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„ Der  Hirsch  mit  den  Schlappohren “

als  „rare(r)  Schuß“

dokumentiert  im  Jagdtagebuch  Ludwigs VIII.

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Disen Hirsch mit Schlappohren haben des Regier: Herrn Landgrafen von Hessen Darmstadt Hochfürstl: Durchl: (Ludwig VIII.) den 20ten. Augl: 1754. in der gegend von Darmstadt („im  Arheilger  Forst gegen der  Mörsbach  bei dem Hirtenhause“) geschossen. Radierung mit Kupferstich. Ca. 1754/55. Bezeichnet: Joh. El. Ridinger del. fec. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor. 34 x 25,6 cm.

Blatt 63 (Thienemann + Schwarz 305; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, VI.5 mit Abb.; Siebert-Weitz, Ridinger, 1999, SS. 32 f. – „Gehört zusammen mit Nr. 64“ – mit Abb.; Siebert, Kranichstein, 1969, Abb. S. 43) der „Vorstellung der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere“ als einem der sympathischsten Motive dieser so einzigartigen, in ihrem zoologischen Belegwert (siehe auch den ähnlichen, doch geweihlosen und in Schlesien geschossenen Hirsch als Frontispiz in Wildungen’s „Taschenbuch für Forst und Jagdfreunde“, Jg. 1809/12, Lindner 11.2257.01) unwiederholten Suite.

Geschaffen nach einer der „Darmstädter Blech-Malereien“, hier eines unbekannten Malers (Kat. Darmstadt VI.5a m. Abb.), mit dortigem Untertext:

„ Man hat mich zwar sehr wohl geheget, weil ich die Ohren wie ein Hund
Doch hat mich einst der Fürst erleget, da er mich nicht recht sehen kund.
Mein früher Tod ward zwar bereut: weil ich mich aber sehr gescheut
Und hinter einen Busch verhehlet, wird mir die Schuld selbst zugezählet
Man thut mir noch im Tod die Ehr und malet mich was will ich mehr. “

Als Hirsch „mit den Schlappohren“ findet er sich denn auch in dem die „raren Schuß“ verzeichnenden Jagdtagebuch Ludwig VIII. Und Siebert-Weitz weiter:

„ Bemerkenswert bei diesem Rothirsch ist nicht das dürftige ungerade Geweih mit drei Enden auf der rechten und zwei Enden auf der linken Seite. Ins Auge fällt vielmehr, daß die Lauscher des Hirsches nicht wie bei allen Cerviden nach oben stehen, sondern wie bei den meisten Jagdhunden nach unten hängen. Deswegen wird er als ‚Hirsch mit Schlappohren‘ bezeichnet. “

Und im übrigen darauf hinweisend, daß die Arbeit mit dem am 25. Oktober 1753 im Leeheimer Forst in der Nähe von Darmstadt geschossenen „Hasen mit angedeuteten raren Zähnen“ (Bl. 64; Th. 306; Kat. Darmstadt VI.6 + Siebert-Weitz SS. 34 f., beide nebst Abb.) ein Paar bilde.

„ Der Stich ist vermutlich (so J. H. Niemeyer, Ridinger’s Wundersamste Hirsche, 1994/98, S. 2) kurz nach 1754 erschienen. Im Bestand des Jagdschlosses Kranichstein hat sich außer dem Blechschild … kein weiteres Dokument über den Hirsch mit den Schlappohren erhalten. Auf die etwas schlichte Darstellung des Hirsches auf dem (die Darmstädter Lokalität näher beschreibenden) Blechschild und das humorige Gedicht dort nimmt Ridinger in seinem Stich insofern Bezug, als auch er das Tier teilweise von Gebüsch verborgen zeigt “

(Morét).

Die zugehörige Zeichnung in schwarzer Kreide figurierte unter Position 1913 der 2. Abteilung der 1889 aufgelösten Regensburger Sammlung Coppenrath.

Ref.-Nr. 14.996 / Lagerware – nicht katalogisiert / Beschreibung + Angebot anfordern

siehe auch
Johann Laifles frühe Photographie von 1865
in einem Albumin-Abzug
„von hohem Glanz … (der) die feinsten Details wiedergibt“