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Johann Elias Ridinger, Kranich von Oldenburg

Der  Kranich

des  Oldenburger  Grafen  Anton  Günther

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der Kranich zu Oldenburg in Ost-Frießland. Der Welt berühmtester Apfelschimmel mit der Brandmarke seines Herrn – A in 8zackigem Stern unter Krone – vor dichter Eichenlaub-Kulisse. Kolor. Radierung/Kupferstich nach Jacob Theodor Klein. Bezeichnet: EQVVS Ostfris. / Wie oben / Cheval d’Ostfriesland nomé la Grüe. / Familia I. Einhufige. / Ex Collection. J. Th. Kleinii Secr. Gedan. / J. E. Ridinger fecit et exc. Aug. Vindel. 30,7 x 20,3 cm.

Thienemann + Schwarz 976. – IM  RIDINGER’SCHEN  ORIGINAL-KOLORIT  des seit 1754 entstandenen und nicht vor 1773 endgültig postum abgeschlossenen , unnumerierten Kolorierten Thier-Reichs („Vollständige Exemplare sind fast unauffindbar“, so Weigel, Kunstkat., Abt. XXVIII, Ridinger-App. 63a als lediglich 120blätt. Torso, 1857 ! , doch auch nur schon Einzelblätter nur sehr selten am Markt, bei niemeyer’s derzeit gleichwohl das eine wie die andern). – Eine entgegen Ankündigung unkoloriert gebliebene Zweitausgabe von den nunmehr unter Fortfall selbst von Tieren verkürzten und ohne die Ridinger-Signatur anders betitelten, jedoch numerierten Platten erschien 1824/25 bei Engelbrecht/Herzberg in Augsburg.

Mit dem für seine Sammlungen berühmten Jacob Theodor Klein („Plinius Gedanensium“, Königsberg 1685 – Danzig 1759; Danziger Stadtsekretär, später Direktor der von ihm mitbegründeten Danziger Naturforscher-Gesellschaft, Mitglied der Royal Society, London, und Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg; ADB XVI, 92 ff.) stand Ridinger in regem Kontakt und wurde von diesem auch für sein Thierreich-Unternehmen vielfältig unterstützt. Kleins von Linnés anatomischer Systematik überholter Klassifizierung nach Art und Zahl der Gliedmaßen folgend, tragen die Frühzustände einiger Blätter der Folge denn auch noch Referenzen zu dessen 1751er Quadrupedum dispositio brevisque Historia Naturalis, wie Thienemann für einige Tafeln bekannt und für verschiedene weitere per hier vorliegendem Komplett-Exemplar dokumentiert. Ridinger selbst hebt per Vorwort in seinen Dankesworten „insonderheit die ungemein schöne Sammlung des Herr P(rofessor). Klein aus der Ludolphischen Verlassenschaft, welche lauter Original=Stücke enthält,“ hervor.

DAS  BESUCHER , JA , SCHON  RIDINGER , STAUNENMACHENDE  SUJET

– Hauptblatt der auch in Einzelblättern sehr seltenen Folge –

und entsprechend vom Meister selbst per Seite 11 seiner Thierreich-Vorrede mit den Worten avisiert

„ … obgleich  die  Vorstellung  des  besondern  Schimmels

mit  einem  so  langen  Schweif  und  Mähne …

bey  nahe  unglaublich  und  übertrieben  scheinen  möchte ,

dennoch die Sache selbst ihre vollkommene Richtigkeit habe, indem uns der berühmte Herr Professor Klein in Danzig selbst solche Vorstellung gütigst mitgetheilet. Es ist dieses prächtige Geschöpf in Ost=Frießland gefallen , daselbst erzogen , und

der Kranich zu Oldenburg

genennet worden. So viel uns bekannt ist, hat man dergleichen beynahe noch niemalen gesehen, wiewohlen man uns berichtet hat, daß ein dergleichen weißer Schweif von einem Isabellfarben Pferde in dem Naturalien=Cabinet in Dresden (ausgestopft) gezeiget werde (bei späterem Brand vernichtet) und daß zu Florenz sich auch ein dergleichen schwarzes Pferd gefunden habe .“

Hier denn der in der Tat historische Hintergrund, indem nach einer Nacherzählung von Isabelle Yeginer auf einer homesite der Stadt Oldenburg Graf Anton Günther (1583-1667, seit 1603 Reichsgraf von Oldenburg und, ab 1647, Delmenhorst), Pferdefreund von Graden –

„ legte  den  Grund  zu  der  heute  noch  blühenden  Pferdezucht “

und „ Bei  allen  Verhandlungen  sparte  er  nicht  mit  ‚Verehrung‘

von  prächtigen  Pferden  aus  eigenen  Gestüten “

(Joh. Frdr. L. Th. Merzdorf, ADB I [1875], S. 492, bzw. Hermann Lübbing, NDB I [1953], S. 317) –

gelegentlich einer Reise in einem Spukschloß unter Falschmünzer geriet und nur gegen sein Versprechen absoluter Verschwiegenheit mit dem Leben davonkam.

„ Jahre später saß Graf Anton Günther eines Abends im heimischen Schloß an seinem Schreibtisch, als es klopfte … Der (nun wohlgekleidete) Besucher war einer der Falschmünzer aus jenem angeblichen Spukschloß in Holstein. ‚Ihr habt Wort gehalten‘, sprach er … ‚und nichts von dem verraten, was Ihr damals gesehen. Dafür sollt Ihr belohnt werden. Im Blauen Haus am Damm steht für Euch ein edles Roß bereit, das Euer würdig ist.‘ … Dort fand er den Kranich,

das  schönste  Pferd , das  er  je  gesehen  hatte .

Noch heute, zur Kramermarktszeit, wird Graf Anton Günthers Andenken alljährlich geehrt. Dann reitet er auf seinem legendären Kranich dem großen Kramermarktsumzug voran. “

Mit Wz. Straßburger Lilie über Wappen + C & I Honig (Typ Heawood 64/Churchill 428) als jener festen holländischen Papier-Qualität, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde

„wegen  der  feinen  Illumination“  für  die  kolorierten  Werke

verwandte, „weil es hiezu das anständigste und beste ist“. – Dreiseits 2-2,8 cm, unten 5,2 cm breitrandig. – Oben links im weißen Papier-/Plattenrand 2 x 4 cm braunfleckig, sonst nur vereinzelte Braunstippen im weißen Plattenfeld bzw. im weißen Rand, letzterer unten rechts auch mit Daumen-Schmuddelfleck.

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  1. „berühmtes Werk, welches der verdiente Naturforscher Jacob Theodor Klein in Danzig unter dem Titel: Quadrupedum Dispositio brevisque Historia Naturalis 1751 … herausgab. Er hatte es vermehrt und verbessert selbst ins Deutsche übersetzt, und sein Freund Gottfried Reyger gab es 1760 unter dem Titel heraus: J. Th. Klein’s Natürliche Ordnung und Vermehrte Historie der Vierfüssigen Thiere. Ridinger stand in genauer Verbindung mit Klein, wurde bei diesem (Thierreich-)Unternehmen vielfach von ihm unterstützt und richtete sich nach Klein’s System“ (Th., S. 200)