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Von  offensichtlich  auch  besonderer  Lokaltreue

Brunft-Zeit-Drama  an  der  Bergstrasse

Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Diese 2. Hirsche einer von 14. der andere von 12. Enden sind d. 18.ten Novembrs. 1756. an  der  Bergstrasse  Hessen=Darmstädtischen Gebiets in der  seeheimer  (Bickenbacher) Tanne am sogenanten Tabacks-Acker im Graben, also liegend, mit dem Gehörn vest ineinander verwickelt, und wovon einer noch lebend, der andere aber todt war, gefunden worden. In reicher, in die Bildtiefe führender Landschaft, „wo im Hintergrund ein Stück Bergstraßenlandschaft sichtbar wird“ (Weitz). In der Luft sechs heranrudernde Vögel. Radierung mit Kupferstich nach Georg Adam Eger (1727 Murrhardt 1808). (1763/65.) Bezeichnet: G. A. Eger ad viv. pinx. / Joh. El. Ridinger direxit et excud. Aug. Vind. / Martin El. Ridinger sc. A. V., ansonsten wie vor. 35,7 x 26,8 cm.

Blatt 77 (Thienemann + Schwarz 319; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, VI.8 + 8a nebst Abbildungen; Siebert-Weitz, Ridinger – Bilder zur Jagd in Hessen-Darmstadt, 1999, SS. 40 f. nebst Abb.; Abbildung der Hirsche zudem im Jagdbuch Ludwigs VIII.) der Folge der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere.

Wobei nicht allein nach hiesigen Erkenntnissen die Bedeutung des Ältesten, Martin Elias, als dem Stecher auch anstehender Platte für das Ridinger-Œuvre sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden oder postum erschienen. Von den letzten 27 Platten der Wundersamsten fertigte er allein 21! Ohne ihn gäbe es denn auch die anstehende nicht!

Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet.

Die  sich  offensichtlich  auch  durch  besondere  Lokaltreue

auszeichnende  anstehende  Arbeit

nach Eger, dem Hofjagdmaler (1748) bzw. zweiten Hofmaler (1765) des „Jagdlandgrafen“ Ludwig VIII., der diesen „sehr geschätzt haben (muß), wünschte sich ihn als ständigen Jagdbegleiter und verlieh ihm eine Hofjagduniform, um ihn den Jägern gleichzustellen“ (Gisela Siebert, Kranichstein, 1969, S. 63). Der besonders enge geschäftliche Kontakt des Darmstädter Hofes zu den Ridingers berührt zweifellos auch die Eger’sche Kollegialität, namentlich auch gegenüber dem gleichaltrigen Martin Elias.

Egers Vorlage lt. Stefan Morét im Katalog Darmstadt zumindest dort nicht erhalten, wohl aber die beiden Geweihe in ihrer seltenen Form als Doppel-Trophäe auf zeitgenössisch geschnitzten hölzernen, farbig gefaßten Köpfen (VI.8a) und begleitet von der Beischrift:

„ Schau Leser einen Hirsch Duell

wo beyde bleiben auf der Stell / Als sie aus Eifersucht gerungen / Und mit Gewichter sich verschlungen / Ihr Fleisch das sonst dem Mensch gehört / wurd schimpflich von den Würm verzehrt / Da sie entgingen Ludwigs Waffen / so mußten sie sich selber strafen.  In  der  Bickenbacher  Tann  am  Tabaksacker  tod gefunden Anno 1756 “.

Die Plattenübertragung ist dank der rekonstruierbaren Erscheinensabfolge frühestens mit 1763 anzusetzen, welchem Jahr die Ereignisse der vorangehenden Blätter 75 + 76 gewidmet sind. Bis 1765 lagen dann die Blätter bis einschließlich 80 vor. 1764 könnte somit für anstehendes Blatt ein guter Mittelwert sein.

Ref.-Nr. 15.003 / Lagerware – nicht katalogisiert / Beschreibung + Angebot anfordern