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Johann Elias Ridinger, Originale Kupferdruckplatten

Widerspiegelnd  die  jährlichen  Züge

der  Thüringen  (Kranichfeld) – (Rhein-)Hessen – Route

BURGMANN  HENNE  KRANICH  von  DIRMSTEIN’S

festes  Haus  Kranichstein  bei  Darmstadt ,

begleitend  von  Geburt  an

die  Linie  der  Hessen-Darmstädter  Landgrafen

Ridinger, Martin Elias (1730 Augsburg 1780). Dieser Hirsch mit 3. Stangen wurde den 11. Aug. 1753 von Sr. Hoch=Fürstl. Durchl. dem Regierenden Herrn Landgrafen LUDWIG VIII. zu Hessen Darmstadt,

in  der  großen  Faisanderie  bey  Cranichstein

par force gejagt, allwo derselbe über die Mauer von 12. Schuh hoch gesetzet und echappirt, nach der Brunft aber eben selbigen Jahres an der Graentze im Hochgräfl. Erbach Schönbergischem Gebiete geschossen worden. Kupfer-Druck-Platte im Gegensinn nach Georg Adam Eger (Murrhardt 1727-1808). (1767/68.) Bezeichnet: G. A. Eger delineav. et pinxit. / M. El. Ridinger sculps. Aug. Vindel., ansonsten wie vor. 37 x 24,9 cm.

Mit nicht nur exakter lokaler Architektonik, wie generell nur ganz vereinzelt bei Ridinger, sondern vielmehr vor der Kulisse von Jagdschloß

KRANICHSTEIN

als  einer  der  ersten  seiner  Ansichten 

bei zugleich bauhistorischer Bedeutung:

„ Die Anlage des Schlosses in – hier gut erkennbar – drei Flügeln ist ein frühes,

wenn  nicht  gar  das  erste  Beispiel  dieser  Bauweise ,

die später auch bei anderen Schlössern übernommen wurde “

(Lohmann, Georg I. und die Anfänge von Jagdschloß Kranichstein, o. J., S. 70, nach Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Bd. Hessen, 1982, S. 518).

Die optisch praktisch hervorragend erhaltene , weltweit unikate

originale  Druck-Platte

zum berühmten Dreistangen-Hirsch als Blatt 97 (Radierung + Kupferstich, Thienemann 339) der „Wundersamsten Hirsche“

Martin Elias Ridinger, Kranichsteiner 3-Stangen-Hirsch

im  rotgoldenen  Glanze

ihres  240  Jahre  alten  Kupfers .

Und kostbares, hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) hinaus nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchiertes, von Thienemann im Rahmen der Kupferdruckplatten zu den Wundersamsten 1856 noch für verloren gehaltenes, weltweit unikates Sammlungsstück von Graden dazu. Denn

„ Erhaltene  originale  Druckplatten  aus  dem  18.  Jahrhundert

sind  eine  große  Seltenheit“

(Stefan Morét im Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, SS. 62 f. Siehe auch die dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 63 f.).

Und speziell zu denen Ridinger’s :

„ Vom hohen technischen und qualitativen Niveau der Werke Ridingers und seiner Söhne, die im Verlag vor allem als Stecher mitarbeiteten, künden die (nur noch sehr partiell) erhaltenen Druckplatten noch heute. “

Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in „Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars“ innerhalb „Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre“, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:

„ Die  Kupferplatten ,

die  aufgrund  ihres  Materialwertes  wie  auch  der  darin  investierten  Arbeitszeiten

eine  weit  höhere  Wertschätzung  genossen

als  etwa  eine  allzu  oft  achtlos  behandelte  Vorzeichnung … “

Wie denn auch anderwärts: „Der Nürnberger Verleger Frauenholz war so angetan von diesem Blatt, daß er die Platte  für  eine  beträchtliche  Summe  von Reinhart (1761-1847) erwarb“ (Teeuwisse III [2007], 29).

Und ganz konkret Cornelis Koeman in Atlantes Neerlandici II (1969), SS. 138 + 345:

„ (Eines  der  dramatischsten  Ereignisse  in der frühen Geschichte der kommerziellen Kartographie in Amsterdam war der Verkauf von Jodocus Hondius Jr.’s Kupfer-Platten an Willem Jansz. Blaeu 1629, dem Jahr seines Todes. Wenigstens 34 Platten, von denen Jodocus II zu eigenem Nutzen Einzelkarten gedruckt hatte, wechselten in die Hände seines großen Konkurrenten. Unmittelbar darauf veranlaßten sein Bruder Henricus und (dessen Schwager) Joannes Janssonius das Stechen identischer Platten. “

Wobei das mitgeteilte Procedere dieses Auftrags einmal mehr

die  ganze  Werthaltigkeit  von  Kupfer-Druck-Platten

dokumentiert:

die Vergabe an zwei Stecher mittels notariellen Vertrags, der die Fertigstellung von nunmehr 36 Platten binnen 18 Monaten festschrieb, gearbeitet „(akkurat und fein, ja, feiner und besser und qualitativ nicht schlechter als die an die Stecher gegebenen Karten)“. Die Auftraggeber trugen die Kosten für das Kupfer und dessen Polieren und zahlten für das Stechen selbst 100 Gulden pro Platte bei Vorauszahlung von 500 Gulden hinsichtlich zu entlohnender Arbeiter. Betreffend offenbar praxisnaher Hinzuziehung selbständiger Aushilfsstecher wurde den Auftraggebern untersagt, mit solchen namentlich genannten – insgesamt sieben, von denen zwei gleichwohl ausgenommen wurden – und etwaigen sonstigen weiteren Beschäftigten während der Laufzeit selbständige Geschäfte zu tätigen. Im Falle vorzeitigen Todes des einen, offenbar auf das Schriftstechen spezialisierten, der beiden Auftragnehmer stand es dem anderen bei Fehlen eines guten Schriftstechers frei, den Vertrag zu beenden oder allein fortzusetzen. Im Falle vorzeitigen Todes des anderen war lediglich die Lieferfrist angemessen zu verlängern.

Indem wir uns diese aufschlußreichen Details vergegenwärtigen, gewinnen die Platten zwangsläufig an zusätzlicher Intimität. Erzählend von Zwängen und Zeitnot, taten Mitspieler einen wirtschaftlich bedrohlich werden könnenden unerwarteten Schachzug, wobei Lieferfrist und ins Auge gefaßte Anzahl der Stecher schlagartig den Vorsprung der Konkurrenz illustrieren. Und eben den oben schon seitens Bernadette Schöller’s mitangesprochenen reinen Arbeitswert einer solchen Platte, hier potenziert um den Genauigkeitsgrad einer Kartenübertragung mit ihren, nicht zuletzt und speziell, siehe oben, unendlich vielen Lokalbezeichnungen! Wie gesagt, fürwahr dramatisch.

Dabei anstehendenfalls, wohlgemerkt, gleichwohl doch immer nur Reproduktions-Platten betreffend. Welch künstlerischer und damit zeitloser Faktor denn erst dort wertbestimmend, wo das Genie des Künstlers selbst die Linien zieht, die Nadel führt, die Intensität des Ätzens dort verstärkt und hier zurücknimmt und dem Kupfer die eigene Vision aufzwingt! Hier + heute denn solchermaßen Ridinger-Platten!

Und so hieß es hierselbst denn auch gelegentlich des Wiederauftauchens von Teilen des sogenannten Thieme-Becker-Blocks Ridinger’scher Druckplatten „Einer der sensationellsten Funde der Kunstgeschichte … Ridinger’s originale Druck- (sic!!!) Platten“.

Wobei nicht allein nach hiesigen Erkenntnissen die Bedeutung des Ältesten, Martin Elias, als dem Stecher auch anstehender Platte für das Ridinger-Œuvre sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden oder, wie hier, postum erschienen. Von den letzten 27 Platten der Wundersamsten fertigte er allein 21! Ohne ihn gäbe es denn auch die anstehende nicht!

Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet. – Die ursprüngliche Numerierung „97“ indes nach einer Umnumerierung für eine um 1824/25 anders zusammengestellte Neuausgabe erst gelegentlich einer späteren neuen Gesamtausgabe wiederhergestellt.

Der schon im Jagdtagebuch Ludwig VIII. abgebildete 10-Ender (2 x 3, 1 x 4)

vor  Kranichsteiner  Teich  und  dem  Schloß-Komplex .

Bezüglich letzteren aber eine dessen frühesten Aufnahmen. Denn

„ Ansichten des Jagdschlosses sind erst aus der Mitte des 18. Jahrhunderts überliefert, alle aus der Zeit des Landgrafen Ludwig VIII., der als leidenschaftlicher Jäger fast ausschließlich in Kranichstein Hof hielt, wie es auch schon sein Vater Ernst Ludwig nach … 1715 getan hatte. Unter die Regentschaft dieser Fürsten fällt Kranichsteins … Blütezeit “

(Gisela Siebert, Kranichstein, 1969, Seite 14).

Gleichwohl über diesen generellen Dokumentationswert noch sichtbar hinausgehend als noch

„ mit  all  den  Gebäuden  aus  seiner  unmittelbaren  Umgebung ,

die  spätestens  am  Ende  des  (19.)  Jahrhunderts  beseitigt  worden  sind “

(Wolfgang Weitz).

Und von keiner geringeren, in Kranichstein indes nicht überlieferten (siehe aber neben der dortigen Trophäe, VI.10c des Darmstädter Katalogs nebst Abbildung, Egers großes Bildniskopf-Öl des Hirsches, VI.10a, und der Eger zugeschriebenen zeichnerischen Kopfstudie, VI.10b m. Abb.) Vorlage als der des 1748 an den Hof gekommenen Hofjagdmalers Eger, auf den offenbar die enge Verbindung zu den Ridingers zurückging und rein altersmäßig sicher bevorzugt zu Martin Elias bestand. Denn 6 der 12 Hessen-Darmstadt gewidmeten Platten der „Wundersamsten“ (davon 10 Ludwig VIII. persönlich) zuzüglich der später aus den „Vorfallenheiten“ übernommenen Thienemann 356 + 385 mit ebenfalls Ludwig-Bezug wurden von Martin Elias ausgeführt, davon vier nach Eger. Darüberhinaus nach letzterem das Reiter-Portrait Ludwigs aus den „Fürstlichen Personen“ sowie zwei weitere Vorlagen.

Wie  denn  Eger  auch

„der  eigentliche  Maler  der  Parforcejagd  in  Kranichstein  (war)  …

Ludwig VIII. muß (ihn) sehr geschätzt haben, wünschte sich ihn als ständigen Jagdbegleiter und verlieh ihm eine Hofjagduniform, um ihn den Jägern gleichzustellen, nannte ihn auch vertraulich ‚seinen Altgesellen‘ (und verlieh ihm 1765 nach Joh. Chr. Fiedlers Tod den Titel eines zweiten Hofmalers) “

(Siebert, a. a. O., Seiten 63 + 109).

„Jagdlandgraf“ Ludwig VIII. selbst aber nebst Hessen-Darmstadt generell bilden nicht nur den mit Abstand größten Individual-Block innerhalb der „Wundersamsten“, sondern im gesamten graphischen Œuvre überhaupt. Und in diesem Kontext ist die anstehende Platte mit ihrer Kranichsteiner Architektonik

die  dominanteste  Platte  des  Hessen-Darmstadt-Blockes ,

geschützt  vor  Anlaufen  mittels  feinen  Lackauftrags .

Im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig, doch angeboten und verkauft als Kunstwerk und Sammlungsstück im Sinne des ermäßigten MwSt.-Satzes, also unbeschadet ihrer schlußendlichen Druckqualität. – Kurz ,

ein  denkbar  erfreuendes , weltweit  unikates  Absolutum .

Ihnen angetragen mit der Empfehlung einer zeitlos-eleganten rahmenfreien Hängung (Vorrichtung anbei) , um  Sie  der  jeweiligen  Licht-Reflexe  am  schönsten  teilhaftig  werden  zu  lassen .

Und  was  sagten  private  Ridinger-Platten-Erwerber  generell ?

„ … haben  Sie  mich  überrascht “,

so ein Vorsitzender Richter i. R. und zwei dieser Zimelien erstehend,
von denen er auch Abzüge machen ließ
(siehe Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, I.10 + I.12).

„ Ich  möchte  mich  bei  Ihnen  bedanken,

die  Platten  sind  schöner , als  ich  erwartet  hatte,

ich  übernehme  beide , gar  keine  Frage “,

so ein Unternehmer, der zwischenzeitlich drei weitere erwarb.

„ … and  I  know  the  plate  will  only  gain  in  value “,

so ein amerikanischer Erwerber.

Und die Kunstsammlungen Augsburg präsentierten 2001 den erworbenen 12er Satz zur Paradies-Folge
innerhalb der Ausstellung „KUNSTREICH“ als den bedeutenden Erwerbungen des letzten Jahrzehnts
(Katalog KUNSTREICH Nr. 102, SS. 198-201).

All obigen Fakten schlußendlich einen an Hand der beigezogenen Blaeu’schen Karten-Platten möglichen Wertevergleich einst + jetzt zur Seite zu stellen, erweist sich als ebenso interessant wie aufschlußreich:

100 Gulden (in den nördl. Niederlanden kamen im 17./18. Jhdt. auf den Gulden 20 Stuiver, auf den Stuiver 16 Pfennige) zahlten Hondius-Janssonius besagtermaßen 1630 zusätzlich zu Materialwert + Aufbereitung für den Stich jeder einzelnen Karten-Platte. Demgegenüber betrug der Verlagspreis für Joan Blaeu’s rund 600 (sic!) Karten umfassenden 12- bzw. 11bändigen Atlas Maior aus den 1660ern – Le Grande Atlas als das herausragendste Atlas-Ereignis aller Zeiten, erschienen in einer Gesamtauflage von etwa knapp 1000 Exemplaren – 1670 für die grenzkolor. Standardausgabe in verziertem Pergament nur ganze 450 bzw. 430 Gulden! Gleichwohl zwangsläufig nur „für einen kleinen Käuferkreis bestimmt … (für das) Repräsentationsbedürfnis reicher Handelsherren und Reeder“. Denn ein normaler Tageslohn betrug in gedachter Zeitspanne auf dem platten Land im Westen rund 1 Gulden, im Süden + Osten nur zwischen ½ + 1 Gulden. Für Fachkräfte etwas mehr, für Knechte etwas weniger. Und in den Städten etwa das Doppelte.

Für die frühen 1970er bezifferte Traudl Seifert, seinerzeitige Leiterin der Kartenabteilung der Münchner Staatsbibliothek, für den Atlas Maior der Standardausführung einen Antiquariatspreis von etwa 150 Tausend DM. Auf 1984er Auktion wurde für einen auf 250 Tausend geschätzten 11bändigen solchen bei 5 fehlenden Karten ein Endpreis von 347700 DM bezahlt. Eine Steigerung ab Erscheinen vor 300 Jahren auf 80760%. Die ihrerseits schon wieder zwei Jahrzehnte zurückliegen!

Analog hierzu würden sich die 100 Gulden Stichkosten pro Platte von 1630 bei unverbindlich unterstellter und grobrechnender Gleichsetzung zur DM per 1984 um eben das 807fache auf 80760 DM oder 41292 EUR vervielfacht haben. Dabei, gewiß, aber nur, ausschließlich handwerkliches Können voraussetzend.

(Basierend auf Koeman, wie oben; Traudl Seifert, Der Atlas major des Joan Blaeu, in Börsenblatt für den Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausgabe, vom 25. 2. 1975; sowie statistischen Quellen.)

Und  so  ist  das  Elitärste  vielfach  noch  immer  das  Preiswerteste

Angebots-Nr. 14.997  /  Preis auf Anfrage

–  samt  besagter  rahmungsfreier  Hängungs-Vorrichtung  –