English

Eine  thematische  Initialzündung

Stand  Modell  für  den  „Blauen  Reiter“  Franz  Marc

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Wiesel. Zwei vor Unterholz- + Felskulisse, eines hinter einem Stein hervorkommend, das andere auf diesem. Radierung mit Kupferstich. (1740.) Bezeichnet: J. E. R. f., ansonsten wie vor. 19,1 x 15,6 cm.

Blatt 88 (Thienemann + Schwarz 479) der instruktiven Suite Entwurf einiger Thiere, Wie solche Nach ihren unterschiedenen Arten, Actionen und Leidenschaften, nach dem Leben gezeichnet ( „Diese Tafeln sind sehr gesucht und oft copirt“, Th. 1856).

Thematisch  aber  hier  erstmals  in  Kontext  gestellt

zu  Franz  Marc’s  malerischem  „Spielende  Wiesel“

von 1911, Hoberg-Jansen 144 nebst Abbildung.

Als von Ridinger inspiriert bekannt bislang nur Marc’s Holzschnitt „Reitschule nach Ridinger“ von 1913 (Lankheit 839) als Ausschnitt-Interpretation der Hintergrundfigur des aufsitzenden Reiters des dritten Blattes, Th. 608, der 1722er Reitschule, seitens der Literatur kommentiert mit

„ Aufschlussreich , dass Marc bei seiner sehr vertrauten Kenntnis der Kunstgeschichte

sich gerade diesen Meistern der Pferdedarstellung (Delacroix und Ridinger)

des 19. beziehungsweise 18. Jahrhunderts als Vorbildern zuwendet “

(Christian von Holst, Franz Marc – Pferde, 2003, SS. 166 ff. innert ‚… der Hufschlag meiner Pferde‘).

Doch bereits sein Öl der „Spielende(n) Wiesel“ von 1911, dem die gleichnamige Lithographie aus 1909/10 voranging, verrät die Kenntnis gleich mehrerer Ridinger-Kupfer aus durchaus verschiedenen Folgen. Marc zeigt zwei Wiesel, von denen das aufgebaumte eine, über einen Ast gebeugt, zu dem in aufgerichteter Pose auf der Erde sitzenden herunterschaut. Dabei das Baumwerk von einer Exzentrik, deren er sich in dieser vordergründigen Dichte im malerischen Ĺ’uvre nur noch auf den beiden „Akte(n) unter Bäumen“, H.-J. 143, gleichen Jahres bedient. Für die thematische Initialzündung stehen Ridinger’s anstehende „Die Wiesel“. Auch hier deren spielende zwei, doch beide auf der Erde und in einem in keiner Weise heranziehbaren Umfeld. Letzteres splittete Marc auf. Und übernahm die Pose der beiden Tiere von den beiden Baum-Mardern aus Blatt 86, Th. 476 der Folge (zusätzlich hier verfügbar das Pendant mit den beiden Steinmardern Th. 475 sowie die originalen Druckplatten zu beiden). Deren junger über einem Ast gleich niedriger Höhe wie bei Marc hängt und auf die auf den Hinterpratzen am Baumstamm stehende und mit einem Vogel lockende Mutter schaut. Dieselbe Situation zeigt „Spilende Eichörnlein“ als Blatt 88 (Th. 478), nur mit dem Unterschied eines weiteren aufgebaumten, doch am Spiel unbeteiligten Tieres. Den auch für Ridinger eher selteneren bizarren Baumwuchs – und als solchen bezeichnet ihn auch ausdrücklich Sälzle in seiner 1980er Edition der Vorzeichnungen nachstehender Folge – aber übernahm er von Blatt 19 der „Jagtbaren Thiere“, der „Spuhr eines Marders / Spuhr von der Wiesel“ (Th. 181) bei gleicher Pose des aufgebaumten Marders mit dem indes neutral gezeigten Wiesel auf der Erde.

So konzipierte Marc seine „Spielende(n) Wiesel“ also ebenso an Hand mehrerer Ridinger-Vorlagen, wie letzterer seinerseits seine Watteau’sche „Ergözung der Schäfer“, Th.-Stillfried 1397, aus vier Vorbildern des Franzosen komponierte. Daß Marc schließlich auch der typischere Ridinger’sche Baumschlag nicht fremd war, zeigt die rechte Baumgruppe seines malerischen Waldinneren „Die Würm bei Pipping“ aus 1902/03, H.-J. 15 nebst Abbildung. Aber auch die Par force Szenerie auf dem Aquarell „Schloss Ried“ von 1914 – Holst, Abb. 11, S. 29 – steht für ein weiteres Beispiel der Beschäftigung Marc’s mit Ridinger,

die  in  dieser  Pluralität  bislang  übersehen  worden  ist .

Ref.-Nr. 14.999 / Lagerware – nicht katalogisiert / Beschreibung + Angebot anfordern