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Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767) + Georg Adam Eger (? 1727 Murrhardt 1808). Zwei Radierungen der Ridinger’schen Par Force Jagd des Hirschen in ihrem reinen Bildformat in Abdrucken auf grundiertem Zinkblech, ausgeführt als Ölmalerei in den Farben Hessen-Darmstadts von oder um Eger, möglicherweise teilweise unter Verwendung von Temperafarben. Wohl 1764/68. 26,2 x 47,2 cm. In Grün-Glanzgold-Rahmen.

Ausstellung

Schöne Beute — Bilder von der Jagd

Dr.-Hanns-Simon-Stiftung Bitburg

13. Januar – 3. März 2013

Literatur

Katalogbuch zur Ausstellung

Seiten 90-93 (doppelblattgroße Farbabbildungen) + 149

Kölsch, Gg. Adam Eger … Jagdmaler am Hessen-Darmstädter Hof / Katalog der Werke im Museum Jagdschloss Kranichstein, 2010; Thieme-Becker, Eger, X (1914), 369; Siebert, Kranichstein, Jagdschloß der Landgrafen von Hessen-Darmstadt, 1969; Hofmann, Führer durch das Darmstädter Jagdmuseum Schloß Kranichstein, 1981; Michel, Vorfahren und Verwandte des Tiermalers und Kupferstechers Joh. Elias Ridinger in Blätter des Bayer. Landesvereins für Familienkunde, Bd. XV, 1987, 396-414.

Johann Elias Ridinger, Die Relais werden von dem Commandeur der Jagt ausgesetzt Johann Elias Ridinger, Die Relais werden von dem Commandeur der Jagt ausgesetzt

Die Relais werden von dem Commandeur der Jagt ausgesetzt

Thienemann 53. – Blatt 5 der Folge, zugleich Titelblatt ihres zweiten Teils. – „Um bei der Menge Menschen und Thiere … Ordnung zu erhalten, wurden von den vornehmsten Führern der Jagd genau die Plätze angewiesen, wo die Relaispferde, die verschiedenen Hundekoppeln, sammt ihren berittenen Führern, anhalten sollten. Unser Blatt ist mit solchen theils anhaltenden, theils in Abtheilungen weiter … vorwärts ziehenden Trupps angefüllt. Die Anordner sind ganz vorn geschäftig.“
Angebots-Nr. 28.968  /  Preis auf Anfrage

Johann Elias Ridinger, Der Hirsch stellt sich im Wasser, die Hunde werden gestopfet u(nd) ihme der Fang gegeben Johann Elias Ridinger, Der Hirsch stellt sich im Wasser, die Hunde werden gestopfet u(nd) ihme der Fang gegeben

Der Hirsch stellt sich im Wasser, die Hunde werden gestopfft u(nd) ihme der Fang gegeben

Thienemann 61. – Blatt 13 der Folge, zugleich Titelblatt ihres vierten und letzten Teils. – „Die ganze Gesellschaft hat sich um das Wasser versammelt.“
Angebots-Nr. 28.969  /  Preis auf Anfrage

 

Hier  beispiellose  Unikate  aus  der  Gruppe  der  „ Blechmalerei “

am  Darmstädter  Hofe

als  eigenständige  Malereien  schönster  Bildwirkung

und  rücksichtlich  des  Kaumvorkommens  eigenen  Ridinger-Öls

einzigartig   reizvolle   Ridinger-Topstücke ,

deren Uniformen „in den Farben der Landgrafen, späteren Großherzöge von Hessen-Darmstadt angelegt (sind). Vor allem von Georg Adam Eger … gibt es eine ganze Reihe von Jagdgemälden die fast bis auf Details mit Ihren Farben übereinstimmen“ (DJM).

1748 als gerade 21jähriger für die Oberaufsicht der Bemalung der legendären sogenannten Kaiserliche(n) Vorstellungsuhr an den Darmstädter Hof verpflichtet, gehörte Eger 1750 neben den Gebrüdern Knaus als den Mechanikern zum Vierertroß, der das Prunkstück gelegentlich des 5jährigen Kaiser-Jubiläums Franz I. und des 10jähr. dessen Gemahlin Maria Theresia als Königin von Ungarn in Wien überreichte.

Doch unbeschadet der ihm von Ludwig entgegengebrachten Wertschätzung avancierte er erst 1765 zu zudem nur zweitem Hofmaler. Aber auch ohne Titel qualifiziert ihn Gisela Siebert, Graf Hardenbergs Wertung von 1918 bestätigend, als „Begabtester Hofjagdmaler. Darstellungen (namentlich) der Parforcejagd und der Dianaburg … Der eigentliche Maler der Parforcejagd in Kranichstein wird erst Adam Georg Eger … “.

Die Verbindung Ridinger-Eger scheint auf einen Aufenthalt des letzteren in Augsburg vor 1748 zurückzugehen, von wo er durch Vermittlung des Darmstädter Hofmechanikers und Uhrmachers Ludwig Knaus direkt nach Darmstadt gegangen sein dürfte. Letzterer hielt sich 1748 in Augsburg auf, „um dort die Fertigung des Kastens (obiger) Vorstellungsuhr aus Silber und Schildpatt zu überwachen“. Siehe hierzu Kölsch SS. 11/II + 26/II nebst Fußnoten 4 + 78. An der späteren engen Verbindung der Ridingers zum Darmstädter Hof könnte, ja dürfte, aber auch Joseph Prinz zu Hessen-Darmstadt als von 1740-1768 Fürstbischof zu Augsburg mitgewirkt haben.

Nach Eger’schen Vorlagen fertigte Martin Elias (Thieme-Becker irrtümlich „Joh. El.“) sieben (Kölsch 25/I irrig 5) Kupferarbeiten, nämlich Th. 318/319 (als einzige von diesen mit auch väterlichem Bezug, „direxit et excud. Aug. Vind.“), 339, 340, 352, 373 + 1378. Womit es auf Darmstadt bezogen indes noch längst nicht sein Bewenden hatte. Sind doch unter Einschluß von fünf Blättern der vorgenannten Gruppe mindestens 13 Arbeiten – Th. 292, 297, 299, 300, 305, 318, 319, 332, 339, 340, 342, 356, 1378 und damit die meisten der namentlich zuordbaren – Ludwig VIII. und seiner Regierungszeit gewidmet, davon sechs gänzlich allein von Johann Elias und eine gemeinsam mit Martin gefertigte.

Die Erörterung dieses engen Kontaktes ist sowohl für die künstlerische als auch zeitliche Einordnung anstehender Blechmalereien wichtig. Denn da mikroskopische Untersuchungen an Hand des Bildes Th. 61 im Landesmuseum Bonn und in den Städtischen Kunstsammlungen Augsburg – wiederholter Dank hierfür Frau Kalus und Herrn Beier – einwandfrei ergeben haben, daß die Bemalung nicht auf montierten Papierabzügen, wofür Zinkblech laut dankenswerter Auskunft der Papierrestauratorin des Bonner Kunstmuseums, Frau Büttner, schon rein technisch nicht geeignet wäre, erfolgte, die Platten aber in allen Einzelheiten den vollen Bildteil der Stiche aufweisen, handelt es sich also, wie als durchaus möglich bekannt, um unmittelbare Abdrucke von den Originalplatten auf die Grundierung des Zinkblechs. Dies aber setzt zwangsläufig die Mitwirkung der Ridingers voraus, wie durch oben gedachten engen Konnex denn auch gegeben.

Den Hintergrund einer solchen, aus dem alltäglichen Rahmen fallenden Behandlung liefern die entsprechenden Gewohnheiten Ludwigs VIII. und sein sprichwörtlicher Erfindungsreichtum. Dazu gehört denn nicht zuletzt auch die Blechmalerei zu verschiedenfältigen Zwecken. Zunächst galt es, Merkwürdigkeiten der Jagd selbst in Bild und erläuterndem Text festzuhalten, also analog den Ridinger-Kupfern der Wundersamsten Hirsche, Th. 242 ff., oder der Besondern Ereignisse und Vorfallenheiten bey der Jagd, Th. 343 ff., wobei für möglich zu halten ist, daß dieser Darstellungsweise eine gegenseitige Befruchtung zu Grunde liegt. Denn beide Ridinger-Folgen korrespondieren zeitlich mit den Darmstädter Gepflogenheiten. Wobei letztere auch das jagdliche Umfeld wie Jagdhäuser und dergleichen als merkenswerte Erinnerungen in die Malerei einbezogen. Für Darmstadt ist hierfür nicht nur überhaupt, sondern auch ein sehr frühes Vorbild belegt. Nämlich jenes im dortigen Schloßmuseum erhaltene Jagdskizzenbuch, das solche Vorkommnisse, zunächst in losen Bogen, seit 1742 in Vers und Bild festhielt und das 1751 gebunden wurde :

„ Sie scheinen häufig auch Vorlage gewesen zu sein für gemalte Blechtafeln, die man am entsprechenden Ort in Wald oder Feld anzubringen gedachte “

(Siebert, a. a. O., SS. 90 ff. und, bezüglich Gleichem für Baulichkeiten, 82).

Damit indes nicht genug, denn, so Hofmann SS. 8 f. bzw. S. 13,

„ Vielen … Verwandten und seinen hochgestellten Freunden, wie auch dem Kaiser in Wien, übersandte er Kopien der schon erwähnten (blechernen) Hirschporträts (so wie wir heute Fotografien verschicken), um mitzuteilen, welches Jagdglück ihm Diana bescherte. “

Diesem Umfeld entsprechen die hiesigen, gleichfalls auf Zinkblech vorgenommenen Übermalungen aus der Ridinger’schen Parforcejagd, die ursprünglich sicher als ganze Folge aller 16 Stationen vorgenommen worden sind und in jeder Hinsicht ganz einzigartig mit Ludwigs Vorlieben korrespondieren.

Leuchtend  in  den  Lokalfarben , dunkel  in  den  Waldpassagen ,

silbrig  kühl  in  der  Himmelsbehandlung

von Th. 53, ist die Palette sichtbar mitbestimmt von der graphischen Vorlage, letztere etwa das Darmstädter Posthorn der Satteldecken nicht vorsieht. Daß die Schleife am Dreispitz hier in Blau statt Rot gehalten ist, findet seine Entsprechung in verschiedenen Farb-Abweichungen der Eger-Zuschreibung von Pos. 1 des Werkverzeichnisses, also nicht erst im Rahmen der ausgeschiedenen Werke und Kopien (48 ff.). Die unsignierten Arbeiten Egers und seiner Gehilfen zudem, so Wolfgang Weitz, Mitstifter der Stiftung Hessischer Jägerhof, weitgehend nicht voneinander zu trennen. Den zeitlichen Rahmen zieht Gode Krämer, Kustos emeritus für Gemälde der Augsburger Kunstsammlungen, als für die verschiedenfältigen Aspekte sicherlich zu spät von Ende 18. bis frühes 19. Jahrhundert. Denn als

Kernstück  derselben

dürfte  der  zwischen  Eger  und  den  Ridingers  gepflogene  Konnex

anzusehen sein, wobei von den letzteren sowohl Johann Elias selbst als teilweise mit den auf Ludwig bezogenen Arbeiten – hier Plattendatierungen von bereits 1753, Th. 299 f. – als auch der 1780 gestorbene Martin Elias als Stecher der Eger’schen Vorlagen in Frage kommen. Sie betreffen die von den Söhnen (Johann Jacobs Ableben 1784 wäre ridingerseits eine vorbehaltlos zu unterstellende äußerste Zeitmarke, doch siehe auch unten) postum abgeschlossenen/herausgegebenen Folgen der Wundersamsten Hirsche (1768) und der Besondern Ereignisse und Vorfallenheiten (1779), darunter mit Th. 373 einem Hohenlohischen 1775er, sowie die Sonderstellung Th. 1378, beide per Eger/Martin Elias. Da auch die 1779er Folge neben Eger zeichnerisch ganz oder doch überwiegend auf dem 1767 verstorbenen Johann Elias fußt, betrifft die eigentliche Zusammenarbeit die Jahre vor 1768, Th. 1378 inclusive. Dem Komplex der Fürstlichen Personen zu Pferde zugehörend, zeigt letzteres den Mitte October 1768 verstorbenen Ludwig VIII. Mit dessen Ableben aber fand Egers Tätigkeit in Darmstadt ihr jähes Ende.

In ihrer Symbiose von „reifer Stecherkunst“ (Wolf Stubbe, einstiger Direktor des Hamburger Kupferstich-Kabinetts in seinem 1966er Johann Elias Ridinger zur Par Force Jagd-Folge), Blechmalereien unter Ludwig VIII. und der farblichen Delikatesse eines Eger bei hessen-darmstädtischen Farben dürften hiesige Blechmalereien plausibel überzeugend dem Umfeld jenes „unter der Herrschaft seines Vaters eingerissenen Jagdunfug(s)“ (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl.) entstammen, den der Nachfolger Ludwig IX. namentlich zu beseitigen suchte und dessen Reste Ludwig X. wieder in ihre Rechte einzusetzen bemüht war. Wie denn generell

„ (die) späteren Nachfolger (Ludwig VIII.) … diese Dinge im 19. Jahrhundert mit der ihrer Zeit verpflichteten Neigung zum Sammeln erhalten (haben). Auf diese Weise ist eine Fülle jagdgeschichtlicher Nachrichten auf uns gekommen, nicht allgemeiner Natur, sondern

von  den  Herren  selbst  in  Auftrag  gegeben ,

deren  Zeit , Sitten  und  Gebräuche  sie  schildern  … “

Sie sind

„ Spiegel einer barocken Lebensfreude, zu deren Schaustellung das gejagte Tier nur Anlaß ist … Dies ist die Folie, vor der man die zahlreichen Darstellungen der Parforcejagd in Kranichstein sehen muß. Auch die Tatsache, daß man sie so häufig festgehalten hat, daß man dazu eigens Hofjagdmaler hielt, ist Teil dieser höfischen Repräsentation “

(Siebert, a. a. O., SS. 33 + 56 f.).

Dieses Geistes denn auch hiesige Tafeln. Als zugleich

exquisiteste  Ridingeriana ,

wie sich denn Ridinger überhaupt – gleichsam als einer weiteren Fährte zur Entstehungsgeschichte der gegenwärtigen – am Darmstädter Hof generell größter Wertschätzung erfreute.

Der Zustand der Tafeln rundum schön. Die gewisse Körnigkeit nach Ansicht der befaßten Restauratoren entweder Oxydationsspuren der Platten oder von deren Aufrauhung zwecks besserer Haftung herrührend, die Malerei indes nicht gefährdend. Auch der Firnis sei gesund. Kurzum ,

Tafeln  zum  Zugreifen .

Tafeln , die  den  nahezu  öllosen  Ridinger-Markt

aufs  prächtigste  konterkarieren.

Denn bereits der erst 50jährige hatte „nimmermehr geglaubet das (er) den pensel noch einmahl ergreiffen würde“, wie er mit Brief vom 29. Juni 1748 gegenüber Wille in Paris äußerte (Decultot, Espagne + Werner [Hrsg.], Joh. Gg. Wille, Briefwechsel, 1999, Seite 76), zugleich beklagend, daß er sich gleichwohl einem entsprechenden neuerlichen Petersburger Wunsche Katharina’s der Großen nach vier weiteren Ölen nicht gut entziehen könne. Für die derzeit dortigen siehe Nikulin, The Hermitage Catalogue of Western European Painting XIV (1987), 284-287.

 

Gegenwärtig hier verfügbare
weitere Einzelblätter aus der Par Force Jagd :

Die Par Force Pferde werden auf den Rendevous aufgeführet (Th. 51)