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Johann Elias Ridinger, Spuhr eines Marders / Spuhr von der Wiesel

Stand  Modell
für  den  „Blauen  Reiter“  Franz  Marc

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Spuhr eines Marders / Vorder Pratzen / Hinder Pratzen / Spuhr von der Wiesel / Vorder Lauflein / Hinder Lauflein. Baum/Edelmarder in leicht apokalyptischer Baumlandschaft auf das Wiesel am Boden herabschauend. Unterhalb des Bildes die von a-c bzw. d-f erläuterten originalgroßen Spuren. Radierung und Kupferstich. (1740.) Bezeichnet: 19. / J. E. Ridinger inv. del. sculps. et excud. Aug. Vindel., ansonsten wie vor. 37,7 x 29,7 cm.

Johann Elias Ridinger, Spuhr eines Marders / von der Wiesel

ABBILDUNG DER JAGTBAREN THIERE 19. – Thienemann + Schwarz 181; Stubbe, Ridinger, 1966, Taf. 20; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, III.29 mit Abbildung; Sälzle, Faks.-Ausgabe sämtlicher Handzeichnungen der Folge, 1980, SS. 58 f. (datiert 1739). – Stellung des Wiesels und die untere Partie des Marder-Baums gegenüber der 1739er Vorzeichnung verändert.

Einzigartig schöner Abdruck mit WANGEN-Wasserzeichen als einer der von Ridinger bevorzugten festen Bütten-Qualitäten. – Oben + unten 3-4,9 cm breitrandig, links mit 1,3 + rechts mit 0,6 cm Rand, jeweils zusätzlich zum breiten weißen Plattenrand. – Säurefrei hinterlegter Randeinriß seitlich unten links noch in den weißen Plattenrand hineinreichend. Schwache Altersflecken im Unterrand.

Thematisch  hier  erstmals  in  Kontext  gestellt

zu  Franz  Marc’s  Öl  „Spielende  Wiesel“

von 1911, Hoberg-Jansen 144 nebst Abbildung.

Als von Ridinger inspiriert bekannt bislang nur Marc’s Holzschnitt „Reitschule nach Ridinger“ von 1913 (Lankheit 839) als Ausschnitt-Interpretation der Hintergrundfigur des aufsitzenden Reiters des dritten Blattes (Th. 608, siehe deren hier durchgelaufene Vorzeichnung) der 1722er Reitschule, seitens der Literatur kommentiert mit

„ Aufschlussreich , dass Marc bei seiner sehr vertrauten Kenntnis der Kunstgeschichte

sich gerade diesen Meistern der Pferdedarstellung (Delacroix und Ridinger)

des 19. beziehungsweise 18. Jahrhunderts als Vorbildern zuwendet “

(Christian von Holst, Franz Marc – Pferde, 2003, SS. 166 ff. innert ‚… der Hufschlag meiner Pferde‘).

Doch bereits sein Öl der „Spielende(n) Wiesel“ von 1911, dem die gleichnamige Lithographie aus 1909/10 voranging, verrät die Kenntnis gleich mehrerer Ridinger-Kupfer aus durchaus verschiedenen Folgen. Marc zeigt zwei Wiesel, von denen das aufgebaumte eine, über einen Ast gebeugt, zu dem in aufgerichteter Pose auf der Erde sitzenden herunterschaut. Dabei das Baumwerk von einer Exzentrik, deren er sich in dieser vordergründigen Dichte im malerischen Ĺ’uvre nur noch auf den beiden „Akte(n) unter Bäumen“, H.-J. 143, gleichen Jahres bedient. Für die thematische Initialzündung steht Ridinger’s kleinformatiges Blatt „Die Wiesel“ (Th. 479) von 1740 als Blatt 89 der Folge Entwurf einiger Thiere. Auch hier deren spielende zwei, doch beide auf der Erde und in einem in keiner Weise heranziehbaren Umfeld. Letzteres splittete Marc auf. Und holte sich die Pose der beiden Tiere aus dem 86. Blatt der Folge, den beiden Baum-Mardern Th. 476 (hier zusätzlich verfügbar das Pendant mit den beiden Steinmardern Th. 475 sowie die originalen Druckplatten zu beiden). Deren junger über einem Ast gleich niedriger Höhe wie bei Marc hängt und auf die auf den Hinterpratzen am Baumstamm stehende Mutter schaut, die mit einem erbeuteten Vogel lockt. Dieselbe Situation zeigt „Spilende Eichörnlein“ als Blatt 88 (Th. 478), nur mit dem Unterschied eines weiteren aufgebaumten, doch am Spiel unbeteiligten Tieres. Den auch für Ridinger eher selteneren bizarren Baumwuchs – und als solchen bezeichnet ihn auch ausdrücklich Sälzle in seiner 1980er Edition der Vorzeichnungen anstehender Folge – aber übernahm er vom hiesigen Blatte der „Spuhr eines Marders / Spuhr von der Wiesel“ bei gleicher Pose des aufgebaumten Marders mit dem indes neutral gezeigten Wiesel auf der Erde.

So konzipierte Marc seine „Spielende(n) Wiesel“ also ebenso an Hand mehrerer Ridinger-Vorlagen, wie letzterer seinerseits seine Watteau’sche „Ergözung der Schäfer“, Th.-Stillfried 1397, aus vier Vorbildern des Franzosen komponierte. Daß Marc schließlich auch der typischere Ridinger’sche Baumschlag nicht fremd war, zeigt die rechte Baumgruppe seines malerischen Waldinneren „Die Würm bei Pipping“ aus 1902/03, H.-J. 15 nebst Abbildung. Aber auch die Par force Szenerie auf dem Aquarell „Schloss Ried“ von 1914 – Holst, Abb. 11, S. 29 – steht für ein weiteres Beispiel der Beschäftigung Marc’s mit Ridinger,

die  in  dieser  Pluralität  bislang  übersehen  worden  ist .

Angebots-Nr. 15.793 / Preis auf Anfrage

– – – Dasselbe in leuchtend kontrastreichem, doch weniger breitrandigem Abdruck: dreiseits schmaler Rand bzw. rechtsseits oben 6 cm Beschnitt auf Plattenkante. Unten 3-3,5 cm breitrandig. – Rückseits oben Klebstreifenreste früherer Passepartout-Einhängung.

Angebots-Nr. 15.770 / Preis auf Anfrage

siehe auch Hermann Menzlers leicht variierende Tondruck-Lithographie dieses Sujets