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Der  „RUNDE“  oder  „SPIEGEL“-Hirsch  –

jagdhistorisch + bildhaft  faszinierend

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Dieser große starcke Hirsch von 16. Enden, dessen Gehörne oben so zusam(m)en gewachsen war, daß man mit keinem Messer=rücken hindurch gekont, ist von Ihro Hoch=Fürstl. Durchl. dem Regierenden Herrn Landgrafen Ludwig (VIII.) zu Hessen Darmstadt den 23. Aug. 1740. in dem  Ruppen  Fang  geschossen worden, deme auch unter der Rose, noch ein Ende ausgewachsen war. Radierung mit Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). (1767/8.) Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inv. del. et exc. Aug. Vind. / Martin El. Ridinger sculps., ansonsten wie vor. 34,9 x 26,1 cm.

Blatt 90 (Thienemann + Schwarz 332; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, VI.9, „Der runde Hirsch“, mit Abb.; Siebert-Weitz, Ridinger, 1999, SS. 42 f., „Der Spiegelhirsch“, denn „das Wachstum könnte den Rahmen für einen ovalen Spiegel bilden“, mit Abb.) der Folge der Wundersamsten Hirsche.

Wobei nicht nur nach hiesigen Erkenntnissen die Bedeutung des Ältesten, Martin Elias, als dem Stecher auch anstehender Platte für das Ridinger-Œuvre sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden, wie gerade auch die kolossale der 101blätterigen Wundersamsten Hirsche, der auch anstehendes Motiv zugehört. Von deren letzten 27 Arbeiten übertrug Martin Elias allein 21 auf die Platte. Ohne ihn gäbe es das Ihnen hier angetragene Kupfer nicht!

Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet.

„ 1740  schoß  der  Landgraf  einen  Sechzehnender ,

dessen  Geweih  sich  an  den  Spitzen  kronenartig  zusammengefügt  hatte .

Es hängt mit Hirschporträt im Rondellsaal, wurde von Spengler gemalt, von Ridinger gestochen und noch im 19. Jahrhundert vom Oberförster Koch kopiert “

(Gisela Siebert, Kranichstein, 1969, Seite 65).

„ Vorbild für den Stich war vermutlich eine Zeichnung nach dem Geweih, die Ridinger aus Darmstadt gesandt bekam “

(Katalog Darmstadt. Abgebildet dortselbst unter VI.9a auch das evt. von Zacharias Sonntag stammende Öl).

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