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Das  adelige  Wild — aus  altem  adeligen  Bestand

Johann Elias Ridinger, Die vier Tageszeiten der Hirsche (Morgen)Johann Elias Ridinger, Die vier Tageszeiten der Hirsche (Mittag) Johann Elias Ridinger, Die vier Tageszeiten der Hirsche (Mittag)Johann Elias Ridinger, Die vier Tageszeiten der Hirsche (Abend) Johann Elias Ridinger, Die vier Tageszeiten der Hirsche (Abend)Johann Elias Ridinger, Die vier Tageszeiten der Hirsche (Nacht) Johann Elias Ridinger, Die vier Tageszeiten der Hirsche (Nacht)Johann Elias Ridinger, Die vier Tageszeiten der Hirsche (Morgen)

» Die  Vier  Tageszeiten  der  Hirsche «

als  die  vielleicht  schönste  Naturfolge  der  alten  Graphik

mit  den  hier  herausgefundenen ,

stimmungsreich  inszenierten  Lokalgebern

Starnberg  am  See  +  Nymphenburg

mit  zudem  des  Meister’s  einziger  eigener  Dedication

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die vier Tageszeiten der Hirsche. Folge der 4 Blatt in Radierung + Kupferstich. Ca. 1746. Bezeichnet: J. E. Ridinger Pictor ac Sculptor Augustan. (1) bzw. J. E. Ridinger fec. (2-4), ansonsten wie nachfolgend, dabei das Tages-Motto jeweils oberhalb des Bildovals, dessen Ecken ausschraffiert sind. 34,3-34,6 x 27,7-28,2 cm.

Thienemann + Schwarz 238-241; Kunstlager-Catalog Weigel XXVIII, Ridinger-Appendix (1857) 19 A; Nagler 26; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885), 1800 (nur „Schöne neue Abdrücke“); R.-Slg. Reich auf Biehla (1894) 26 (nur „Neuere Abdrücke“, wohl jene um 1850); Slg. Gg. Hamminger 1601 ( Sehr seltene Folge“, 1895 ); Helbing XXXIV (J. E. + M. E. Ridinger, 1900), 500 ff. mit Bl. IV in „schöne(m) spätere(n) Abdruck“; Schwerdt III, 138; Kat. Halle 68, Tafelwerke des XVII. u. XVIII. Jhdts., 337 („Breitrandige schöne Abdrücke“, 1928). – Kein Exemplar in Slg. Coppenrath (1889/90) + Liste Rosenthal 126 (Joh. El. Ridinger, 1940, 444 Nrn.).

DIE  UNWIEDERHOLT  GEBLIEBENE  STIMMUNGSREICHE  SUITE

deren mit dem vollen Namen bezeichnete und mit Ao. 1746 M. Febr. datierte weiß gehöhte Vorzeichnungen in Kreide auf blauem Papier im Katalog der von Carl Marschall von Bieberstein nachgelassenen Zeichnungs-Sammlung mit Schwerpunkt Ridinger unter Pos. 58 figurierten (Ffm., Prestel, 1879) als

die  vielleicht  schönste  Naturfolge  der  alten  Graphik

in dem herrlichen , warmtonig-kontrastreichen Exemplar eines alten adeligen Sammelbandes und somit

über  die  Jahrhunderte  hinweg  bestverwahrt  geblieben

mit Wz. WANGEN als von den Ridingers besonders geschätzter Qualität. Oben + unten 5-6,8, seitlich 1,9-3,2 cm breitrandig, linksseits der alte Heftrand. Das Abendblatt mit stecknadelkopfkleiner Schabstelle in Felspartie oberhalb der Dreiergruppe, sonst bestens.

Die  Seltenheit  der  Folge  in  namentlich , aber nicht nur , zeitgenössischen Abdrucken widergespiegelt von Weigel 16545

( „alte  jetzt  nur  selten  vorkommende  Abdrücke “, 1847! )

wie von der Tatsache, daß sie in namhaften Ridinger-Sammlungen des 19. Jhdts. entweder ganz fehlte (Coppenrath) oder nur in Neuabdrucken ab/nach 1850 präsent waren (obige schlesische und die Theodor Reich’s). Aber selbst Georg Hamminger, Ridinger-Marktleerfeger seiner Zeit, besaß sie im Gegensatz zu zahllosen anderen Arbeiten des Meisters nur 1 x complett und neben einem kostbaren Ätzdruck des ersten Blattes nur noch zwei bis zum Bildrand beschnittene Einzelblätter. Und der Ridinger-Grossist Helbing, gleichfalls bekannt für seine zig Doubletten in allen Zuständen, hatte 1900 sein einziges Exemplar nur mittels eines späteren Abdruckes complettieren können.

Und  das  Fehlen  der  Folge  auf den von adäquaten Katalogen begleiteten Repräsentativ-Ausstellungen zum 300. Geburtstag, so der 18monatigen der polnischen Wanderausstellung des Nationalmuseums in Kielcach/Kielce 1997/98 und der Darmstädter im Jagdschloß Kranichstein 1999 wirft schließlich ein Schlaglicht auf die unveränderte Situation unserer Tage.

Lucem revehit tenebris Aurora fugatis (Nach verscheuchter Finsternis führt Aurora das Licht zurück) – Sol mediam coeli terit arduus arcem (Die hochstehende Sonne berührt die Mitte der Himmelsburg) – Ast(e)rifero procedit Vesper olympo (Am sternbesäten Olymp schreitet der Abend fort) – Jam medio volvuntur Sidera lapsu (Schon bewegen sich die Sterne inmitten ihres Niedergangs).

Für den Spießer von Blatt I dürfte die Zeichnung Weigel, 1869, Nr. 133 – „Ein auf einem Felsenstück stehender lechzender Hirsch“, schwarze Kreide, weiß gehöht, auf blauem Papier – als Vorlage gedient haben, von Ridinger bezeichnet mit „in  silva  Nymphenburg , ad  vivum  delineavit  J. E. Ridinger. 1738“.

Blatt III unter Fortlassens der stehenden zweiten Hirschkuh spiegelbildlich die rechte Vordergrund-Gruppe aus Th. 293, „Anno 1736. im Walde bey Stahrenberg nach der Natur gezeichnet“, dessen Kupferübertragung – „J. El. Ridinger ad viv. del. et fec.“ – 1746/48, wohl aber kaum vor 1747, erfolgte. Diese Szenerie zeigt an einem als Seebucht anzunehmenden Gewässer besagte Vierergruppe auf einem Felsblock oberhalb des Wassers und zugleich am Fuße eines ins Bild hineinragenden Felsens und zum andern am jenseitigen Waldsaum einen anderen Kapitalen mit 7köpfigem Serail. Die augenscheinlich zugehörige Tusche-Vorzeichnung der Sammlung Coppenrath – Abt. II (1889), Nr. 1918, „Zu Th. 293“ – „Hirschrudel am Ufer“ mit der Unterschrift „Nach der Natur bey Starenberg am See gezeichnet“ könnte sich gleichwohl als identisch mit jener wortgleich bezeichneten bei Weigel, 1869, Nr. 130 und damit als zu Th. 241 gehörig erweisen, siehe anschließende Szenerie.

Die Achtergruppe von Blatt IV exakt die Situation der vorgenannten Zeichnung Weigel 130, „Eine Landschaft mit einem Flusse (sic!); im Vordergrunde ein Hirsch und (7) Hirschkühe, welche vom Felsen nach dem Flusse herab gehen. Bezeichnet: Nach der Natur bei Starenberg am See gezeichnet. Mit des Malers Namen (dieser bei Coppenrath oben unterstelltermaßen per „Bezeichnet“ mit eingeschlossen), Tusche und schwarze Kreide …“. – Ikonographisch spielten im übrigen

„ Hirsche am Wasser in gebirgiger Landschaft … auf den berühmten Psalm 42,1 an ‚So wie der Hirsch nach frischem Wasser dürstet, so strebt meine Seele nach Dir, Herr‘ und wurden zur Chiffre für die ‚anima christiana‘ “

(Justus Müller-Hofstede gelegentlich der 1985er Kölner Savery-Ausstellung, FAZ 10. 11. 1985).

Damit sind „Die vier Tageszeiten“ wohl erstmals mit zunächst drei ihrer Szenerien in lokalen Kontext – zudem nach jeweils eigener Lokalaufnahme – gestellt worden,

dominiert  von  Starnberg , assistiert  vom  nahen  Nymphenburg .

Blatt I mit der Widmung – der  einzigen  eigenen  im  rund  1600blätterigen  graphischen  Ĺ’uvre ! – für den künstlerisch vielseitigen Diplomaten Christian Ludwig von Hagedorn (Hamburg 1712 – Dresden 1780), Bruder des Dichters und seit Ende 1763 Direktor der Dresdner Akademie, dann, 1764, dortiger Generaldirektor aller kulturellen Einrichtungen, hier in seiner Eigenschaft als Legationsrat August III. (Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen), Königs von Polen :

„ CHRJSTJANO LVDOVJCO AB HAGEDORN

Potentiss. Poloniae Regis a Consiliis Legationum / Viro et avitae Nobilitatis Splendore / et artis graphicae usu, cultu, amore / inter graviora negotia Spectabili / D. D. D. “

1735 in kursächsische Dienste getreten, avancierte Hagedorn 1743/44 zum (1763 Geheimen) Legationsrat. Über den Anlaß zu Ridinger’s auszeichnender unikater Widmung liegen hier noch keine Erkenntnisse vor.

Nach erst kürzlichem Durchlauf eines Exemplars seiner unwiederholt gebliebenen anstehenden Suite diese ein weiteres Mal beherztem Zugriff empfehlen zu können, sollte deren seit altersher verbriefte Seltenheit nicht in Vergessenheit geraten lassen. Ihr Hereinkommen war ebenso unverhofft wie ihre diesmalige Qualität beeindruckt.

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