten u. verbrechen, wohl auf das Gelgs acht haben, ob es noch frisch, wo, und worvon er sein Geas habe, auch so er 2. oder 3. Fahrte findet, wohl merken, an welcher am meisten gelegen, ob auch der Hirsch jagtbar seye, und ihme weiter vorbiegen; er muß aber

vor  allen  dingen  seinen  Leithund  wohl  verstehen ,

und  dem  Winde  nicht  zu  viel  trauen ,

den(n) soll der Leithund recht und wohl vernehmen, muß er die Nase auf der Fahrte halten, sonst ists ein grosser Fehler.

La Quéte du Cerf

Le Veneur, ayant frotté avec du bon vinaigre le naseaux de on limier, pour lui aiguiser l’odorat, entre dans les bois de bon matin, la rosée en etant presque abbattüe, tenant devant lui son Chien attaché à une longe, pour le retenier en ses grandes ardeurs et l’empecher de sortir hors de voyes et de tomber en defaut: Ayant rencontre d’un Cerf, il prendra garde, s’il va de bon tems, de quoi s’etant asseure, il tache de le rendre au couvert et de le rembucher. “

„ … die  Einrichtung  und  Gestaltung  der  Jagd  (aber)

gehörten  zu  den  künstlerischen  Aufgaben  des  18. Jahrhunderts “

(so in einem 1991er Ausstellungskatalog der Hamburger Kunsthalle in Kommentierung eines Ridinger-Exponats).

Die Jagd der Ridingerzeit kunsthistorischerseits also nicht länger gesondert für sich begriffen, gesondert also auch nicht Ridinger selbst als deren bloßen Protagonisten, sondern gesehen als in engstem Kontext stehend mit dem Jahrhundert als Ganzem. Damit aber steht deren unangefochtener Großmeister nicht mehr schlicht für Jagd, sondern eben für eine ganze Epoche. Mit aller Herausforderung an die Forschung, die sich hieraus zwangsläufig ergibt. Und auch daraus ergibt, wenn an gleicher Stelle

„ das  gestochene , radierte  und  geschabte  Werk  Ridingers

den  großen  graphischen  Œuvre  des  18. Jahrhunderts “

gleichrangig zur Seite gestellt wird. Nämlich, wörtlich:

„ Wie Piranesi sich an die antiquarisch interessierten , Hogarth an die bürgerliche Vernunft mit ihren (gleichfalls) durch gestochene Erklärungen ergänzten Werken wandte , hatte Ridinger zweifellos das Interesse der Höfe und der Aristokratie auf seiner Seite . “

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