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Das  „ stumpf-ohrichte  Hauptschwein “

und  sein  Packer

Zweifellos  eines  der  optisch  liebenswertesten  Kupfer  des  Meister’s

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Dises stumpf=ohrichte Haupt=Schwein mit gestuzter Ruthe welchem auf der Lincken seite der große Fang abgebrochen und auf der rechten das gewerff xweis gewachsen Haben Ihro Hoch=Fürstl: Durchl: der regierende Hr. Landgraff Ludewig (VIII.) zu Hessen Darmstatt vor 12. Jahren mit hoher Hand selbst die Ohren gestuzt und in dem 1749ten. Jahr den 18. Januar im  Bessumer  Forst (südlich von Darmstadt) angeschossen und den 30ten. dito im  Allerheiligen  Forst (nördlich von D.) gar erlegt. Radierung mit Kupferstich. Bezeichnet: J. E. Ridinger del. sculps. et excud. A. V. 1753., ansonsten wie vor. 34,9 x 25,2 cm.

Blatt 58 (Thienemann + Schwarz 300; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, VI.4 m. Abb.; Siebert-Weitz, Ridinger, 1999, SS. 30 f. m. Abb.) der Folge der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere.

Oberhalb  des  im  Jagdbuch  Ludwigs VIII.  abgebildeten  toten  Keilers

sitzt  der  bewachende  Packer

(deutlich sichtbar die gekürzten Ohren als typisch), „ein tüchtiger Bulldogg“ (Th.), traurig ob des Endes dieses so braven borstigen Gesellen. Diese Idylle erreicht denn auch das Heulen des verletzten seitlichen Rüden nicht. Man sieht den Störer kaum.

Thematisches  Pendant

zum darstellungsmäßig gleichfalls oben bogenförmig geschlossenen Kupfer des vom Leithund bewachten toten Hirschen zu Th. 299 (Abbildungen Katalog Darmstadt VI.3 + Siebert-Weitz S. 29),

„ mit  dem  (es)  innerhalb  der  Folge  zusammengehört “.

Wie Ridinger dem Hirsch-Schwein-Verhältnis ja auch seine berühmtesten Arbeiten, die Imperialen-Pendants Th. 67/68 gewidmet hat.

“ Der (Packer) trägt einen etwas rätselhaften Maulkorb. Die verwachsenen Zähne des Schweines, die gekürzten Ohren und der Stummelschwanz sind deutlich zu sehen “

(S.-Weitz SS. 28 + 30).

“ Im Gegensatz zu den meisten anderen von Ridinger publizierten Jagderfolgen Ludwigs VIII. hat sich zu diesem Blatt der Serie in der Kranichsteiner Sammlung kein weiteres Zeugnis erhalten “

(Morét).

Heranziehbar indes die Federzeichnung “Ein todtes wildes Schwein, worauf die Büchse liegt, daneben auf der Erderhöhung ein sitzender, an einem der Baumstämme angelegter Jagdhund, der es bewacht“ als Pos. 99 von “Johann Elias Ridinger’s Kunstnachlass in Handzeichnungen“ innerhalb des 1869er Weigel’schen Zeichnungskataloges. Hier indes ohne Büchse und frei sitzendem Rüden.

Ref.-Nr. 15.009 / Lagerware – nicht katalogisiert / Beschreibung + Angebot anfordern