Mit 8 unbeschriebenen Erstzuständen
Die allein kolorierte Erstausgabe von
Ridingers Koloriertem Thier-Reich
in einem rundum absoluten Ausnahme-Angebot
Ridinger, Martin Elias und Johann Jacob (Hrsg.). Das in seiner großen Mannigfaltigkeit und in seinen schönen Farben nach Original-Zeichnungen geschilderte Thier-Reich / Representations des Animaux selon leur grande varieté et leurs belle couleurs suivant des desseins (sic!) originels. 2 Tle. in 1 Bd. (Augsburg, Selbstvlg., 1754 – ca. 1773.) 2° (41 x 29 cm). 20 SS. (frz. Textfassung), 24 SS. (dt.), 1 Bl. Index; 17 SS. (frz.), 20 SS. (dt.), 1 Bl. Index. 2 radierte Titelkupfer in Rötel, Holzschnitt-Bordüre, 5 große figürl. Vignetten (1 gestochene, 4 in Holzschnitt) und
127 meist lasiert

kolorierten Kupfer-Tafeln
nach und überwiegend von Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767) selbst, sonst Martin Elias, davon 4 in Gründruck, in Hoch- + 3 Querformaten von ca. 30,4-31,7 x 19,6-21,5 bzw. 21-21,1 x 31-31,6 cm. Marmor. Frzbd. d. Zt. (auf 6 Bünden m. rotem Titelschild „Histoire naturelle des Quadru[pedes]“, fleuraler Rücken- + Stehkantenvergoldung sowie marmor. Vorsätzen + Rotschnitt).
Provenienz

dessen Katalogausschnitt , nicht zugehörig zu folgendem ,
rückseits des vorderen Marmorvorsatzes
Dr. Alfred Ritter von Pfeiffer
(1858 – 1913)
dessen Bibliotheksmarke in Golddruck

mit dem Monogramm „AP unter Krone“
(Lugt 2067a)
+
hs. Nummer „1736“
sowie vom nachfolgenden überdeckten Exlibris
im vorderen Innenspiegel
Dessen Versteigerung Leipzig Mai 1914, Tl. II, Nr. 92 :
„ Herrliches Exemplar …
In dieser Vollständigkeit und Erhaltung
von allergrößter Seltenheit “
Württembergischer Bankiersfamilie entstammend und väterlicherseits vorbelastet (Gemälde),
wurden Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen + Miniaturen in erster Auktion
zusammen mit Slg. Graf Hügel bereits im November 1913 in Wien versteigert.
In den Mai-Auktionen
folgten Bibliothek + Kupferstichsammlung nebst Originalskizzenbüchern,
die Graphik angeführt von „kostbaren Serien Dürers und Rembrandts“,
Ridinger selbst mit „belle série“ (Lugt) vertreten .
geb. Villers Forbes aus dem Hause des Earl of Granard
Plymouth 1866 – Frankfurt/M 1937
Literatur
Ernst Mack, Die Frankfurter Familie von Weinberg
Veränderte Neuauflage Ffm. 2000
– hier beiliegend –
Frankfurter Wohltäterin mit Grabkapelle
am Turm der Kirche Mutter vom Guten Rat in Niederrad
Frau des zusammen mit Bruder Arthur
legendären Cassella- + I.G. Farben-Mannes
Carl von Weinberg ,
1919 + 1924 Mitglied der dt. Delegation
bei den Versailler Friedens- bzw. Dawesplan-Verhandlungen
May von Weinberg’s persönliches graphisches Exlibris
mit Motto „Dvm vivam et vltra“
über dem Ritter von Pfeiffer’s
mit beider Familie Wappen :
Links das der Familie Forbes , drei Bärenköpfe mit Halterungsriemen
und, oberhalb der Krone, vorwärtsschreitender Bär, nebst Wahlspruch

BEAR AND FORBEAR
Vorstehende Abbildung von Th. 1079 sinngemäß
Rechts das Weinbergsche Wappen mit den drei Kornblumenblüten unter steigendem Pferd, letzteres in Harmonie mit den kurhessischen Vorfahren ebenso wie der intensiv gelebten eigenen Leidenschaft der Weinbergbrüder mit und um Gestüt + Rennstall Waldfried bis hin zum seit 1946 dankbar gedenkenden Arthur von Weinberg Rennen in Niederrad.
Literatur
Jan Hendrik Niemeyer
Johann Elias Ridinger im Reiche der Kolorierten Thiere
Entstehung und Vollendung einer Folge
Überarbeitete Neuauflage 2010
– schriften der ridinger handlung niemeyer 22 –


Thienemann 974-1102 + SS. 298 ff.; Schwarz 974-1102 (Bd. I, Taf. XXX + XXXI + Abb. S. 140); Weigel, Kunstkat., Abt. XXVIII, Ridinger-App. 63a (Torso von nur 120 Bll., entsprechend „Vollständige Exemplare sind fast unauffindbar“, 1857); Slg. Coppenrath II 1599 ( „Ausserordentlich seltenes ganz vollständiges Exemplar“, 1889); Reich auf Biehla 206 ( „Ausserodentlich seltenes Werk“, 1 Bl. fehlend, einige Bll. leicht beschädigt, 1894); Slg. Hamminger 1834 („Vorzüglich erhaltenes Exemplar“, 1895) + 1835 (1 Bl. fehlend) sowie drei Torsi (1836 ff.); Helbing, Arbeiten v. J. E. u. M. E. Ridinger (Kat. XXXIV, 1900), 1490 („Komplet äusserst selten“, Tl. II nicht ganz tadelfrei) sowie 1491 f. (Torsi); Schwerdt III, 145 f. (das Explr. D. C. Marjoribanks); Gräflich Faber-Castell 66b (1958; Deckel lose); Hippologische Slg. Sarasin 117 (1999); Nissen, ZBI, 3408; Ebert 19109; Graesse VI, 119-20; Brunet IV, 1299; Rümann, Illustr. Buch, 950; Fürstenberg, Frz. Buch, 128.
Nicht in der reichen schles. R.-Slg. 1885 bei Boerner XXXIX mit lediglich 16 Bll. der Folge (Pos. 1955); R.-Slg. bei Wawra (1890; neben 234 Zeichnungen 600 Graphiken).
Die Kupfer auf dem qualitätvollen holländischen Papier

– „ weil es hierzu das anständigste und beste ist “,
so Ridinger in der Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde – mit Wasserzeichen Straßburger Lilie über Wappen (Heawood 73) sowie teils darunter (Heawood 64), teils als Nebenmarke, C & I Honig. Weitere Nebenmarke IV (Jean Villedary). Daneben vereinzelt auch nur typographisch C & I Honig ähnlich Heawood 3346 + 3348. Der Text auf gewöhnlichem Linienpapier mit vereinzelten figürl. (Wappenschild unter Krone?) und typograph. Wzz.
Erste vollständige Ausgabe .
Eine zweite, von den oben verkürzten, nunmehr numerierten, mit neuen Untertexten versehenen und teilweise auch sonst veränderten Platten gedruckt und in Schwarz-Weiß belassen, erschien 1824/25. – Die Tafeln zwischen den französischen Text gebunden und diesem nahezu durchgehend jeweils optisch gegenüberstehend; die der jeweiligen Rectoseite zuzuordnenden Tafeln also links, die der Versoseite aber rechts gebunden. Der deutsche Text nebst Indexblättern beiden Teilen jeweils nachgebunden. Als solchermaßen nicht die Regel
in bemerkenswert überlegter komfortabler Bindung ,
die Anlaß zu der Vermutung geben könnte, hiesige Abfolge einschließlich des zwischengebundenen Textes bis hin zu den jeweils en face präsentierten Tafeln
entspräche den Vorstellungen der Ridingers
und einer jedenfalls von ihnen besorgten Interimsbindung .
Das Titelkupfer von Tl. I mit vollkommen geglätterter Längsfalte und gesamthaft angeschmutzt. 3 Tafeln (ganz) schwach gleichmäßig gebräunt und neben 2 kleinen Wurmgängen in weißem Seitenrand bzw. Feld 6 Tafeln mit praktisch nicht bemerkbarem kleinen bis winzigen, säurefrei hinterlegten Einriß im unteren Bereich des Außenrandes. Die die Seiten 13-16 des 2. Tls. umgebenden 4 Tafeln mit leichtem Textabklatsch. Der Text namentlich im Ober- und Seitenrand tlw. leicht bis etwas stockfleckig, doch nur bei fünf der zwischengebundenen Erläuterungsblätter auch die unmittelbar vorhergehende bzw. anschließende Tafel von fast gar nicht bis schwach betreffend. Der Einband altersentsprechend namentlich an den Kanten etwas beschabt. Die Stehkanten der beiden Unterecken und kleine Fehlstelle im oberen Kapital gänzlich unauffällig restauriert, per letzterem damit auch den sich auf 3,5 cm anschließenden Riß lediglich des Leders am Vorderdeckelgelenk neutralisierend. Letzteres daselbst auch bezüglich des unten 1.5 cm gerissenen Leders ( dito: nicht des Gelenks ! ). Die minimale Fleckigkeit des Rückdeckels lediglich von Patinacharakter. Ein 2blätt. Vorder-Vorsatz von 1816er Whatman-Bögen nach Restauratorbefund eine Zutat späterer Hand. – An den Seiten ca. 2,5-3,5, oben 1-3, unten aber 5,5-7,5 cm breitrandig. – Solchermaßen denn das auf schwerem Bütten gedruckte Tafelwerk als ein rundum
beeindruckend schönes Exemplar
von grosser Frische und leuchtend-sattem Kolorit .


Eines der nur drei
original-kolorierten Ridinger-Werke
(die üblichen Hinweise im Handel auf zwei beruhen auf der Unkenntnis von der Existenz von Exemplaren der zum Kolorieren bestimmten 2. Auflage der 10blätt. Affen-Suite, Th. 541-550, die in diesem Zustand weder Thienemann, Weigel, Schwarz, Faber-Castell etc. zu Gesicht gekommen ist, Thienemann indes gleichwohl bekannt war und schönstens hierselbst 1972 durchgelaufen ist)
von sämtlichs allergrößter Seltenheit
aus dem Spätwerk des Meisters und von diesem – wohl mit Ausnahme der ersten, schwarzen Ausgabe der Affen – nur teilweise bzw. nicht mehr selbst veröffentlicht. Diese Ausgaben sind von letztgültiger Schönheit und
gehören zum Feinsten vom Feinen
![Johann Elias Ridinger, Africanischer Gems / Bouc bezoardique (Th. 1001: „Diese beiden wohlgelungenen Abbildungen hat Ridinger nach der Natur oder gut ausgestopften Exemplaren gefertigt … Die liegende ist die Spring-Antilope [Antilope euchore. Forster], die stehende aber die Pasan-Antilope [Antilope oryx]“) Johann Elias Ridinger, Africanischer Gems](images/th1001.jpg)

der illuminierten Tierbücher aller Zeiten .
Ihre Auflagenhöhe kann gar nicht klein genug gedacht werden. Und nur sieben Jahre nach Erscheinen hiesiger postumer Komplettausgabe des Thierreichs starb mit Martin Elias der werkvertrautere der beiden Söhne.
Und nach Übergang der Platten auf die Engelbrecht’sche Kunsthandlung spätestens 1821 wurden diese, Thienemann’s Anmerkungen hierzu hin oder her, unreparierbar verstümmelt, um unter auch abgeändertem Titel in den Folgejahren eine den vermeintlichen Anforderungen der Zeit gerecht werdende, tatsächlich aber auch
nie zu Koloritreife gelangte Neuausgabe
zu kreieren. Ein Schicksal, das praktisch allen übrigen der seinerzeit noch rund 800 erhaltenen Platten erspart blieb und – bis hin in Gegensatz auch zu den kolorierten Hauptfarben der Pferde – das Seinige dazu beitrug,
der kolorierten Original-Ausgabe des Thierreichs

für alle Zeiten seine Sonderstellung innerhalb des Œuvre zu sichern :
„ Das (Thierreich) ist vollständig wohl nirgends mehr zu finden, vielen Verehrern und Sammlern Ridinger’scher Kunstblätter so gut wie gar nicht bekannt, und nur bei den angestrengtesten Bemühungen ist es uns gelungen, aus ganz verschiedenen Orten diese kostbare Sammlung so ziemlich vollständig – drei ausstehende schließlich noch per Nachtrag SS. 298 ff. – zu erhalten “
(Thienemann).
Anstehendes Exemplar überdies mit
16-17 als meist erste , sonst frühe Zustände der ersten Ausgabe
zu klassifizierenden Tafeln ,
davon 7 erste + 1-2 weitere bislang nicht beschrieben .


Résumé
Väterlicherseits konzipiert , begonnen und weit vorangetrieben – 41 seiner eindeutigen Signaturen mit dem ausdrücklichen Verleger/Herausgeberkürzel excudit stehen nur 5 entsprechende des Sohnes und 1 indifferente gegenüber , die größere Hälfte diesbezüglich aussagelos bleibend – als
„ einen kleinen Beytrag zu der Naturgeschichte und zu einer genauern Einsicht und Erkänntniß derselben, wenigstens in Absicht auf das Thierreich zu liefern. Dann ob gleich hierinnen schon so vieles gethan und untersuchet worden ist, so findet sich doch noch sehr vieles nachzuholen … “
und seitens der Söhne mit dem adäquaten Vorbehalt vollendet, „da unsere Absicht hier eigentlich nur diese ist , dem Liebhaber
Th. 1099: „nach der Natur gefertigte gelungene Abbildung (der Mönchsrobbe)“gute Abbildungen der Thiere in die Hände zu liefern ,
nicht aber eine Naturgeschichte derselben zu schreiben. Wir gehen also ohne weitern Anstand zu der Beschreibung der Kupfer selbst fort “
(Seite 15 gelegentlich des Hirschen), so folgen sie doch eben auch mit letzterem dem Vater in seiner schon besagten Absicht, auch textlich so kurz und prägnant wie angenehm lesbar zu unterrichten. Mit dem Ergebnis eines
Kolorierten Thierreichs letzter Schönheit
Dargeboten in einem seinerseits seinesgleichen suchenden Exemplar , gehöht zudem von ebenbürtigen , mit May von Weinberg gar einzigartig ambientereichen Provenienzen . Dessen vorläufig hier nicht zu entschlüsselnde wohl früheste der verso des vorderen Marmor-Vorsatzes montierte Katalogausschnitt dokumentiert – siehe Abbildung eingangs – :
„ … Es ist dies das gesuchteste und seltenste Werk Ridinger’s in erster Ausgabe mit breitem Rand , dabei in tadelloser Frische und bester Erhaltung ,
ein complettes Exemplar in solcher Erhaltung
ist wohl noch nie in den Handel gekommen .
Thienemann , der nie ein vollständiges Exemplar gesehen , schreibt darüber (pag. 199) … “
Wobei oben bereits namentlich auch dessen hochinteressante Bindung erörtert, der Einband selbst indes nur nüchtern beschrieben wurde. So sei zu letzterem ergänzend hier angemerkt, daß das Vorkommen des
Thierreichs in zeitgenössischer Ganzleder-Bindung
als
Crème de la Crème

innen wie außen
wie hier
eine gar nicht hoch genug zu würdigende Trouvaille ist .
Wo immer uns ein Exemplar begegnet , in den alten Beständen , am Markt der letzten Jahrzehnte , die Regel ist allenfalls Halbleder der Zeit , meist nur 19. Jahrhundert und späteres Leder. Nicht ausgenommen Schwerdt’s Marjoribanks-Exemplar in seinem grünen Maroquin – des 19. Jahrhunderts. Nicht umsonst eben vereinte Dudley Coutts Marjoribanks, 1st Baron Tweedmouth, später Lord T. (1820-1894), seine reiche Ridingeriana-Sammlung möglichst in historischen Einbänden, eben den legendären Marjoribanks-Folios in ihrem roten französischen Maroquin des 18. Jahrhunderts, wie auch hier in den 90ern durchgelaufen.
Es war ganz offensichtlich der Gesamteindruck anstehenden Exemplars, der zu vorgenanntem résumé des Katalogausschnitts aus wohl den ersten Jahrzehnten nach Thienemann führte. Ein Eindruck, der sich hierselbst bei Vorlage wiederholte und den Händler aus seiner bald 60jährigen Begegnung mit Kostbarkeiten heraus zu sich sagen ließ – was für ein Exemplar ! Beeindruckend . Rundum .
Angebots-Nr. 15.615 / Preis auf Anfrage


